Die Gesellschaft, das sind wir

Die andere Seite des Januskopf

 

Am anderen Ende des Spektrums, zumindest in einem sehr groben Spektrum, haben wir die kommunale Idee, die Idee des Sozialismus. Die natürlich genauso gescheitert ist, weil sie schlicht und einfach gegen die menschliche Natur ist und daher zwangsläufig scheitern muss. Die menschliche Sichtweise ist nun mal eine persönliche – ich schau in die Welt hinaus und daher nehme ich mich und meine Interessen wahr. Keiner schaut in die Welt raus als ein „Wir“ oder ein „andere vor mir“. Wir Menschen sind komische Tiere: Wir basieren auf sehr einfachen Grundprinzipien, aus denen heraus sich dann sehr komplexe weitere Strukturen ergeben. Aber erstmal im Prinzip sind wie sehr einfach und gleich gestrickt und deswegen als Masse mit einfachen Mitteln auch sehr schnell, sehr massiv zu in Bewegung zu versetzen. Wo es dann schwierig wird, ist es uns in Bewegung zu halten oder uns vielleicht sogar in eine bestimmte Richtung zu steuern, weil da sind wir dann bei den vorher erwähnten komplexen, persönlichen Strukturen angekommen. Diese sind oft so widersprüchlich, unlogisch und wirr, dass nicht einmal wir selbst, als Verursacher des ganzen Tohuwabohus uns darin zurecht finden.

Der Sozialismus mit seinem „Wir“ hatte von Anfang an nur die Chance durch Zwang und Druck zu funktionieren. Er musste die Menschen mit Drohungen in Schach halten, weil hehre Ideale sind schön und gut – aber spätestens beim nächsten Magenknurren wieder vergessen. Es ist ein Naturgesetz, dass Druck immer Gegendruck erzeugt. Daher war der Sozialismus von Beginn an zum Scheitern verdammt, denn die in der herrschenden Klasse sind immer weniger als die beherrschte Masse. Und irgendwann schnallt die beherrschte Masse das und beginnt dagegen anzudrängen. Unabhängig von allem: Eine Gesellschaftsidee, die nur durch Zwang durchgesetzt werden kann, ist keine Gesellschaftsidee, da sie nicht durch die Gesellschaft getragen wird,

Sie ist eine Herrschaftsidee

Somit haben wir zwei gesellschaftliche Konstrukte an den gegenüberliegenden Enden des Spektrums, die – aus meiner Sicht – beide schlecht sind und beide unglaublich viel Leid und Ungerechtigkeit über die in ihnen lebenden Menschen gebracht haben. Ich persönlich fand unsere Idee einer Gesellschaft, nämlich einen Mix aus beiden Extremen, zu haben, immer schön, praktikabel und so gerecht wie es eben zugehen kann in einer Welt aus vielen. Und wenn ich mit den Menschen rede, ihnen zuhöre, lese, was sie schreiben, höre, was sie singen, habe ich das Gefühl, dass es ganz vielen Menschen geht wie mir. Vor allem merke ich, dass ganz viele Menschen Angst haben vor dieser neuen, kalten, harten Gesellschaft, in die wir uns verwandeln. Die Sehnsucht nach Schutz, nach sich Verlassen können aufeinander, war noch nie so groß wie sie es heute ist. Die Realität ist längst für einen Großteil der in ihr lebenden, unlebbar geworden. Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind Volkskrankheiten und viele Menschen können nur noch unter dem Einfluss von Psychopharmaka und mit der Hilfe von Psychotherapeuten funktionieren. Denn funktionieren müssen sie heutzutage – auf Gedeih und Verderb.

Wenn die meisten Menschen das so gar nicht wollen und unsere Gesellschaft, die ja letztendlich aus uns besteht, krank und traurig wird dadurch, warum steuern unsere Gesellschaftsregeln dann immer weiter und immer erbarmungsloser in diese Richtung?

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Das liegt an uns. Der Grund dafür sind wir.

Weil wir uns nahtlos einfügen in die Vorgaben. Oft haben wir ja auch keine andere Wahl. Wir können unserem Chef nicht sagen: „Nee Du, den Werbeanruf mach ich jetzt nicht, weil ich das philosophisch ablehne.“ oder „Nee Du, dass jetzt schon wieder 20 Leute gekündigt werden, sehe ich nicht ein. Lieber verzichten wir alle auf 200€ monatlich und Du versprichst, dass in den nächsten fünf Jahren niemand gekündigt wird (was übrigens heissen würde: Auch unsere Stelle wäre fünf Jahre sicher)“.

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