Bildliches Intermezzo VI

Ok. Es ist mal wieder Zeit für das Bildliche Intermezzo. Hier sind einige meiner Bilder, die ich in letzter Zeit gemalt hab. Momentan bin ich in einer Phase, in der ich mehr an der Aussage eines Bildes interessiert zu sein scheine. Ich bin gerade bereit, dafür anderes, wie die Farbe oder Textur zu vernachlässigen. Das war bisher nicht so und das finde ich ganz spannend. Bisher war es meistens so, dass ich emotional gemalt hab. Ich hab etwas gefühlt und dann es mit meinen Möglichkeiten versucht auszudrücken. Nun ist das irgendwie noch um die intellektuelle Ebene erweitert worden. Ich hab große Lust das zu erforschen und mir schwirren ein paar Bilder im Kopf rum, die ich malen will. Mal schauen, wo mich das hinführt.

Zu den gemalten Bildern gibt es auch noch ein kurzes geschriebenes Bild:

Der Anruf
Mit großen Schritten stapfte sie durch den Sand. Sie gab ein klassisches Bild ab: Frau am Strand vor stürmischer See. Normalerweise beruhigte das Wasser sie, gab ihr der freie, offene Blick und die Luft, deren salzige Rauheit man beim Einatmen fühlen und schmecken konnte, Kraft und Frieden. Aber heute schien ihr, als würde das Meer ihr Kraft entziehen. Als würde jede kleine Verwirbelung, jede kleine Strömung von ihrer eigenen Herzenskraft getrieben.

Umd vielleicht war es ja auch so? Für einen Moment war sie versucht diesem Bild zu folgen. Sich eine Welt vorzustellen, in der die Kraft und Energie der Menschen die Welt bewegen, so wie der Wind ein Blatt von seinem Platz pustet und die Schwerkraft es langsam aber unaufhaltsam zu sich hinabzieht. Eigentlich war der Strand an einem stürmischen Herbsttag genau ihre Zeit solchen Träumen und Geschichten nachzuhorchen. Aber nicht heute.

Sie wußte nicht genau, was sie mit sich anfangen sollte. Wenn sie in dem Tempo weiterjagte, würde sie bald am Ende der sandigen Strandwelt ankommen. Aber sie wollte sich auch nicht hinsetzen. Es kam ihr irgendwie falsch friedlich vor. Dann blieb sie stehen. Sie öffnete die Arme und schloß ihre Augen. Zwang sich zu atmen. In kleinen, verzweifelten Schüben presste sie Atemluft in ihre Lunge und wieder heraus. Sie spürte wie Tränen gegen ihre Augenlider drückten und kniff sie fest zu. Fester. Trotzdem schaffte es eine Träne zu entkommen und langsam über ihr Gesicht zu rollen. Es war ihr, als müsste ihr Herz zerbrechen.

Sie wusste es ja alles. All die Statistiken. Die Möglichkeiten. Die Unmöglichkeiten. Aber das war alles die eine Sache. Eine andere war ihr Magen, der sich verknotete und ihr Herz, das zersprang. Oh Gott, bitte, bitte, bitte, lass alles gut sein. Sie hockte sich hin, plötzlich erschöpft, ausgezehrt von der Energie und der Aufregung. Ihr war so schlecht, sie wollte sich nur noch zusammenkugeln, den Kopf auf die Arme legen und heulen. Dann klingelte ihr Telefon. Obwohl sie wie verrückt auf diesen Anruf gewartet hatte, erschrak sie nun so sehr, dass es ihr aus der Hand in den Sand fiel. Shit. Ihr brach der Schweiß aus. Hektisch hechtete sie dem Gerät nach und hob ab:

„Hallo“
„Ja, Hallo, Praxis Dr. Arzt hier. Sie hatten um Rückruf gebeten, wenn die Ergebnisse da sind.“
„Ja“
„Ich soll Ihnen vom Doktor sagen, dass das Ergebnis negativ ist, alles ok.“

Den Rest hörte sie schon gar nicht mehr. Die Sprechstundenhilfe hatte eh schon abgeschaltet. Sie hatte keine Ahnung von dem Tumult in ihr. Der Angst, vor dem, was sein könnte. Mit Desinterressierte hatte sie diese für sie lästige Aufgabe erledigt, ohne sich Gedanken zu machen, was es bedeutet.

Dieser kleine Anruf hatte mit einem Satz ihren Tag von pechschwarz zu goldglänzend transformiert. Die Lieblosigkeit der Sprechstundenhilfe gab ihr einen kleinen Stich, denn es beschmutzte irgendwie diesen nun goldgerahmten Tag. Aber dann zuckte sie es mit übermütigen Achseln weg. Sie spürte wie ein Grinsen in ihr Gesicht zog. Es kam ihr vor, als strahlte sie helles Licht aus und ihr Herz war leicht. So leicht, dass sie es kaum in ihrer Brust halten konnte. Und dann platzte es aus einfach ihr raus. Sie schrie dem Meer ein lautes „Jaaaa“entgegen, bevor sie sich rücklings in den Sand plumpsen ließ. Oh Gott, sie war so erleichtert! Dann erinnerte sie sich, dass andere sich noch Sorgen um sie machten und auf ihren Anruf warteten. Sie setzte sich auf und begann lächelnd zu wählen.






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