Ok.Vorabwarnung: In diesem Beitrag geht um Hormone, unter anderem auch um den weiblichen Zyklus und die Periode. Wer das nicht abkann, ist hiermit vorgewarnt.

Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich mal über die weibliche Monatsblutung schreiben würde. Nicht, weil mir das peinlich ist oder ich das eklig finde oder so. Das Thema ist kein Tabu für mich (ich glaub nicht, dass ich überhaupt ein Thema hab, das für mich tabu wäre, worüber ich überhaupt nicht sprechen oder schreiben kann), aber ich fühle mich auch nicht berufen dazu die Periode in die Welt herauszutragen. Ich denke man muss nicht unbedingt jedem mit allem in’s Gesicht springen.

Vor ein paar Monaten hab ich den Blog und Tweets von einer Frau gelesen, die findet, man sollte über die Periode sprechen. Soweit ok für mich. Aber sie meint offensiv darüber sprechen. Sehr offensiv. Unabhängig vom aktuellen Gesprächspartner und -Thema. Sie macht das, indem sie in jedem Tweet mittweetet, dass sie jetzt ihre Tage hat. Jedem. Egal worüber der Tweet ist. Und was für Sorte Blutung und welche Krämpfe sie heimsuchen. Das finde ich bissle albern. Wenn jemand Durchfall hat, beschreibt er doch auch nicht dessen Konsistenz (sorry!). But she’s on a fucking mission!

Aber ihre Tweets haben mich zum Nachdenken über die Periode und unser Verhalten ihr gegenüber gebracht, was was Gutes ist. Wenn es einem körperlich dreckig geht, wegen der Periode, finde ich es ok und wichtig zu sagen, dass das so ist. Aber was mir viel, viel, viel wichtiger ist, ist dass in das Bewusstsein der Menschen eingeht, dass der hormonelle Zyklus generell Auswirkungen auf uns hat. Darauf, wie gut gelaunt wir sind, wie belastbar wir sind, wie schnell wir austicken. Das gilt für beide Geschlechter. Stupide und pubertäte Scherze über PMS helfen da nicht und gehen vorbei an der Realität: An einem bestimmten Tag meines Zyklus zum Beispiel bin ich der glücklichste Mensch der Welt, nichts stört mich, alles ist easy, während ich am nächsten Tag jedem den Kopf abbeissen will, der mir, angelockt von meiner vortägigen Fröhlichkeit, zu nahe kommt.

I am the mean crab!

Ich bin der Meinung, dass wir die hormonellen Auswirkungen unseres Zyklus viel zu wenig ernst nehmen, dem zu wenig Rechnung zollen. Sowohl diejenigen, die persönlich unter den Hormonen leiden oder einen coolen Tag haben deswegen, als auch die, die passivhormonell mitbelastet werden durch Angeschnauze oder Anstrahlen. Klar, nicht jeder ist davon im gleichen Ausmaß betroffen und klar, es gibt größere Probleme, wichtigere Dinge. Aber es gibt genug Menschen, die wirklich hin- und hergeworfen werden von ihrem hormonellen Zyklus und es ist Teil unseres Alltags. Ein Teil von uns.

Ich kann meistens spüren, ob eine Traurig- oder Glücklichkeit, eine Ungeduld oder Zornigkeit, eine Verletzbarkeit oder Angst von mir, also von meiner Psyche kommt oder ob sie hormonell ausgelöst oder unterstützt ist. Der Unterschied ist der, dass ich an den Dingen, die aus meiner Psyche kommen, aktiv arbeiten kann, wenn ich das will. Bei der hormonellen Ursache ist das unmöglich. Es fühlt sich fremd an, ich kann nirgendswo anpacken, was eigentlich logisch ist, da es ja nicht „real“ in meiner Psyche existiert, sondern meine Gefühle nur die Ausläufer von Hormonen sind. Die einzige Chance, die ich hab, ist abzuwarten, bis es vorbei ist und ich wieder „ich“ bin. Es ist auch so, dass sich logischerweise im Laufe des Älterwerdens sowohl mein Zyklus, als auch meine körperliche Reaktion darauf, verändert hat.

Also, was ich mir wünsche, ist, dass wir mehr kommunizieren darüber, wie wir uns fühlen und warum. Nicht in Witzen oder Stereotypen, sondern mit Akzeptanz und Verständnis. Hormone und ihr Zusammenspiel untereinander und mit dem Rest des Körpers bestimmen – im weiteren Sinn – praktisch alles, was wir tun: Sie sagen uns, dass wir müde sind, dass wir aufgeregt sind, dass wir hungrig sind und so weiter. Die Hormone sind die Bestimmer, die Chefs in unserem Körper, während die Organe die Ausführer, die Arbeiter sind. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, tun wir so, als würde der hormonelle Zyklus nicht existieren und keine Rolle spielen. Als wäre unsere Psyche die einzige Macht in unserem Körper. Wir bekommen gesagt „Stell Dich nicht so an“. Oder sagen zu uns selbst: „Reiß Dich mal zusammen“.

Wir bestehen aber aus unserem Bewußtsein UND unserem Körper und der hormonelle Zyklus spielt eine große, entscheidende Rolle in unserem Leben. Selbst, wenn wir das oft selber gar nicht so mitkriegen. Also: Sagt, was mit Euch los ist und hört anderen zu, wenn sie sagen, was mit Ihnen los ist. Auch, wenn manche um Euch rum komisch gucken mögen, unser Befinden, unser Körper und sein Zustand ist kein Tabu-Thema und darf keines sein. Achtet auf Euch und auf andere, habt Verständnis für Euch und andere. Unterstützt Euch.

Und ja, dieser Beitrag ist wahrscheinlich, sicherlich diktiert von meiner herannahenden Periode.