Ok. Schwieriges Thema. Erwartungen gehören zu den heikelsten, komplexesten, wichtigsten Gefühlen im Leben. Kaum etwas hat so weitreichende Auswirkung wie die Erwartung. Erwartung kann Freundschaften auseinanderreißen, kann Liebe zu Haß werden lassen, kann Kriege anzetteln. Wären wir nicht besser dran, wenn wir die Erwartung einfach abschaffen würden? Ein klarer, glatter Schnitt und weg damit?

Ich glaube es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der das noch nicht versucht hat. Bewußt oder unbewußt. Aber, wenn man genauer hinschaut, ist es gar nicht die Erwartung, die uns so übel mitspielt. Es ist die enttäuschte Erwartung. Und noch genauer hingeschaut ist es vielleicht gar nicht die Erwartung, sondern die Enttäuschung, die uns zur Verzweiflung treibt?

Die alte Frage: Henne oder Ei? Ist die Erwartung das schlimme, weil sie enttäuscht werden kann oder ist es die Enttäuschung, weil sie nicht erwartet wurde? Die Menschen werden sich bei dieser Frage wahrscheinlich in zwei Lager spalten: Die einen, die den radikalen Schnitt bevorzugen und der Erwartung den Garaus machen wollen und die anderen, die der Erwartung mit Verständnis begegnen wollen und ihr versuchen beizubringen, dass sie eben nicht so enttäuscht sein soll, wenn es mal nicht klappt.

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Ich gebe zu, ich hab auch – noch – kein Heilmittel dafür (oder dagegen) gefunden. Ich denke, der beste Weg ist bewußt mit der Erwartung umzugehen. Sie ernst zu nehmen, ihr aber nicht die Zügel in die Hand zu drücken und ihr nicht blind zu folgen. Und das wichtigste ist uns klar zu machen, wem die Erwartung gehört: Uns und nicht den anderen. Die Person mit der wir Beschwerden und Verbesserungsvorschläge ausdiskutieren sollten, sind also wir selbst.