Blaßrosa wird zu Knallpink

Heute nehme ich Euch mal wieder mit in meine verschlungene Gefühls- und Gedankenwelt. Vielleicht kommt es Euch da bekannt vor und Ihr erkennt Euch selbst wieder oder vielleicht denkt und fühlt Ihr total anders und das ist ein interessanter Ausflug in eine so ganz andere Welt für Euch (bitte die Tiere nicht füttern). Oder Ihr könnt gar nicht verstehen, wie ich so fühlen kann, wie ich fühle. Das ist dann auch für was gut.

So kann jeder sich selbst erkennen.

Wer hier bisschen rumschaut und ein paar Sachen liest, wird wohl relativ schnell meine Stimme in allem, was ich schreibe wiedererkennen. Klar, ich hab meine Launen: Manchmal bin ich garstig, manchmal hab ich einen Kaschper gefrühstückt und manchmal versteige ich mich bis hinauf zu zart bewölkten Wortbildphantasien. Mein Lieblingssatz in diesem Blog bisher ist – aus einem unerfindlichen Grund – „Ich hab das Gedicht sozusagen nackt und zerzaust gesehen“ – und ja, das hat sogar Sinn gemacht im geschriebenen Zusammenhang, selbst wenn das arme, aufgeputzte Ding so ganz allein ein wenig deplatziert wirkt. Aber egal welcher Stimmung ich grad bin, es bin immer ich, die hier spricht und ich versuche die Worte, Euch und mich selbst, immer ernst zu nehmen. Selbst, wenn ich am rumalbern bin.

Risiko

Am Ende macht das alles ja auch nur einen Sinn, wenn man den Dingen einen Wert mit gibt. Sei es dadurch, dass man ehrlich oder achtsam mit Ihnen umgeht, oder dadurch, dass man für sie ein Risiko eingeht. Und mit „das alles“ meine ich tatsächlich alles. Das ganze Leben und Sein. Klar, wenn die Dinge einen Wert haben, dann kann man auch was verlieren.

Aber was wäre, wenn es nicht so wäre? Wenn ich es nur genug probiere, würde ich sicher den Ameisenhügel, der wir sind, zynisch von oben herab betrachten können und die wuselnden Wesen dieser immunen Welt würden mir dann wie kleine Menschen vorkommen, die sinnentleert Autos und vollgestopfte Einkaufswägen von einem Ort zum anderen schaffen und wenn sie an ihrem Ziel ankommen, kurz verwirrt innehalten, weil es da so ganz anders aussieht, als sie dachten. „Hier war ich doch schon mal. Bin ich von hier nicht losgegangen?“ Sie schauen sich kurz fragend um, doch niemand nimmt sie wahr, niemand hält inne. So zucken sie mit den Schultern und reihen sich wieder ein in den Strom, lassen sich zum nächsten Ziel treiben in der Hoffnung da ist etwas, dass sie innehalten lässt. Vielleicht jemand, der sie aufhält, an den Schultern nimmt und ihnen wirklich in die Augen schaut. Oder zumindest ein Wegweiser.

Sicher. Wenn ich es nur genug versuche, wenn ich es nur genug will, könnte ich unbewegt, unverwundet meine Kreise ziehen. Aber warum und für was? Also lieber Risiko gehen.

Und plötzlich ändert die Welt ihre Farben.

Grau wird zu Blau. Blaßrosa wird zu Knallpink. Weiß witd zu Blutrot und beige wird zu sonnlichem Gelb.

Irgendwie will ich einfach Vertrauen haben in die Welt und die Menschen um mich herum. Ich will mich nicht in’s Bockshorn jagen lassen. Das ist eine bewußte Entscheidung. Sie beinhaltet das Wissen um das ihr innewohnende Risiko. Und ja, natürlich bin ich auch schon richtig deftig auf die Nase gefallen (ich weiß, mit Schnauze klingts besser – hab nur leider keine und Bello wollte mir seine auch nicht ausleihen, noch nicht mal kurzfristig. Der egoistische Hund!).

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Wahrheit

Was ich auf jeden Fall immer versuche, worum ich kämpfe mit allen Haken und Ösen, ist so nah wie möglich an die Wahrheit zu kommen. Woran merkt man eigentlich, dass man der Wahrheit nahe kommt? Dem Punkt, an dem wir, die Verdammten, die Masken und Schleier an der Tür abgeben müssen, wenn wir eintreten wollen?

Ich persönlich merke es an zwei Sachen: Entweder ich schreibe, ohne dass ich überhaupt nachdenken muss, ohne abzusetzen, als sei das, was ich schreibe, schon in mir drin fix und fertig und wartet gut verschnürt und verpackt nur noch darauf abgeholt zu werden. Wahrheit und Selbsterkenntnis to go sozusagen. Oder ich stolpere mühselig vorwärts über unebene, frühjährige Äcker im Steinigen. Oder andersrum.

Bewege mich 3 Worte vor, 2 zurück, vertausche Verben mit Adjektiven, Hauptworte mit Nebenschauplätzen und Konjunktion mit Imperativen als wäre ich 9 maliger Glücksradchampion und hätte den Dreh raus (läuft das noch? Kennt das noch jemand?). Um es pragmatisch zu sagen anstatt poetisch: Entweder es läuft sehr gut oder es läuft gar nicht.

Beide Erfahrungen sind erstaunlich und faszinierend. Erwartungen, auf das ich sehr, sehr stolz bin aus irgendeinem Grund, hab ich in nicht mal 5 Minuten geschrieben. Weil es schon in mir gedacht war und ich es nur noch abholen musste. Während ein anderer Gedanke, einer über das Verlieren, über Niederlagen, obwohl er mir sehr wichtig ist, seit Tagen in der Entwurfsbar versumpft ist und ich ihn da einfach nicht loseisen kann (und nein, das liegt nicht am Thema, so sehr der Gedanke auch versucht uns das einzureden, um sich aus der Verantwortung zu stehlen).

Die Wahrheit erkennt man daran, dass sie auszusprechen was mit uns macht. Dass wir uns verändern, anders fühlen, wenn die Wahrheit ihren Status von „privat“ zu „öffentlich“ wechselt.

Flieg, Wahrheit, Flieg

Entweder es befreit uns die Wahrheit endlich frei zu lassen. Dann fühlen wir uns erhaben, veredelt durch die hehre Tat die Wahrheit kundgetan zu haben.

Oh, Shit, das kann nicht wahr sein!

Oder unser Herz klopft ein bisschen, wenn wir den Absprung wagen, den Senden-Knopf drücken. Wenn die Worte ihren schützenden Bunker in unserem Mund verlassen. Weil wir ein Risiko eingehen wenn wir dieser speziellen Wahrheit vertrauen. Prüfend schauen wir sie an: Hält sie, was sie uns versprochen hat? Oder ist sie hinter unserem Rücken schon dabei neue Koalitionen zu schmieden? Und wenn wir dann den Senden – Knopf gedrückt haben, wird uns gschwind ganz heiß und wir wünschten, wir könnten sie wieder zurück nehmen, diese unselige Wahrheit, die uns entschlüpft ist. Dann genieren wir uns ein bisschen. Wir denken Baldrian-Sätze wie: „Nu gut, jetzt kann ich es eh nicht mehr ändern“ und „Was ist schon das Schlimmste, was passieren kann?“

Dir sag ich die Wahrheit, Du Schuft

Oder wir sagen jemand mal die Wahrheit und nix als die Wahrheit! Dann fühlen wir uns leidlich rechtschaffen, schnauben ein wenig vor uns hin und denken uns im Kopf schon die Sätze zurecht, die wir dem Wahrheitsempfänger an den Kopf werfen, sollte er sich tatsächlich blind stellen und behaupten: „Wahrheit, nee Du, kenn ich nich, hab ich nie gesehen.“

Welche Wahrheiten wir auch immer grad am Wickel haben, sie haben alle was gemeinsam: Die Wahrheit ist ein Risiko und sie lohnt sich immer. All unsere Wahrheiten haben einen Preis und einen Wert. Und deswegen nehmen die Pfennigfuchser es ganz genau mit der Wahrheit, während die Profitgeier mit der Wahrheit nicht mal für umsonst in’s Geschäft kommen wollen.

Wir? Wir anderen, ganz normalen Irren, die noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben? Wir tun’s wie der Kindermund und tun die Wahrheit einfach kund.

 

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