Geben und Nehmen

Ok. Kann mir jemand erklären, warum ein Blog ganz oft nur ein Thema abdeckt? Wir sind doch nicht plötzlich, in dem Moment, in dem wir einen Blog betreten, zu „ein Thema-Menschen“ geworden. Oder doch? Es ist fast obszön sich vorzustellen, dass jemand, der was zur außenpolitischen Situation Deutschlands im 18. Jahrhundert schreibt, auch was zum Thema Haushaltstipps sagen könnte. Aber warum? In echt ist es doch so, dass uns viele, meist total unterschiedliche, Dinge interessieren, dass wir verschiedene Leidenschaften haben.

Es hat wohl etwas damit zu tun, dass wir beim Lesen keine Toleranz üben müssen, wie wir es im normalen Leben tun. Im realen Leben akzeptieren wir die Sachen an anderen, die wir nicht mit ihnen teilen, weil wir das eben so gelernt haben. Die meisten Beziehungen beruhen auf einer Art Tauschgeschäft (was wir, um es netter zu haben „Geben und Nehmen“ nennen): Du hörst Dir meine lahmen Radsportgeschichten an und ignorierst, wie ich mich immer mehr ereifere, dafür höre ich Dir zu, wie Du über „Hol mich hier raus“ (Ihr wisst schon, was ich meine, will es hier nicht ausschreiben) erzählst. Haben ja alle was davon.

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Wirklich? Das ist eine ernsthafte Frage, keine rhetorische. Ich bin mir nicht sicher, welche Meinung ich dazu haben soll. Reicht es mir, dass mir jemand zuhört, selbst wenn derjenige sich gar nicht interessiert für das, was ich sage? Er/Sie mag sich für mich interessieren, aber nicht für das, was mich entflammt. Ist das genug? Bei allem anderen wollen wir Qualität – aber bei Interesse, Anteilnahme ist uns das plötzlich wurscht? Da nehmen wir, was wir kriegen können. Und weiterführend: Was ist, wenn ich es jemand erzähle, der sich zwar für das selbe interessiert wie ich, der aber meinen Gedanken nicht folgen kann, weil er ganz anders veranlagt ist?

Uns wird also in Blogs, Büchern, Zeitschriften meistens nur ein Aspekt einer Persönlichkeit angeboten. Ich weiß nicht, ob das ok ist oder ob ich das schade finde, bin etwas uneins deswegen. Ich verstehe schon, dass sich ein einzelnes Thema leichter verkaufen lässt, dass man so leichter Zielgruppen findet und diese leichter binden kann und blabla. Auf der anderen Seite denke ich, dass wir was verlieren, wenn wir uns immer weniger in andere reindenken müssen, wirkliches Interesse für andere aufbringen müssen oder wollen, weil uns die Persönlichkeit von jemand gefällt. Es wird uns so leicht gemacht uns anderweitig zu amüsieren, wenn wir gefordert werden.

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Aber wenn uns alles in leicht verzehrbare Happen vorgekaut wird, verlieren wir aus den Augen, was das überhaupt ist, was wir da zu uns nehmen. Jemand, der einen interessanten Blickwinkel und genialen Schreibstil fur verstaubte Außenpolitik hat, hat den doch sicher auch für Haushaltstipps? Also ist es schade, dass er die nie in die Öffentlichkeit tragen kann. Uns entgeht etwas dadurch.

Nun, da dies hier mein höchstpersönliches Reich ist, das ich mit Euch teile, gibt es hier jede Facette von mir, die grad an die Oberfläche drängt. Das bedeutet, Ihr, die Ihr gern meinen Gedankengängen folgt (tolles Wort, oder? Ich stelle mir da alte, gewaltige Gewölbegänge vor, wie in alten Burgen, mit Moos, großen, rauen, Felsblöcken und so), müsst mit meiner Sportbegeisterung zurechtkommen und wenn ich Euch schon nicht mitreißen kann, zumindest es über Euch ergehen lassen und Ihr, die Ihr Sport mögt, jedoch vielleicht nix für die Endlosschleife meiner Gedanken, Fragen und Gefühle übrig habt, Ihr müsst eben durchhalten, bis der Sport wieder regiert. Und ich kann Euch sagen, dass da noch viel mehr ist, was mich interessiert, das Ihr sicher nicht erwartet. Hundert Pro.

Alles in allem hoffe ich, dass so viel lesenswertes in mir ist, das Ihr mir zuhören wollt. Natürlich hab ich manchmal Muffensausen, dass das, was ich denke und fühle irgendwie albern oder unbedeutend ist, aber – no risk no fun. Viel, viel interessanter würde es natürlich noch werden, wenn Ihr Eure Meinung dazu auch sagt.

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. puzzleblume sagt:

    Dass viele Blogschreibende sich auf ein Thema beschränken bzw. lieber weitere Blogs für ihre anderen Interessen eröffnen, ist vermutlich einem erfolgsorientierten Denken geschuldet, denn kaum einer bloggt (heute noch) für den Effekt eines selbstreflektierenden Tagebuchs mit Zuschauern, wie es zu Beginn des Phänomens Blog noch der Fall war. Jetzt schielt eigentlich jeder auf seine Statistik, seine Like- und Kommentarzahlen und auf die Möglichkeiten, sich neue Leser einzufangen, statt an anderen Blogs interessiert zu sein.

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    1. Ach wie schön! Ein Mensch am anderen Ende der Tastatur! Seh ich absolut genauso. Hab dazu auch was geschrieben, über die psychologische Falle, die diese Statistik letztendlich ist. Ich bin auch schon am Überlegen, wie ich mich da bißchen schützen kann. Ich will nicht, dass die Statistik in mein Sc hreiben oder Denken eingreift. Leider gehöre ich zur neugierigen Sorte: Wenn es da ist, schau ich auch rein!

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  2. puzzleblume sagt:

    Ich lese sie nur sehr sporadisch, die Statistiken, bin aber anfällig für das Vermissen sichtbarer Reaktionen zu Blogeinträgen. Ich mag es, ab und zu das Gefühl zu haben, dass auch auf den Artikel geachtet wurde und nicht nur die Ecke mit den Sternchen im Reader abgearbeitet wurde.
    Schließlich möchte ich selbst auch lieber lesen und mit den angebotenen Gedanken spielen, als nur meinen Avatar überall hinzustempeln. Wenn ich schon da bin, schaue ich auch hin.

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    1. Ich hab ja den Blog erst 1 Monat, daher ist alles noch relativ neu für mich und ich musste mich in diese merkwürdige Währungsaustauscherei von Likes erst einarbeiten. Dann wurde es sehr schnell ersichtlich, wer welche Motivationen hat und teilweise fand ich es auch ganz schön heftig. Als gäbe es manche die sich vorgenommen haben: Ich like jeden Tag 5 Beiträge, auf Teufel komm raus! Ich finde Feedback total wichtig, ich würde gern hören, ob ich zu ausufernd schreib oder ob jemand meine Wendeltreppen- Ideen anregend findet und selber das gleiche denkt oder mal eine Idee weiterführend diskutieren. Aber ein „ich klick bei Dir, damit Du bei mir klickst“-Feedback? Schwierig. Das einzige Argument das zu tun wäre:So kann ich Leute aufmerksam machen auf den Inhalt. Befürchte nur, dass sich das total schnell verselbstständigt. Denn letztendlich ist es -so benutzt-ja dann doch Werbung, egal ob es „Like“ genannt wird.

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  3. puzzleblume sagt:

    Währungsaustausch – der Ausdruck trifft oft zu, auch Werbung, aber auch schlicht ein positives Zeichen, wo es nicht viel zu sagen gibt. Wenn ich an meine Besucher denke, weiss ich mittlerweile ganz gut, was bei wem zutrifft.

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    1. Das find ich schön, dass Du ein Gefühl für Deine Leserschaft hast. Letztendlich ist der Grund was zu veröffentlichen ja der, einen Austausch zu haben, Gleichgesinnte zu finden, mit denen man Ideen, Gedanken, Gefühle ausweiten, vergrößern kann, vermehren kann. Was zu bewirken dadurch, dass man die Welt mitprägt. Sonst könnte man ja einfach ein Tagebuch für sich schreiben. Und ja, da hast Du Recht, man spürt relativ schnell, wer wirklich liest und wer nur klickt.

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  4. puzzleblume sagt:

    Eine Mischung ist es manchmal. Es gibt auch Gelegenheiten, da veröffentliche ich etwas, bei dem es mir schnuppe ist, ob meine in dem Moment gewählte Ausdrucksform verstanden wird oder nicht, da müsste der „Publizieren“ Button eigentlich Manifestations-Dings heissen oder so. Dann mache ich eher einen Knoten in mein persönliches durch die Hände gleitendes Gedankenseil, als an die Vorstellung einer Kommunikation mit einem sozialen Netzwerk zu denken. Wenn aber ausgerechnet dann jemand „mitspielt“, ist das richtig toll.

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