Ok. Heute mal was ganz anderes: Wenn einer von Euch sich demnächst einen neuen Blue-Ray-Apparatus kauft und Ihr die Möglichkeit habt etwas mehr Geld auszugeben, kauft Euch einen Player ohne Länder-Spezifikationen (nicht geo restricted). Die Freiheit, die einem das gibt, ist wunderbar. Das ist wirklich gut investiertes Geld.

Ich hab mich immer rot geärgert, dass viele der Filme und Dokus, die mich interessieren für mich unerreichbar waren, weil sie auf meinem normalen, auf Deutschland ausgerichteten Apparat, nicht abspielbar waren. Ich hab mir auch schon ein Gerät damit geschrottet, dass ich eine amerikanische DVD abgespielt hab, weil ich die Kennzeichnung nicht gesehen habe. Danach hat sich der Computer im Gerät irgendwie eingebildet er sei jetzt ein Amerikaner und kann nur noch amerikanische Scheiben abspielen. Die liefen tadellos – dafür funktionierten keine meiner anderen Filme mehr!

Es gibt im Netz zwar Unmengen von Anleitungen, wie man die Geo Restriktion umgehen kann, aber wie immer sind diese Sachen mit Vorsicht zu genießen. Ich trau diesen Anleitungen nicht ganz und lass als Laie lieber die Finger davon, ganz abgesehen davon, dass es wahrscheinlich illegal ist. Und illegale Sachen machen wa nüscht, ne!

Verstehen? Ja. Verständnis? Nein!

Ich versteh schon irgendwie, dass die Hersteller sich vorbehalten wollen Verträge mit diversen Vertriebspartnern zu machen und daher immer erstmal nur das freigeben, wofür sie einen Vertrieb haben und dass Lizenzen in anderen Ländern teuer sein können (zumindest scheint das der Grund für die Länderkennzeichen zu sein, alles andere würde keinen Sinn machen. Nachtrag: Lifehacker erklärt hier (Eng), warum es diese blöde Länderkennzeichnung gibt). Und dass diverse Länder unterschiedliche Bildrechte, Altersfreigaben und so weiter haben und die Filmproduzenten sich darüber keinen Kopf machen oder sich absichern wollen, versteh ich auch noch irgendwie.

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Für die Freigabe „Ab 12 Jahre“ haben die Filmemacher von Appleseed Alpha Kommerz über Kunst gestellt
Zudem wollen sie sicher die Kontrolle über ihr Produkt erhalten und wenn zum Beispiel ein Mal „Fuck you“ weniger den Film in eine tiefere Altersklasse in wichtigen Märkten bringt, erhöht das den Wert des Produkts allgemein. Als Beispiel kann ich einen Film aus einer meiner absoluten Lieblingfilmreihen „Appleseed“ nennen: Appleseed Alpha. Die Filmemacher erzählen in den Extras der Blue-Ray Edition, wie sie den Film tatsächlich im Hinblick darauf gedreht haben, dass sie eine möglichst tiefe Jugendfreigabe erhalten, weil das enorm viel ausmacht an den Kinokassen. Es ist zum Kotzen, dass Filme so gedreht werden. Es ist aber die normale, alltägliche Realität. So kommt es, dass der Typ im Film, der wie der Teufel aussieht (in echt, mit Hörnern und so) „Friggin‘ statt „Fuckin'“ sagt. Lustiger kann es kaum werden: Ja, sicher, natürlich ist es total glaubwürdig und im Charakter, dass der Chef einer kriminellen Vereinigung, der wie Satan aussieht und Schläger- und Revolvertypies um sich hat bei „Fucking“ eine Grenze zieht. Also Menschen erpressen, das ist eine Sache – aber Schimpfwörter? Das geht dann doch zu weit! Allet klar!

Wie gesagt, ich kann die ganzen Manöver der Produktionsfirmen teilweise sogar verstehen. Aber ich hab kein Verständnis dafür. Ist ja nicht so, als würde ich was geschenkt wollen. Ich zahle genau den gleichen Preis für das Produkt wie ein Typ in Missouri oder eine Frau in Mumbai. Und das mit den verschiedenen Jugendschutzrichtlinien wird ja über die Freigabe geregelt. Vor allem ärgert mich die Restriktion bei Filmen, die von vornerein vor haben weltweit zu erscheinen. Da werden die ganzen genannten Argumente durchsichtig. Da wird deutlich: Es geht nur darum die Kontrolle zu behalten – um jeden Preis. Warum nicht einen Partner in den einzelnen Kontinenten/Ländern suchen, dem die Rechte verkaufen, meinetwegen für 5 Jahre und der kümmert sich um alles? Und dafür dann den Film für alle freigeben? Selbst, wenn diese zeitweise Abtretung nicht viel einbringt, ist das ja immer noch mehr als gar nix. Das wäre nämlich das, was der Produzent verdienen würde, wenn der Film in manchen Ländern gar nicht erscheint.

Zusammengefasst

Also, wenn Ihr wie ich wissensdurstiger seid als jeder grad frisch aufgewachte Vampir und öfters DVDs oder Blue-Ray-Scheiben über obskure Themen wie Radsport oder Cartoons aus obskuren Ländern wie Amerika kauft, dann lohnt es sich, falls es Euch möglich ist, in ein restriktionsfreies Filmabspielgerät zu investieren. Die Freiheit sich keinerlei Gedanken über irgendwelche blöden Buchstaben zu machen, sondern genau das kaufen zu können, was man sehen will ohne die Angst, dass Euch dabei das Abspielgerät kaputt geht, ist atemberaubend. Luxus – natürlich – aber inzwischen kriegt man wirklich gute freie Geräte zu einem erschwinglichen Preis. Mir hat sich so eine ganz neue, schöne Freiheit des Geistes eröffnet und ich hab mich von unnötigem Ballast, unnötigen Grenzen freigekauft. Das war es wert.


P.S. Der Beitragstitel ist cool, gell? Bin ganz stolz auf ihn, weil er so wichtig klingt, jedoch so hohl ist und mich damit zum Lachen bringt.

Beauty from Mars