Ok. Wusstet Ihr schon, dass der Erfinder des Smileys, ein Mensch namens Harvey Ball, ganze 45 Dollar für die Rechte daran bekommen hat? Unglaublich, oder??? Durch einen Fehler bei der Rechteanmeldung hat er keine Copyrightrechte angemeldet und das Design 1963 für 45 Dollar vercheckt. Wenn man bedenkt, welche Verbreitung sein Design gefunden hat, überall auf der Welt, war das wahrscheinlich das Schnäppchen des Jahrtausends, oder? Ein wirklich billiges Gesicht („Das billige Gesicht“, klingt wie der Titel eines Edgar Wallace Schinken!).

Persönlich bin ich kein Fan von Emojis oder Emoticons. Ich denke, ich bin in der Lage mich mittels Sprache so auszudrücken, dass das, was ich sagen will, auch so verstanden wird. Und wenn nicht, dann verdiene ich es auch nicht anders. Nee, das ist nicht krass. Ich glaube einfach, uns geht die Fähigkeit der differenzierten Sprache dadurch verloren. Wenn ich mich nicht mehr bemühen muss mit meinen Worten meine Emotionen mitzuteilen, dann verlieren wir einfach dieses Können. Das ist nur folgerichtig. Daher nutze ich keine Emojis.

Nu mag das komisch puristisch klingen bei jemandem, der abstrakt malt und Rap liebt, aber wenn man sich mit dem einen, wie dem anderen, genauer beschäftigt, ist es gar nicht komisch, sondern ebenfalls folgerichtig. Rap ist die Kunst mit Hilfe von Sprache und Sprachpoesie Grenzen zu erweitern und Dinge immer neu auszudrücken. Emotionen so auszudrücken, dass Dir der Unterkiefer runterklappt. Jedes Mal anders und gekonnter. Und abstrakte Kunst ist absolut darauf angewiesen differenziert darzustellen und zu kommunizieren. Mit der Stärke einer Farbe oder eines Pinselstrichs eine Aussage zu treffen, eine Emotion zu vermitteln. Von daher hat das alles seine Ordnung so.

 
Weltoffene Bildchen
Für diesen Beitrag hab ich mir mal die Emojis auf meinem IPad genauer angeschaut und mit Wohlwollen festgestellt, dass es Familien mit Mama+Papa, Papa+Papa, Mama+Mama, Mama allein und Papa allein gibt. Zu den diversen Elternkonstellationen gibt es natürlich Kinder dazu. Und es gab doch schon immer diese komischen tanzenden Mädels im Body? Da gibt es jetzt auch komische tanzende Jungs im Body. Wobei sich die Frage stellt, ob es für die Menschheit nicht besser gewesen wäre das Ding zu löschen, anstatt zu verdoppeln! Aber immerhin, ich bin froh, dass Emojis zumindest in einem kleinen Rahmen weltoffen sind. Was ich nicht gefunden habe, sind Menschen mit kulturell religiöser Kopfbedeckung. Genauso wenig, wie Du im Fernsehen ne Kindersendung siehst, mit einem türkischen Mädchen mit Kopftuch, das mit seinen Freunden Abenteuer erlebt. Uns fällt das nicht auf, weil es für uns normal ist unbedeckte Köpfe zu sehen. Aber wäre ich ein türkisches Mädchen mit Kopftuch, wäre es für mich sicher schwer mich aufgenommen oder normal zu fühlen, wenn ich in der Welt um mich herum weder passiere, noch existiere.

Unterschiede
Man könnte nu meinen, ein Affen-Emoji ist nun mal ein Affen-Emoji. Dem ist nicht so. Auf dem Bild rechts seht ihr, wie unterschiedlich das selbe Emoji auf den unterschiedlichen Plattformen dargestellt wird. Aus irgendeinem Grund finde ich das faszinierend. Es gibt unendlich viel zu Emojis: Eine Emoji-Enzyklopädie, die Dir genau erklärt, was ein Emoji ausdrücken soll (OMG!!!), Emoji-Quize, weil anscheinend tatsächlich für manche unklar ist, was welches Emoji darstellt und sagen will. Und vieles, vieles mehr. Sicherlich gibt es auch bald einen Emoji-Roman. Ein ganzes Buch in Form von Emojis (halt, stop, hab grad gesehen, das ist schon ne olle Kamelle, gibt es schon seit 2014!). Oder einen Emoji-Film? Klingt auf’s erste Hören ganz lustig, aber schon beim ersten Denken, stresst es mich. Tatsächlich, nu wo ich drüber nachdenke, merke ich, dass ist bei mir so: Emojis stressen mich irgendwie. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Sie sind so unbefriedigend. Ja, ich glaub das ist es: Ihre Eindeutigkeit, ihre Eindimensionalität macht mich unterschwellig aggressiv (keine Angst, nur bissle). Geht das nur mir so? Wahrscheinlich.

Kaomoji
In Japan unterscheiden sie zwischen Emoticons und Emojis, die nicht Gesichter darstellen und Kaomoji, das sind die, die Gesichter darstellen (Kao heißt auf japanisch Gesicht). Auch irgendwie interresant, dass es da kulturelle Unterschiede gibt. Aber wenn man drüber nachdenkt: Das Wort Emoji hat ja schon irgendwie Bezug zu Emotionen. Aber ne Rübe oder ne Diskette is jetzt nich sooo emotional. Trotzdem nennen wir das so. Wir plappern halt gern gedankenlos nach (ich auch!!! Aber ganz ehrlich, was hätte es auch für einen Sinn wegen Emojis einen Aufstand zu machen? „Da geht es um’s Prinzip!“ Ja, allet klar, Alte…).

Wie fast alles sind Emojis und Emoticons natürlich nicht neu. Hier seht Ihr Emoticons aus dem Jahr 1881 aus der Satirezeitschrift Puck. Schön, gell? Damals wurden die Emoticons natürlich gesetzt und gedruckt und nicht programmiert.

WTF
Es gibt ein paar Emojis, die ich albern oder richtig unheimlich finde. Aber es gibt auch welche, die bei mir ernsthafte, weitreichende Fragen aufwerfen:

🌫 ??? Was soll der Scheiß? Was..was…was soll das sein? Ich mein in echt? Bewölkt? Dafür gibts Wolken -Emojis. Soll das Marmor darstellen? Nebel? Leute, wenn Ihr keinen richtigen Nebel darstellen könnt, dann lasst es sein!!!

🍥 Was ist das??? Es ist angesiedelt bei den Trophäen. Aber ich hab keinen Plan. Der Mensch, der sowas schon mal gewonnen hat: Bitte melden!

🖲 Hier hat sich mein fragender Gesichtsausdruck vielleicht aufgeklärt, denn nachdem ich stundenlang draufgestarrt hab, meine ich zu glauben, das soll eine Maus darstellen. Aber Leute: Ernsthaft???

🅰️🅱️🆎 Und die hier verstoßen gegen mein (sehr) simples Logikgemüt: Es gibt nur diese 3 Buchstaben. Warum? Wieso? Ist das, um mich zu quälen? Leute, ernsthaft: Wenn ich rote Buchstaben mach, dann ja wohl bitte alle oder keine. Wo kommen wir denn da hin?

Und hier noch was merkwürdiges zum Abschluss: Während alle Menschen lustige Emojis am öftesten gebrauchen (danach kommt dann der Herzschmerz und der Ärger und so), nutzen Emojis, die sexuellen Charakter haben, mehrheitlich Kanadier. Hättet Ihr’s gedacht? Isch im Lebä net!!!

Mehr aus der Reihe „Wusstet Ihr schon…?“
Teil 1: Der soziale Magen
Teil 2: Analoge Organe


Die Bilder sind von mir und Wikipedia.