Zeilt heilt eben nicht alle Wunden

Ok. Kennt Ihr das, wenn Ihr Sachen sagt, malt, schreibt oder schreit, die Euch monumental vorkommen und von denen Ihr auch denkt, dass eigentlich jeder sehen muss, wie monumental sie sind – und niemand findet irgendwas besonderes an dem, was Ihr grad gesagt, gemalt, geschrieben oder geschrien habt? I’m talking about an absolute gamechanger.

Das fühlt sich an, wie volle Kanne Karacho (oh, mein Leben ist grad einen Schritt näher an seiner Vollendung angekommen: Wie geil „volle Kanne Karacho“ zu schreiben!) gegen eine Wand zu rennen, einen Urknall zu erwarten und dann zu merken, dass es eine Gummiwand ist und man nutzlos zu Boden plumpst und die ganze Energie im uninteressierten Gummi versinkt und sich in Nichts auflöst.
 

Mir ging es schon oft so. Am unvergesslichsten für mich war, als ich zum ersten Mal emotional verstanden und geglaubt hab, mich getraut hab zu denken und fühlen, dass Zeit nicht alle Wunden heilt.

Es gibt Wunden, die sind unheilbar. Sie sind zu existentiell, zerstören zu viel von uns. Von unserem Innersten. Wie eine Chemikalie, die in ein Gesicht geschüttet wird. Man kann – in einem lebenslangen Prozess – wiederherstellen, vielleicht sogar besser als den Ursprungszustand. Aber es wird nie heilen. Es wird nie so sein, wie es sein sollte.

Für mich war das zu denken und zu fühlen weltbewegend.

Für mich war das der Moment mich von einer unerreichbaren Vorstellung zu verabschieden. Und mich dem gesellschaftlichen Druck einwandfrei zu funktionieren und perfekt, makellos zu sein, keine Wellen zu verursachen, entgegenzustemmen. Ich dachte, die Welt würde sehen, wie monumental das ist, nicht (nur) für mich, nein, für jeden. Welche Möglichkeiten und Freiheit das eröffnet, welches Kraftdepot, das man anzapfen kann! Aber anscheinend weiß das jeder oder es interessiert niemand.

Oder jeder kann die Monumentalität dieses Gedankens, dieses Wissens nur dann sehen, wenn er bereit dazu ist, wenn er es braucht und nutzen kann.

Also muss ich nicht traurig sein, dass mein Gedanke niemandem ad hoc geholfen hat. Es zählt nur, dass ich ihn hab und ihn in die Welt hinausgetragen hab. Von da an kann er, wie ein Löwenzahnsamen, seinen Weg machen. Manche halten ihn für Unkraut, manche finden ihn schön, andere finden ihn nützlich und manche spielen mit ihm.

Damit kann ich leben.



Meta-P.S. Ich war nicht so glücklich (unter anderem, weil ich ein paar Tage mit schlimmen Schmerzen hinter mir hab), als ich angefangen hab zu schreiben. Aber als ich den letzten Satz geschrieben hab, hab ich gelächelt.
 

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