Libra – und so steh ich in der Mitte des Kreises

Die Zeit, wenn nichts so ist, wie es sein sollte
und ich an jeder Ecke anecke
und aus jedem Kreis rauskullere
Unzufrieden mit allem, Verletzt von allem
meine üblichen Wendungskräfte sind kraftlose Schatten
weggebrannt von Millionen Sonnen, die alle heller strahlen als ich

Angestrengt nah an allem,
die Augen so weit aufgerissen, unerwünscht gewünschte Gabe;
müde von einem Sehen, das mich trennt von allen anderen,
mich aushöhlt, wenn die blattlosen Bäume ihre Arme in den Himmel recken,

knorrige Fächer, in denen Eichhörnchen sitzen,
die keine Ahnung von Tumulten haben

Noch ein paar Stunden zuvor war die Welt die Welt,
nicht purpurn glänzend, aber freundlich gelb,
nicht feurig rot, aber matt braun
dann fließt die Zeit bleiern zäh vor mir her
ohne sich um das brennende Feuer zu kümmern
gnaden- und lichtlos, eherne Schwingen zerplatzen auf meinem Gesicht
kraftlose Seelen räumen unentwegt eins in’s andere, andere in’s eins
ohne Wahrnehmung, ohne Sein, ohne Werden

Und wenn ich könnte, würde ich, würde ich, würde ich?

Die unzähmbare, bloßgestellte Wahrheit ist, ich würde nicht.
Der Kapitän geht mit seinem Schiff unter;
kann mich nicht beugen, kann nicht verleugnen,
kann nicht lügen oder die Augen senken –
falscher Stolz heute, zärtliche Liebe morgen
wünschte ich würde endlich eine Seite sehen
und kann es nicht, kann es nicht, kann es nicht
und da ist sie wieder die Welle, die über mir zusammenbricht
mich dreht und wirbelt und in den Sog des Zentrums zieht

Und so steh ich wieder in der Mitte des Kreises

Das Auge auf alles gerichtet fliegt der Rabe empor
kreist und zählt unbarmherzig
die kalten Taten, die hitzigen Debatten,
die verlogenen Gesten, die vermeintlich Weisen,
die fliegenden Röcke, die geschnürten Stiefel,
die leichten Herzen und die schweren Gemüter

Wie kalte Murmeln fallen sie mir in den Schoß,

verurteilt sie alle zu sammeln, keine auszulassen oder wegzuwerfen,
lass ich alles um mich herum geschehen

während die Zeit für mich stillsteht und ich das einzige bin, was sich dreht.

Und so steh ich in der Mitte des Kreises