Wenn ich Königin von Deutschland wär….

Ok. Die Situation in der Welt und dass es mir gesundheitlich nicht so gut geht, vereinen sich grad bei mir zu einer Stimmung, in der ich nicht sehr kreativ sein kann. Mir fehlt der Schwung, die Leichtigkeit, etwas zu erschaffen, eine Vision zu haben, angesichts all des Hasses, der Dummheit, Verantwortungslosigkeit und Ignoranz, die man an so vielen Orten antrifft. Ich male nicht und ich dichte nicht. Das ist mir gerade ausgetrieben. Das ist auch etwas, was Instabilität und Gewalt, Haß macht: Sie stiehlt uns den Raum, die Sicherheit und das Vertrauen zu glauben und zu träumen. Stellt Euch mal vor, wie all die Menschen sich fühlen, die in einem tatsächlichen Kriegsgebiet leben. Krieg, selbst dann, wenn man selber kein unmittelbares Opfer von körperlicher Gewalt wurde, zerstört Menschen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich für viele Jahre.

Ich hab zwar eigentlich fertige Beiträge zum G20, zu Armut in Deutschland und ein paar anderen Themen im Entwurffächle stehen, aber ich kann mich irgendwie nicht dazu durchringen sie zu veröffentlichen. Ich glaube, das liegt daran, dass ich glauben muss, dass es Sinn macht. Aber jetzt, wo alles so unsicher und unstet ist, wo selbst unsere generelle Existenz bedroht ist, also, wo das Übel schon da ist, kommt es mir albern und hohl vor auf die Ursachen des Übels hinzuweisen. Als müsse alle Kraft darauf gebündelt werden das Übel zu bekämpfen und dann keine mehr bleibt, an eine bessere, andere Realität zu glauben. Vor allem scheint es so sinnlos, etwas aufzuzeigen, was so offensichtlich ist – jeder der es wöllte, könnte die Wahrheit eh selbst sehen. 

Das Problem ist, diese hass- und angsterfüllten Menschen wollen es ja nicht sehen. Es sind des Kaisers neue Kleider. Die Wahrheit ist ihr Feind. Weil die Wahrheit ihre egoistischen, armseligen Fähigkeiten und Beweggründe offenlegen würde. Sie würden sich all den hässlichen Dinge stellen müssen, die sie gesagt und getan haben und sich eingestehen müssen, dass dahinter nur die eigene, kleine Erbärmlichkeit und Angst steckt. Deswegen bekämpfen sie die Wahrheit mit aller Kraft und bauen sich lieber eine populistische, schwarz-weiße Parallelwelt auf.


Nu bin ich ein Immer-wieder-Aufsteh-Käpsele, auch, wenn ich zugebe, dass der Schlag diesmal heftig ist. So viel Schlimmes passiert und manchmal ist es schwer, es zu verdrängen und zur Normalität, zum Alltag zurück zu kehren. Was mich die Tage besonders mitgenommen hat, ist, dass sich in amerika ein achtjähriges Kind erhängt hat. Um das nochmal deutlich zu machen: Wir leben in einer Welt, in der ein achtjähriger Junge Selbstmord begeht. Das ist so unvorstellbar, jenseits jeder Worte, dass ich gar nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Wie können wir all die Verbrechen, die wir an den Schwachen und Hilflosen begehen, noch rechtfertigen? Warum zum Beispiel steht die Wirtschaft in amerika nicht still, weil die Menschen dort gegen das demonstrieren, was passiert? Aber, wie ein niedergetrampelter Grashalm sich nach und nach wieder aufrichtet, beginne auch ich nach jeder neuen schlechten Nachricht, mich nach und nach wieder neu aufzubauen.

Also, anstatt zu weinen, weil alles so schlimm ist, die Welt wahnsinnig geworden ist und viele Menschen ihre Menschlichkeit verloren haben, hab ich drüber nachgedacht, was ich real ändern würde, hätte ich die Möglichkeit dazu. Nu kann ich leider keinen Frieden und keine Gerechtigkeit herbeizaubern und deshalb musste ich mir konkrete, praktische Schritte überlegen. Und dann in meiner typischen schwäbischen Art hab ich gedacht: Ok, wenn ich darüber nachdenk, dann auch gleich richtig. Wenn ich also eine Partei im Wahlkampf wäre, wofür würde ich mich konkret einsetzen? Was würde mein Wahlprogramm, meine Thesen sein? Das ist natürlich ein unendlich großes und weites Feld, aber irgendwo muss man ja mal konkret anfangen. Und das würde ich mit den folgenden Punkten tun:

• Wohnraum darf nicht mehr zur Investition und für Spekulationen genutzt werden. Punkt. Keine Ausnahme von der Regel Zur Umsetzung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel festgelegte Maximalpreise für Wohnungen, gekoppelt an das Durschnittseinkommen der Bürger in der Stadt/Gemeinde und eine Vermietungspflicht, wenn Wohnraum leer steht. Oder dass man die Miete generell abschafft. Oder, dass Städte und Gemeinden Wohnraum aufkaufen

• Wer ein politisches Amt in Deutschland innehat, bekommt sein Gehalt und das wars. Es darf nichts dazu verdient werden. Punkt. Keine Ausnahmen von der Regel Keine Stellen in Aufsichtsräten oder als Berater oder was auch immer. Lobbyarbeit ist eines der schädlichsten Dinge meiner Ansicht nach für eine Gesellschaft. Ihr verdanken wir einen Großteil der sozialen Ungerechtigkeit und auch, dass jedes Gesetz 29 Ausnahmeregeln hat. Damit muss Schluß sein

• Jedes Flüchtlingsheim bekommt mindestens 2 festangestellte Psychologen, die im Heim arbeiten und jeden Tag die Flüchtlinge betreuen. Am besten wäre auch noch ein Lehrer, aber psychologische Hilfe ist erstmal das wichtigste Wir wollen, dass die Menschen, die jetzt in Deutschland leben, sich gut in unsere Gesellschaft einfinden. In aller Interesse. Die Menschen haben alles verloren, wahrscheinlich schlimmes erlebt und mitangesehen und sitzen nun in Verwahranstalten sich selbst überlassen fest, während sie sehen, dass die Welt um sie rum immer mehr entgleist. Wenn wir soziale, gesellschaftliche Gewalt verhindern und keinen mühsam im Schach gehaltenen Bürgerkrieg wie in Frankreich, england oder amerika wollen, müssen wir die Menschen integrieren. Nicht zuletzt auch, weil sie es verdienen. Wenn hier Gewalt und Krieg ausbrechen würde, Du verfolgt werden würdest, was würdest Du tun? Sag es mir. Du würdest fliehen. In ein anderes Land. Du würdest alles tun, um zu überleben. Und hoffen, dass Du dort Dein Leben wieder aufnehmen und Du sein kannst. Diese Menschen sind wir und wir sind sie. Wenn Du Dich und Deine Familie nicht ernähren kannst, egal, was Du machst und dann hörst, dass es woanders besser ist und man dort Menschen eine Chance gibt, was würdest Du tun? Du würdest Dir Deine Familie schnappen und Dein Glück versuchen. Das ist zutiefst menschlich, unser Überlebenswille ist stark. Diese Menschen sind wir und wir sind sie.

• Eine Obergrenze von Gehältern wird festgelegt. Und zwar ist diese Grenze gekoppelt am niedrigsten Gehalt. Auch hier keine Ausnahmeregelungen Eine Formel kann ganz leicht aufgestellt werden: Das höchste Gehalt darf nicht mehr als n-Mal mehr sein, als das niedrigste. Wenn also ein Vorstand viel Geld verdienen will, dann müssen auch die Niedriggehälter steigen. Die Verantwortung in einem Job oder die lange Ausbildung für einen Beruf soll sehr wohl gewürdigt werden durch das Gehalt, aber das darf sich nicht entkoppeln von der gesellschaftlichen Gesamtrealität

• Der Gesetzberg, den wir haben muss abgebaut werden. Gesetze sollen sich nicht an den wenigen ausrichten, die sich schlecht verhalten, sondern an der Mehrheit, die sich gut verhält. Die Gesellschaft sollte den Großteil der Dinge selbst gesellschaftlich regeln und Gesetze sollten nur den gesellschaftlichen Außenrahmen abstecken, praktisch die Ober- und Untergrenzen dessen, was erlaubt ist und wie wir uns unsere Gesellschaft wünschen. Um die abgeschafften Gesetze zu ersetzen, werden Schiedsgerichte eingerichtet, wo Bürger ihre Fälle vortragen können, wenn sie selbst keine Einigung erzielen können. Wir haben massiv verlernt uns selbst zu künmern und miteinander Regelungen zu finden. Das zeigt sich auch an den vielen Fällen von zusammengebrochener Kommunikation, die man im Internet sehen kann. Sobald es für was ein Gesetz gibt, zieht sich jeder raus und beharrt dann auch auf „seinem Recht“. Regulierung ist gut und notwendig, wo sie angebracht ist, in Bereichen wie Lebensmittelhygiene, Medizin usw.. Aber die Gesellschaft selbst, das gemeinsame Leben, darf nicht überreguliert werden, es muss gelebt werden. Zudem muss jeder die Möglichkeit haben, Zugang zu Recht zu erlangen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Das wäre durch Schiedsgerichte gegeben, weil dort jeder Fall verhandelt werden würde. Außerdem wäre jeder Fall vor dem Schiedsgericht eine Einzelfallentscheidung, was meines Erachtens ein riesiger Vorteil gegenüber einer starren, festen Gesetzgebung ist.


Das waren so die ersten Punkte, die mir ins Gehirn geflogen sind. Natürlich gibt es noch mehr, es gibt Unmengen von Dingen, die angepackt werden müssen. Zum Beispiel kann man sich vorstellen, dass es in Zukunft städtische Baufirmen gibt, die Bauaufträge innerhalb einer Stadt selbst ausführen (auch private) und Bauarbeiter selbst fest einstellen. Damit würden meiner Meinung nach Milliarden gespart werden können, denn im Bausektor gibt es unglaublich viel Korruption, Pfusch und Misswirtschaft und in ganz vielen Fällen zahlen wir Steuerzahler dafür. Zudem könnte mit so einer Lösung auch das Lohndumping bei Bauarbeitern beendet werden und Bauarbeiter würden endlich nicht mehr so massiv ausgenutzt und ausgesaugt werden.

Ich bin immer der Ansicht, dass anstatt sich damit zu beschäftigen, dass alles nicht stimmt, es besser ist, sich konkret und praktisch damit zu befassen, wie man es besser machen kann. Es ist natürlich initial wichtig erstmal rauszufinden, was schief läuft – aber nicht um darüber zu jammern oder Schuld zuzuweisen, sondern um zu wissen, was zu den Fehlern geführt hat und das für die Zukunft zu verbessern.

Eine Sache ist für mich jedoch glasklar: Der jetzige Weg, das jetzige System, das unter anderem amerika der Welt aufgedrückt hat, das allein auf Profit und Wirtschaft ausgerichtet ist, ist eine Einbahnstraße. Wir müssen uns neue Wege und neue Ideen überlegen und endlich für die Bürger und die Gesellschaft entscheiden und nicht für die Firmen. Es ist total albern zu meinen, die Firmen seien wichtiger als die Menschen. Das lässt sich in einem einzigen Satz widerlegen: Keine Firma kann existieren ohne Menschen, die da arbeiten und die ihre Produkte kaufen – aber der Mensch kann sehr wohl ohne Firmen existieren. Die Firmen brauchen also uns und nicht wir sie!!! Und danach sollten wir handeln und entscheiden.

Das heißt: Wir müssen vor allem aufhören mit der Angstmacherei und der Kuscherei. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen (wieder) gleichberechtigte Partner werden. Schluß mit befristeten Verträgen. Wenn ein Arbeitnehmer bereit ist, sich für eine Firma zu entscheiden, dann muss die Firma verdammt nochmal das selbe tun! Es gibt eine Probezeit, das genügt, um rauszufinden, ob es passt oder nicht. Anstatt ständig die Geiseln einiger Arbeitgeberlobbyisten zu sein, die sofort das Schreckgespenst „Arbeitsplatzverlust“ und „faule, übersättigte Arbeiter“ an die Wand malen, sobald sie selbst Verantwortung übernehmen oder mehr geben sollen, sollten wir Vertrauen in die Menschen haben. Schau, es ist wirklich ganz, ganz simpel: Wenn wir Menschen schätzen, ihnen vertrauen, ihnen positive Anreize bieten und niemand außen vor lassen, kommt in 99% der Fälle was Gutes dabei raus. Und das lohnt sich – auch für die Wirtschaft. Dann sind sie nämlich gute Arbeitnehmer, die zufrieden und gesund sind und damit ein positiver Teil der Gesellschaft. Wenn wir Menschen aber ausnutzen, sie ungerecht behandelt werden, sie ersetzbar und ungeschätzt sind, öffnet das Tür und Tor zu Unmut, Hass, einer gespaltenen Gesellschaft und irgendwann endet das dann in Gewalt, Radikalisierung und Elend. Das stört die Arbeitgeberlobbyisten und Politiker nicht, weil sie bis dahin genug Geld gemacht haben, um sich dem zu entziehen. Aber wir anderen müssen das ausbaden.

Ok, zurück zum Thema: Wenn Ihr eine Partei wärt in der Bundestagswahl, was würdet Ihr denn in Euer Programm schreiben? Es ist gar nicht so einfach nicht nur salbvolles, allgemeines Geschwafel von Gerechtigkeit und Frieden von sich zu geben, wenn man darüber nachdenkt, wie man sich die Zukunft vorstellt. Klar, will ich Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt für jeden. Aber wie genau kommt man praktisch da hin? Das ist echt nicht so einfach. Versucht Euch doch selber auch mal daran und denkt Euch Euer ganz persönliches Wunschwahlprogramm, Eure ganz eigenen Thesen aus. Was würdet Ihr machen, wenn Ihr die Könige und Königinnen von Deutschland wärt?
 

P.S.
Ich hab Euch ja schon den Film „13th“ ans Herz gelegt. Für die, die mehr über die wirklich sehr, sehr schlechte Situation von nicht-weißen Menschen in amerika und den per Gesetz institutionalisierten Rassismus, besonders im Rechts- und Polizeiwesen,  lesen mögen, hab ich noch einen Buchtipp: „Chokehold“ von Paul Butler. Keine schöne, sondern eine erschütternde Lektüre. Aber eine so nötige.

Ich wünsch uns allen, dass die Zeit bis zu den Wahlen nicht so schlimm wird, wie sie es in Frankreich und england war, was Gewalt und Fake News angeht. Und dass wir uns nicht verrückt machen lassen. Jedem bisschen Hass, das in die Welt gesetzt wird, setzen wir Liebe und Respekt entgegen. Deshalb gibt es heute einen lieben Gruß von mir an Euch! Dieses Herz ist von mir für Euch, denn es ist schön, dass Ihr das hier lest. Ich weiß das zu schätzen.


2 Kommentare Gib deinen ab

    1. Nina sagt:

      Danke!!!

      Gefällt mir

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