Willkommen – zwei Stunden in meinem Kopf

Ok. Normalerweise geh ich ja oft von einem Gedanken oder Gefühl aus und erforsche das dann weiter. Heute bin ich in einer anderen Stimmung und ich werf einfach ein paar Gedankenfetzen in den Ring. Wahrscheinlich tauchen die in den nächsten Monaten wieder auf, denn ich bin ja oft wie eine Schnecke, die während dem vorwärtskriechen verzehrt, umwandelt und verwandelt. Ich nehm Gedanken und Gefühle, zerleg sie in für mich gangbare Wege, dann wie ein Chemiker, zerleg ich sie in ihre Basen, um ihnen am Ende einen neue Bezeichnung zu geben und sie in mein Weltgefüge zu integrieren. Oder so ähnlich.

Ich glaube, dieser Prozess ist auch dafür verantwortlich, dass ich manchmal so vegetative Phasen habe, denn er braucht seine Zeit und seinen Raum und seinen Frieden. Aber heute bin ich zu ungeduldig und hibbelig, um was richtig zu Ende zu denken. Mir kommen dauernd neue Gedanken, Erkenntnisse und verdrängen den gerade gedachten Gedanken, bevor er zu Ende gedacht ist. Und daher lad ich diese Gedanken jetzt hier erstmal ab.

Manchmal liebt man was aus Notwehr, aus Trotz sozusagen und dann, wenn man sich notgedrungen damit beschäftigt, merkt man, dass es eigentlich ganz anders ist, als man dachte und dass man es gar nicht widerwillig lieben muss, weil einem nix anderes übrig bleibt, sondern, dass man es lieben kann, um seinetwillen. Und irgendwann kommt einem die Erkenntnis, dass man es eigentlich schon immer geliebt hat. So geht es mir mit meinem Anderssein. Ich hab so lange damit gerungen. Wollte es nicht sein, hab es verleugnet, musste einsehen unterdrücken klappt nicht und irgendwann hab ich dann die Tür aufgemacht und geseufzt: „Nu, dann komm halt um Gottes Willen rein, wenn es sein muss.“ Und als es dann reingeschlüpft ist und wie ein Häufchen Elend so erbarmungswürdig am Küchentisch saß, mit baumelnden Beinen, die den Fußboden nicht erreichen, einen heißen Kakao schlürfend und sich daran aufwärmend, da war mir plötzlich ganz merkwürdig zumute. Ich hatte einen Kloß im Hals und mein Herz hat sich rumgedreht und dann plötzlich ist die ganze Kälte und Hartherzigkeit, die ich gegenüber dem Anderssein empfunden und aufgebaut hatte, weggeschmolzen und ich bin hingekniet und hab es in den Arm genommen. Und seither lernen wir uns kennen. Nicht alles ist schön oder einfach, aber es ist, wie es ist. So bin ich halt. Und das ist wunderbar tröstlich. Eine Identität.

Ich hab viel darüber nachgedacht, was Menschen dazu bringt, sich nicht zu beugen. Im Licht der heutigen Zeit, denke ich viel über Nationalsozialismus und das Mittelalter und die gesellschaftlichen Mechanismen nach. Ich denke an die Menschen, die jetzt gerade in dieser Sekunde irgendwo eingesperrt sind oder gefoltert werden für das, woran sie glauben oder für das, was sie sind. Was die fühlen, der Schmerz, die Angst, die Hoffnungslosigkeit. Ich hab mich dann gefragt, ob ich, wenn mein Leben in Gefahr wäre, etwas sagen könnte, an das ich nicht glaube. Ob ich etwas verleugnen könnte, an das ich glaube. Und ich glaube, ich könnte es nicht. Das macht mir Angst. Und ich hab nicht genau verstanden, warum ich so bin. Bin ich halsstarrig? Nehm ich mich und meine Gefühle, meine Überzeugungen selber so wichtig? Ist das übertriebene Selbstliebe? Was ist so schlimm am Verleugnen? Dann hab ich drüber nachgedacht und dann war es eigentlich total klar und ich weiß nicht, warum ich das nicht vorher gesehen hab: Natürlich ist der Grund für dieses Verhalten, dass ich daran glaube, dass etwas größeres oder wichtigeres als ich, als mein Leben existiert. Dass es wichtiger im großen Bild ist, dass ich die Wahrheit nicht beuge. Ich glaube daran, dass jedes Verleugnen das, woran ich glaube, vermindert. Dass es eine Rolle spielt, wie man sich verhält. Das ist für mich die logische Konsequenz des Glaubens. Weil, wenn ich nicht daran glauben würde, dass es eine Rolle spielt, warum dann überhaupt glauben?

Und im Folgegedanken zu diesem Gedanken hab ich dann darüber nachgedacht, warum ich immer mal wieder dazu neige erst was negatives über mich zu denken. Denn es war für mich natürlicher zuerst zu denken, ich wäre selbstbezogen oder starrsinnig. Und erst beim weiteren Nachdenken konnte ich sehen, dass es nicht zwangsläufig was negatives ist, das diesem Verhalten zugrunde liegt. Also instinktiv glaube ich erstmal, der „Fehler“ liegt bei mir und ich sehe andere Möglichkeiten erst, wenn ich dann weiter denke.Ich lerne es einfach nicht. Aber Gott sei Dank denke ich zumindest weiter!

Nu, das war bis jetzt der heutige Morgen in meinem Denk-und Fühlapparat. Bewegend, aufwühlend. Belastend, erhebend. An manchen Tagen ist das eben so. Zum Glück nicht immer, aber zum Glück manchmal.


P.S. Für die, denen meine Bilder gefallen, ist es vielleicht auch interessant meinem Tumblr-Blog zu folgen. Das ist letztendlich der Zwilling von hier, aber mit mehr von meinen „Bunten Bildern“, die es zum Teil hier nicht gibt (und mit kleinen Gedanken zwischenrein).

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