Mein wahrer Name oder Du triffst mich mitten in’s Herz

Ok. Ich hab so ein paar Macken (sag uns was Neues!). Eine ist, dass ich es irgendwie mit Namen hab. Es ist ganz merkwürdig. Wenn eine Person, die ich mag, meinen Namen sagt, dann berührt mich das ganz eigentümlich. Es bewegt mein Herz. Ich fühle wie kurz eine reale Verbindung zwischen uns aufgebaut wird. Fast förmlich, körperlich kann ich das spüren. Wenn jemand, den ich mag meinen Namen sagt, dann hebt das irgendwie alles kurz auf eine andere Ebene. Es gibt der ganzen Beziehung eine Realität, eine Bindung und eine Verbindung, die vorher nicht vorhanden war. Und wenn jemand meinen Namen sagt, in den ich verknallt oder verliebt bin – oioioi! Dann schiesst es mir heiß ins Herz hinein, meine Knie werden wackelig und ich bin am Angelhaken gefangen, wie ein hilfloser Fisch und zappel im Netz.

Wie Menschen nu eben sind, gab es auch schon zwei Personen, die das bewusst als Waffe einsetzen wollten, aber zum Glück wirkt es nur, wenn es echt ist. Wenn Leute meinen Namen sagen, um aus einem Streit rauszukommen oder mich um den kleinen Finger zu wickeln, also mit einer Absicht, dann passiert genau das Gegenteil von dem, was sonst passiert: Es stösst mich ab. So als wäre mein Name ein Magnet. Wenn er richtig gesprochen wird, in der richtigen Frequenz, mit der richtigen Intuition, dann zieht er mich magisch an. Wenn er falsch gesprochen wird, stösst er mich ab. Und ich bin meinem Namen wirklich ausgeliefert, das alles läuft einer emotionalen und körperlichen Ebene ab, die instinktiv ist und nicht bewusst.

Hui, mythisch

Natürlich muss ich öfters an die Idee denken, die man in Romanen manchmal findet (und ich bin nicht sicher, aber ich glaube manche älteren Kulturen oder Naturvölker haben auch einen solchen Glauben), dass es sowas wie einen geheimen Namen gibt für die Dinge und die Menschen.image Und dass diesen geheimen Namen zu kennen einem Macht gibt über die Sache oder den Menschen. Das berührt mich ganz sondersam. Und ich überlege, wie dieser Mythos, diese Idee, dass ein Name Macht bedeuten könnte, entstanden sein kann.

Für die meisten Mythologien gibt es ja einen realen Ausgangspunkt. Für Zeus, der Blitze schleudert, gibt es reale Blitze. Für diverse Naturgötter, die durch Weinen Fluten verursacht haben, gibt es Regen oder Sintfluten. Für die Idee, dass die Erde flach ist, gibt es die unbestreitbare Tatsache, dass wir auf ihr laufen können und nicht von ihr runterplumpsen oder im Himmel rumschweben. Aber die Idee, dass ein Name eine Art Schlüssel ist, der eine andere Ebene öffnet, praktisch eine Geheimsprache, fällt mir nix ein. Nachtrag: Gerade fällt mir doch was ein, nämlich vielleicht Geheimbünder (Bunde?, Bund?). Früher war es ja weit mehr verbreitet als heute, wo in den meisten Ländern Glaubens- und Religionsfreiheit gilt, zumindest theoretisch, dass Menschen sich im verborgenen verbunden und getroffen haben. Dazu gehört natürlich ein geheimer Name und eine geheime Parole. Und dann würde tatsächlich den wahren Namen zu wissen einem Zutritt, Wissen und Macht gewähren. Interessant! Vielleicht weiß einer von Euch mehr dazu.

Im Netz

Ich habe mich gerade eben auf eine Expedition in’s Netz begeben und hab dabei drei interessante Aspekte zum Bereich „Der wahre Name“ gefunden, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.

Religion
In der Religion heißt es wohl oft, dass der oder die Götter einen wahren Namen haben. Es wird gesagt, dass der wahre Name des oder der Götter zu mächtig sei, um ihn auszusprechen und dass man wahrscheinlich erst auf einer weiteren Ebene – also entweder nach dem Tod oder dem Erreichen einer anderen Sphäre diesen Namen kennen oder sich ihm annähern kann. Direkt im 5.Link, den G. hervorgekramt hat, ging es um den wahren Namen des „Herrn“

Fiktive Mythologie
Fiktive mythologische Welten, wie die tolkiensche Welt, haben auch das Konzept des wahren Namens. Hier wird aber noch weiter gegangen. Die Idee ist, dass der wahre Name den Charakter einer Person beschreibt. Als wäre der normale Name mit unserer äußeren Form verknüpft, während der wahre Name mit der inneren Form verknüpft ist. Was ich ganz merkwürdig fand, ist die Vorstellung, dass wenn der Charakter sich ändert, der wahre Name sich mit ändert. Weiß nicht, ob ich das Konzept annehmen könnte. Wenn er variabel ist, ist es denn dann noch ein „wahrer“ Name? Können wir unser ureigenstes Wesen denn überhaupt so verändern oder vielleicht auch verlieren? So weit, dass der wahre Name sich mit ändert? Hm, muss ich noch drüber nachdenken

Verkaufsmasche
Wie immer kann man sich getrost auf die Menschen verlassen, wenn es darum geht eine Möglichkeit zu finden, Geld aus allem zu machen. Ich hatte das gar nicht bedacht, aber diese ganzen „Was ist Dein Gangstername?“ „Was ist Dein Family Guy Name“ – Maschen zielen ja auch auf das Konzept des „wahren Namens“ oder eines Namens, der an unseren Charakter, unsere Eigenschaften und Vorlieben geknüpft ist, ab.

Denkmal nicht

Ich hab auch schon mal versucht mein bewußtes Denken auszuschalten und zu schauen, ob mir ein „geheimer Name“ für mich oder für Menschen, die ich liebe zugeflogen kommt. Wa aba nüscht. Das fand ich bisschen doof.

Ich dachte, wenn mein Kopf leer ist, müsste ja unweigerlich mein Unterbewusstsein oder das Universum oder was auch immer mir einen Namen in’s Hirn schicken, bei dem ich sofort fühle: Das ist es! So und nicht anders heißt dieser Mensch in echt! Mir sind zwar auch Namen in’s Hirn geflattert, aber da wusste ich sofort, nee, das ist nicht die Offenbarung, die ich erwartet hab. Das ist nicht mein oder dem sein „echter Name“.

Warum ich das wusste? Interessante Frage. Vielleicht war ich nicht in der Lage mein Bewusstsein leer genug zu machen und konnte nur empfangen, was NICHT der Name ist, aber nicht was er ist? Wäre ja aber zumindest ein Anfang. Achtung, hier kommt eine meiner typischen Abweichungen: Habt Ihr schon mal versucht nichts zu denken? Also nicht „Nichts“ sondern nicht zu denken, meine ich. Das geht nicht. Nicht mal für eine Millisekunde. Wie soll man denn dann beim Meditieren den Geist leer machen? Wohl von negativem Zeugs, ok, das versteh ich, aber doch nicht in echt! Oder gibt es menschliche Wesen, die das unmenschliche schaffen und wirklich nicht denken können? Habt Ihr das schon mal geschafft (mal losgelöst von der Frage, ob das so eine gute Idee ist: Frage: „Was ist Ihr Talent?“ Freudestrahlende, stolzstrotzende Antwort: „Ich hab es geschafft – in aufreibendster Kleinstarbeit, nach jahrelangem Studium und mit viel vergossenem Hirn- und Muskelschweiß – tatsächlich 30 Minuten nicht zu denken!“ „Okay…schön. Danke, dass Sie sich bei uns vorgestellt haben, wir melden uns dann bei Ihnen…“).

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Ok. Zurück auf den Weg: Es ist auch so, dass ich nicht jeder Person oder jedem Ding einen Namen oder einen vollen Namen zugestehe. Wenn ich über jemand schreibe, den ich gar nicht leiden kann, dann sind das meistens „Personen“ für mich. Wenn ich jemand nicht leiden kann, es aber grad so geht, dann schreibe ich zwar den Namen, aber meistens klein oder nur Vor- oder Nachname oder irgendeine abgekürzte Form. Wenn ich jemand mag, dann kriegt er seinen vollen Namen und wenn ich jemand ganz toll finde und respektiere, dann kriegt er sogar noch Sonderzeichen, falls er welche im Namen hat. Ich weiß, das ist bissle kindisch und albern, aber das hat sich über die Jahre so eingebürgert. Zuerst hab ich gar nicht gemerkt, dass ich das mache und als ich es gemerkt hab, fand ich es lustig und interessant und hab’s weiter gemacht. Heute ist das für Menschen, mit denen ich schreibe eine zusätzliche Ebene, mit der sie gleich wissen, was ich von einer Person halte. Also in Zukunft habt auch Ihr nun immer die Legende, den Subtext, wenn ich über Menschen oder Dinge schreibe.

Aber am meisten bin ich echt davon berührt, wie berührt ich werde, wenn jemand meinen Namen sagt.

Das geht mir durch Mark und Bein

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