Nachdem ich im Teil 1 was zu dem unsäglichen Velon addendum gesagt habe, spiele ich hier im zweiten Teil „Wenn ich die Radsport Welt regieren würde, was würde ich tun?“

Ganz oft denken wir für ein Problem gibt es nur eine Lösung, die auf den vorhandenen Strukturen aufsetzt. Weil wir gewohnt sind so zu denken. In Wahrheit ist aber das, was wir heute für normal und unabdingbar halten, gestern undenkbar gewesen und morgen bereits passé. Wenn wir also für ein Problem keine befriedigende Lösung finden, dann liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass es einfach keine gibt. Wenn ich mit 3 Stockwerken ein 4 – stöckiges Haus bauen will, werde ich irgendwann an den Punkt kommen, an dem ich erkenne, dass das Problem mit den vorhandenen Ingredienzen nicht zu lösen ist.

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Ich muss die Parameter erweitern und die Lösung des Problems ist, dass ein Teil der Formel geändert werden muss: Entweder ich hol ein 4. Stockwerk dazu oder baue eben nur ein 3 – stöckiges Haus.

Übersetzt in den Radsport heißt das: Wenn das bisherige Konstrukt nicht genügt, aber nicht sinnvoll so verbessert werden kann, dass es einen wirklichen Unterschied macht, dann ist das Konstrukt falsch, nicht die Ausführung.  Übersetzt heißt das: Die Teams können jede Woche mit 29 neuen Businessplänen um die Ecke kommen, um mit vorhandenen Strukturen zu mehr Geld zu kommen. Dadurch ändert sich gar nix.

Spielregeln

Folgendes waren die Spielregeln für meine Idee:

  • Alle bisherigen Parteien sollten erhalten bleiben
  • Die Machtverhältnisse sollen ausgeglichener werden
  • Die Idee sollte langfristige Stabilität bringen
  • Die Idee sollte wirklich ganz was neues sein und nicht nur eine kleine Änderung oder eine Adaption von bestehenden Strukturen

Die Frage, ob es sowas wie Originalität überhaupt noch geben kann, ist schwer zu beantworten. So enthält auch meine Idee Ansätze, die es vielleicht früher schon mal gab. Vor allem, weil ich versuche die vorhandenen Mitspieler zu erhalten. Aber meine Idee entwirrt zumindest einige der falsch verknüpften Strukturen im Radsport.

Mein Plan für die Zukunft des Radsports fängt mit einer einfachen, neuen UCI-Regel an: Teams dürfen zukünftig keine Fahrer mehr beschäftigen und keine Sponsorengelder mehr annehmen.

Stille.

Ja, das hab ich grad echt geschrieben, trau Deinen Augen. Und nein, ich bin nicht verrückt (glaub ich).

Stattdessen machen Fahrer ihre Verträge direkt mit den Rennveranstaltern. Dadurch haben die Veranstalter mehr Einfluß ihr Rennen zu gestalten und die Fahrer sind unabhängiger und haben viel mehr Möglichkeiten Geld zu verdienen. Vor allem sind sie unabhängig von nur einer Einnahmequelle. Dadurch, dass Teams keine Sponsoren mehr haben dürfen, öffnet sich der Weg zu den Sponsoren für die Rennveranstalter. Es wird die Teams weiterhin geben, allerdings als Servicedienstleister. Die Fahrer bezahlen die Teams für ihre Leistungen, wie Trainingscamps, Coaching, Papierkram, rechtliche Beratung, Betreuung im Rennen usw..

 

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Hier seht Ihr, wie in meiner Radsport Revolution die einzelnen Parteien aufgestellt sind und wer von wo Geld bekommt:

Rennveranstalter finanzieren sich durch

Sponsoren, Bildrechte, Medien (Apps, Zeitungen, Internet…), Zuschüsse von Städten/Ländern, Zahlungen von Städten, die Start und/oder Zielort von Rennen sind und was immer sie sonst noch machen wollen

Die Fahrer finanzieren sich durch

Sponsoren, Rennteilnahmen, was immer sie sonst noch machen wollen (Bücher, Veranstaltungen…)

Teams finanzieren sich durch
Fahrer, die ihre Dienste anheuern

Heinzelmännchen (Sportdirektoren, Mechaniker, Soigneurs etc.) finanzieren sich durch
Verträge mit den oben genannten Gruppen. Sie können sowohl von Rennveranstaltern, als auch von Fahrern oder Teams angeheuert werden

Dazu kommt noch folgendes:

Anti-Doping:

Jeder Fahrer, jedes Rennen und jede nationale Föderation zahlt einen Betrag in die Antidopingmaßnahmen. Die Fahrer zahlen bei jedem Rennen an dem sie teilnehmen einen Betrag. Wieviel das ist, wird festgelegt durch die Dopingrealität des vorangegangenen Jahres: Gab es viele positive Fälle, muss mehr bezahlt und getan werden.

Das hat viele gute Seiten, vor allem, dass Sponsoren die Teams nicht mehr ins Doping drücken können, wenn sie Resultate sehen wollen. Aber auch, dass Antidoping eine Sache für jeden Fahrer persönlich wird und nicht etwas, was nur andere angeht.

So, das ist sie. Meine höchstpersönliche Radsport-Revolution. Worum es mir hauptsächlich geht, ist zu zeigen, dass nichts für immer festgelegt ist. Würde die Radsportwelt so aufgestellt sein, wie in meiner Idee, würden wir es wahrscheinlich total abstrus finden, dass Teams Fahrer anheuern könnten! Aus meiner Sicht erzeugt mein Ansatz zudem noch viele gute Nebeneffekte. Versucht es mal selbst: Wie würdet Ihr den Radsport aufstellen, so dass er gerechter ist, so dass die Macht besser verteilt ist und dass die Zukunft stabiler aussieht?