Wir

Es steigt –
Hand in Hand hieven wir uns den Berg hoch
über Geröll, entlang an Flüssen, geleiten wir uns
helfen uns über Gräben und tragen, die, die nicht mehr können
denn wir sind eine Gruppe, die zusammen was erreichen will,
wir brauchen uns, gehören zum selben Clan, haben das gleiche Ziel

Es wächst –
Längst haben wir den Gipfel erreicht und uns verabschiedet
jeder geht seinen Weg und Bitte um Hilfe ist befremdlich
ich bin da, wo ich hin wollte und brauch Dich nicht mehr
Du schaffst es nicht? Was kann ich da tun, hab es selber schwer.
Zusammen könnten wir uns alle oben halten. Warum soll ich mich an Dich verschwenden?
Jeder muss selbst einen Weg finden, lern Deine Resourcen richtig zu verwenden.
Totes Gewicht, das ist, was Du bist


Es bricht –
plötzlich bin ich selbst Ballast für jemand anderen, kann es nicht verstehen
ich war doch grad noch obenauf, konnte die unter mir straucheln sehen
wir machen Regeln, zeichnen auf, wo und wie wir auf dem Gipfel gehen müssen
aber es wird eng, alle auf gleichen Wegen und so glauben wir: Wir müssen uns schützen!
Ein Ellbogen hier, ein gestelltes Bein dort und die ersten fallen in die Tiefe.
Abseits, nah am Abgrund, stehn die mit dem anderen im Herzen, die mit der Liebe.
Nicht verstehend, noch einsehend, warum es keine freien Wege für alle geben kann?
Nein, bei uns gehen wir schön im Takt, in festen, sicheren Grenzen. Und das gilt für jedermann!
Die Unzufriedenheit wächst, es ergibt keinen Sinn: Regeln sollten doch die Ordnung schützen
warum wird alles enger, warum verlieren wir den Halt, anstatt dass sie uns nützen?
Es muss an uns liegen, wir machen was falsch, sind einfach nicht klug,
wir sind nicht kalt, nicht abgeschottet und nicht bestimmt genug.

Es zerbricht –
So beäugen wir, was andere haben und ob die es wirklich brauchen
und da es nicht unser Bedürfnis ist, fühlen wir nicht, wollen nicht glauben.
Die sind die anderen. Ich bin ich. Ich seh nur: Meins, Meiner, Meine.
Warum soll ich verzichten für jemand, mit dem ich doch gar nichts teile?
Eine böse Hand greift nach mir „Schließ die Augen, die gehen Dich nix an. Schau einfach nicht hin.“
Und mit ein wenig Hilfe, seh ich nun nur noch mich und das, was ich, ich, ich haben will.
Aber wo wir nun alle nur nach uns schauen, sehen wir den Abgrund vor uns nicht mehr
Plötzlich ist Leere, wo sonst fester Boden war, treten wir ins Nichts und stürzen schwer
einer nach dem anderen fallen wir, zurück dahin, von wo wir gemeinsam geflohen sind.
Die paar, die noch oben sind, bekommen es mit der Angst zu tun, nah am Irrsinn,
werden sie bissig, balgen sich, bis auch der allerletzte von Ihnen geht dahin.

Der Gipfel liegt wieder verlassen.

Einst friedlich, ist er nun gezeichnet durch uns.
Gebrandmarkt. Verwüstet.

Die, die den Sturz überlebt haben, klauben sich wieder auf.
Mühsam beginnen sie sehnsüchtig nach oben zu sehen:
“ Da wären wir sicher, wir wären obenauf, würden oben stehen.“
So berappeln sie sich und schauen sich wieder in die Augen
auf dem Boden angelangt, ist jeder gleich, kann man jeden brauchen
je mehr wir sind, desto stärker und besser
Und so raufen sie sich zusammen, Bruder und Schwester

Es steigt –


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