Vernunftfrei vernünftig sein – Verlustaversion 

Bestätigung von Vielen erscheint uns gewichtiger als Zweifel von Wenigen
Wenn etwas teuer ist, hinterfragen wir nicht, ob es qualitativ tatsächlich hochwertig ist

… diese unsere Illusionen
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Ok. Stellt Euch vor Ihr spielt Lotto. Ihr habt keine festen Zahlen, sondern nehmt immer die Zahlen, die Ihr um Euch herum seht. Ihr sucht sozusagen nach Zeichen. Oder Ihr lasst Euch von einer Hellseherin Zahlen nennen. Nun, letzte Woche habt Ihr die Zahlen 9,31,29,7,14,24 und 1 getippt. Und nix gewonnen.

Diese Woche spielt Ihr kein Lotto. Das erste Mal seit 3 Jahren. Bisher habt Ihr aus Aberglaube immer weitergespielt. Die Angst, dass Ihr genau in dem Moment, in dem Ihr aufhört, den großen Gewinn verpasst, hatte Euch fest gepackt. Aber nun habt Ihr den Glauben verloren. Ihr habt jetzt 3 Jahre gespielt, viel Geld ausgegeben und nur zwei Mal ein bisschen Kleingeld gewonnen. Jetzt ist Schluß. Durch Zufall seht Ihr, welche Zahlen gezogen wurden. Es sind 9,31,29,7,14,24 und 1.

Ihr seid wie vor den Kopf gestossen. Das ist es. Der Hauptgewinn. Und Ihr habt ihn verloren!

Garantiert fühlt Ihr Euch betrogen. Ihr fühlt Euch, als hättet Ihr den Lottogewinn – den Ihr real nie hattet – verloren. Ihr denkt: Hätte ich diese Woche gespielt, hätte ich gewonnen! Und ignoriert dabei, dass Ihr aufgrund Eurer Methode nie dieselben Zahlen zweimal hintereinander genommen hättet. Ihr wart in echt nicht näher am Gewinn, als die ganzen 3 Jahre zuvor oder als wenn weitergespielt hättet und wie immer, andere Zahlen genommen hättet. Trotzdem fühlt Ihr Euch, als wärt Ihr grade beraubt worden.

Oder stellt Euch folgendes vor: Ihr findet einen 50€ Schein auf der Straße. Muss Euer Glückstag sein, coole Sache! Dann wollt Ihr Euch ne Pommes holen und während Ihr Euren Geldbeutel zückt, kommt eine starke Windböe auf und weht den gerade gefundenen Geldschein davon. Ihr hechtet ihm noch hinterher, wie er da so im Wind torkelt und schlagt Euch dabei das Knie blutig. Und gerade als Ihr meint „Ja! Jetzt hab ich ihn!“, wird der Geldschein in einen Gulli geweht und ist weg. Keine Möglichkeit ihn da wieder rauszuholen, der wird schon bald im nächsten Klärwerk einchecken.

Garantiert fühlt Ihr Euch nun, als hättet Ihr gerade 50€ verloren. Dabei ist es in der mathemathischen Realität so, dass Ihr weder etwas gewonnen, noch etwas verloren habt. Ihr seid so reich oder arm wie vor Eurem Schatzfund. In der emotionalen Realität sieht das natürlich ganz anders aus. Da habt Ihr grad 50 Mücken miese gemacht (oh, den Satz zu schreiben hat Spaß gemacht! Wann kommt man denn schon mal dazu 50 Mücken zu schreiben? Außer auf Postkarten aus dem Dschungelurlaub).

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle so fühlen würden in solchen Momenten. Dieses ganze Gefühlschaos hat natürlich auch einen eigenen psychologischen Namen: Verlustaversion. Für mich ist es der erneute Beweis, dass wir Menschen problemlos in der Lage sind vollkommen vernünftig vernunftfrei zu sein. Faszinierend.

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