Ich will das auch
Ich will das
Ich will
Ich
Ich will das nicht
Ich will das
Ich will
Ich
Wollen als Existenz
Der Akt des Ich-Wollens ist grundlegend sowohl ein existenznährender Akt als auch ein existenzauslöschender Akt.
Es kann keine Existenz ohne Ich-Wollen geben, denn jede Existenz ist an Bedürfnisse gekettet, somit ist das Ich-Wollen gleichbedeutend mit der Existenz. Auf der anderen Seite ist jedoch jede singuläre Existenz, wie z.B. ein Mensch, nicht überlebensfähig über ihre eigene Energie hinaus. Somit ist das Ich-Wollen, als der existenzbejahende Ausdruck einer rein singulären Existenz, gleichzeitig auch existenzbedrohend.
Eine Negierung des Ich-Wollens würde zum unweigerlichen sofortigen Ende der Existenz führen, während andererseits eine reine Erfüllung des Ich-Wollens zur vollständigen Erlöschung der Existenz führen würde, sobald die eigene Energie der Existenz verbraucht ist. Dieses Dilemma kann auch nicht durch eine Verneinung des Ich-Wollens, wie es zum Beispiel manche Religionen versuchen, alleine umgangen werden, denn selbst das „nicht wollen“ ist ja immer noch ein Ausdruck des Ich-Wollens.
Die einzige Möglichkeit der fortwährenden bewussten, jedoch unerlebten Existenz, zum Beispiel in Form von Kindern oder Schülern, ist jedoch nur möglich, wenn man auch den Ich-Wollensverzicht ausübt. Somit ist deutlich, dass das Ich-Wollen per se sowohl ein Ausdruck der Existenz ist als auch gleichzeitig der Untergang ihrer Fortwährung.
Bewusstsein und Realität
Ist eine Fortwährung der Existenz bewusst, wenn man sie ja nicht aktiv erlebt? Natürlich. Das Bewusstsein trifft ein in der bewussten, erlebten Gegenwart und bezieht sich auf die Zukunft. Das bedeutet, dass das Erleben im Bewusstsein unabhängig ist vom praktischen Erleben. Jedoch ist es genau so konsequenzvoll und stark wie das körperliche Erleben. Es bestimmt genau so unser Handeln und Fühlen. Das bedeutet, dass per se kein Unterschied besteht zwischen Handeln und Denken insofern unser Erleben betroffen ist. Ein Gedanke kann uns genau so trösten wie eine Handlung. Da der Tod inakzeptabel ist, wir ihn jedoch akzeptieren müssen, haben wir uns eine neue Ebene der Existenz erschaffen: eine Fortwährung der Existenz. Entweder durch unsere Gene oder unsere Lehren oder unsere Taten.
Eine bewusste, erlebte Existenz ist ohne Ich nicht möglich. Trotzdem glauben wir, dass unser Ich noch existieren kann, wenn unser Ich schon nicht mehr förmlich existiert. Weil es irrelevant ist, ob dies real ist oder nicht, solange wir es real erleben. Das bedeutet, dass wir Realität zu dem formen, was wir wollen und uns das nicht verrückt erscheint, obwohl wir „verrückt“ als das ansehen, was nicht real ist. Im menschlichen Diskurs wird Realität als etwas Festes, Starres angesehen, das außerhalb von uns liegt, etwas an dem wir uns messen können. Ein Gradmesser. In Wahrheit existiert (unsere?) Realität jedoch nur subjektiv. Nicht, weil Realität per se subjektiv ist, sondern, weil unser kognitives System es ist. Der Mensch ist daher nicht in der Lage Aussagen darüber zu treffen, ob Realität real ist und ob sie subjektiv oder objektiv ist. Das wäre nur möglich, wenn wir objektiv denken und sehen könnten. Was wir nicht können.
Wenn eine Realität von uns(erer) abweicht, bauen wir entweder einen neuen Zugang zu ihr oder lehnen die abweichende Realität ab als nicht real. Beispiel für Zugang: Der Tod. Wir erschaffen ein ganzes Realitäts-Konstrukt, um über den Tod hinaus zu existieren. Beispiel für Ablehnung: Jemand denkt etwas, das wir nicht denken. Dann machen wir denjenigen eigenverantwortlich für seine Realität. Realität ist daher etwas wie eine innere Karte, eine Miniaturversion einer Stadt, die wir ständig anpassen und ummodeln.
Kein Ich ohne Wollen
In Gott-Gesellschaften (Religions-Staaten, Diktaturen oder Schein-Demokratien) ist der Akt des Ich-Wollens verboten oder unterdrückt. Das Ich-Wollen wird als gefährlich angesehen, da es freie Energie ist und sich der Kontrolle entzieht, da es existentiell ist. Das erste, das jeder, der Menschen kontrollieren will, daher tut, ist das Ich-Wollen zu beschränken und zu nutzen. Das Ich darf nicht über den Gott gestellt werden, sei der Gott nun eine Macht-Idee, zum Beispiel in der Form von Religion oder einer Nationalität oder eine Macht-Form, zum Beispiel in der Form eines Führers oder einer Partei. Es wird daher versucht ein neues Bedürfnis zu erzeugen und das Ich-Wollen durch ein Erfüllungs-Wollen zu substituieren: Du willst was Dein Gott will, weil was Dein Gott will ist gut für Dich. Natürlich wird dabei zum Beispiel nicht erklärt, warum der Gott unser Ich-Wollen brauchen sollte. Warum er nicht sein eigenes, göttliches Ich-Wollen nutzt.
Was ist der „natürliche“ Zustand des Wollens?
Es gibt kein „natürliches“ Gleichgewicht zwischen dem Ich-Wollen und dem Ich-Wollensverzicht. Es ist immer eine willentliche, künstliche Befriedung, ein Beschneiden des Einen zugunsten des Anderen. Diese Befriedung setzt sich zusammen aus erlerntem und geerbten Wissen. Dadurch lässt sich ableiten, dass Gemeinschaft, Gesellschaft gleich zu setzen ist mit Zivilisation, wenn man Zivilisation als eine willentliche Befriedung des Seins, des Ich-Wollens artikuliert. Diese Befriedung ist eine aktive Lenkung des Ich-Willens und somit nicht gleich zu setzen mit „natürlich“, wenn man als natürlich das versteht, das in seiner ursprünglichen Form ist, ohne jegliche Interaktion. Somit ist Gemeinschaft, Gesellschaft das Nutzen der Energie die bei der Reibung zwischen dem Ich-Wollen und dem Ich-Wollensverzicht entsteht. Zivilisation ist Energie.
Wenn überhaupt etwas „natürlich“ bzw. universell ist, dann ist es Energie (wobei ich hier „natürlich“ als das nutze, in das jede Existenz drängt und wandelt. Somit nutze ich „natürlich“ hier als „Existenzgrund, Existenzverhalten“). In diesem Fall in Form von Reibung zwischen Ich-Wollen und dem Ich-Wollensverzicht. Diese Energie ist eine Ressource wie jede Energieform und daher gibt es auch wie immer Profiteure, die sich diese Ressource zu Nutzen machen wollen.
Je nach der persönlichen Neigung des Energie-Erzeugenden manipulieren die Profiteure dafür diese Reibung. Sie stilisieren sie um entweder in einen Akt der Befreiung vom Ich-Wollensverzicht oder einen Akt des Märtyrertums des Ich-Wollensverzichts. Sie überhöhen somit künstlich die Reibungserzeugung, indem sie diese als einen „natürlichen“ Konflikt erscheinen lassen, mit dem Ziel mehr Energie zu erzeugen, um dann freien Zugang zu dieser Energie zu haben. Diese Reibung ist in sich jedoch weder positiv noch negativ. Sie ist.
Beispiel: Ein Streichholz, das sich durch Reibung entflammt, ist nicht Opfer der Reibung, es ist Teilhaber der Aktion und gleichzeitig verändert durch die Aktion. Wenn man der Logik des Beispiels folgt, ergibt sich der Schluss, dass allein schon der Akt der Reibung zwischen Ich-Wollen und Ich-Wollensverzicht -selbst in unbewusster Form- auch unsere ursprüngliche Form bereits verändert.

Einfallstor für Populisten-unser evolutionäres Gehirn
Wenn aber Energie und Energieerzeugung die natürliche Form ist und Energie erzeugt wird durch die Reibung unseres Ich-Wollens und dem Ich-Wollensverzicht, warum ist dieser Akt der Reibung dann nicht positiv für uns besetzt? Denn es ist besonders auffällig, dass trotz all dieser Überlegungen, trotz unserem Wissen, dass Energie und Energieerzeugung für die Existenz vonnöten ist, wir denen nichts entgegen zu setzen haben, die uns weismachen wollen, dass bereits die Existenz von Reibung, sprich die Energieerzeugung, unnatürlich ist. Der Grund hierfür liegt in unserem evolutionären Gehirn.
Unser evolutionäres Gehirn sagt uns, dass Aufwand, egal welcher Form und egal mit welcher Konsequenz, immer zu vermeiden ist, weil es die größte Gefährdung ist für unser Überleben. Ein Grund ist dieser: Unser evolutionäres Gehirn spiegelt uns vor, dass ausschließlich stets eine Singularität gut für uns ist: eine klare Meinung. Eine Idee. Eine Stimme. Ein Plan. Eine Sicherheit. Da aber Energie nie aus einer Singularität entstehen kann, sondern immer mindestens eine Dualität braucht (man muss Energie geben, um Energie zu erzeugen), wird Energieerzeugung für das evolutionäre Gehirn als Gefahr für unser Überleben angesehen.
Ein anderer Grund ist, dass unser evolutionäres Gehirn nicht die Fähigkeit hat weiter zu denken. Es sieht das Herausgeben von Energie und sagt: schlecht. Was es aber nicht sehen kann ist, was dann mit der Energie passiert. Nämlich, dass wir damit mehr Energie erzeugen. Somit: unter dem Strich gut für uns. Aber unser evolutionäres Gehirn kann nicht rechnen. Es kann lediglich lesen. Mehr nicht. Deshalb missinterpretiert er diese Situation.
Das zeigt genau warum unser evolutionäres Gehirn nur eines unserer Werkzeuge sein sollte und nicht das Werkzeug. Das Gleiche gilt natürlich für alle unsere Werkzeuge. Unser rationales Gehirn sollte die Stränge unseres emotionalen Gehirns und unseres evolutionären Gehirns zusammen führen und aus diesen Strängen dann eine fundierte Meinung bilden. Das wäre eine Nutzung unserer Fähigkeiten wie vorgesehen. Dazu wäre jedoch eine gute Ausbildung im Lesen von Informationen, im Fühlen und dann in der Rationalität vonnöten sowie stetige Übung dieser Dinge. Leider bekommen wir weder die Ausbildung im Denken und Fühlen, noch üben wir beides in Qualität genug. Zusätzlich ist, da die Profiteure an der Macht sind, die aktiv daran arbeiten die Energieerzeugung zu kontrollieren, in den letzten Jahrzehnten die Qualität des menschlichen Denkens und Fühlens auch noch rapide zusammengebrochen und degeneriert.
Vor der Ankunft der Massen-Energieformen lag das evolutionäre Gehirn noch einigermaßen im unschädlichen Bereich mit seiner Warnung vor Energieverschwendung. Aber in der modernen, industriellen Zeit treffen die evolutionär erlernten Lehren nicht mehr zu. Unser Körper hat mit den äußeren Veränderungen nicht Schritt gehalten. Daraus folgt, dass unser evolutionäres Gehirn seine Aufgabe uns zu helfen zu überleben, nicht mehr adäquat erfüllen kann und uns sogar massivst schadet.
Unsere innere, emotionale Entwicklung zieht nicht gleich mit der äußeren Entwicklung. Ein Grund hierfür ist die falsche Idee, dass nur das förmliche, sachliche, praktische auch förmlichen, praktischen Nutzen hat und dass nur eine förmliche Realität eine ausschlaggebende Realität ist. Dies trifft natürlich nicht zu. Jede praktische, äußere, sachliche Form und Handlung hat ihre Existenz als Idee und Gefühl begonnen. Somit ist eindeutig, dass nicht förmliche Energien mindestens genau so stark sind wie förmliche Energien. Aber wie in allem anderen ist auch hier unsere binäre Sicht das eigentliche Problem: Es ist nicht entweder – oder. Es ist und. Die Idee und die Handlung sind zwei Komponenten einer Energieform.
So.



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