Gedanken über den Zustand unserer Welt post Brexit, pre Trump (Seifenkiste, die n-te)

Ok. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass es ein paar Sachen gibt, gegen die man sich einfach nicht wehren oder verteidigen kann? Zum Beispiel, wenn jemand sagt „Du bist naiv“ oder „Das ist doch albern“. Früher hab ich gar nicht so explizit darüber nachgedacht, dass jemand ernst nehmen schwierig oder besonders wichtig ist. Aber heute glaube ich fast, dass andere ernst nehmen eines der wichtigsten Dinge ist, die wir tun müssen, wenn wir wirklich Toleranz und friedliches Miteinander auf der Welt wollen.

Nicht unterstützen, aber ernst nehmen
Das beinhaltet auch Menschen und Meinungen ernst zu nehmen, die uns zutiefst zuwider sind oder die wir total falsch oder gefährlich finden. Man darf ernst nehmen nicht mit unterstützen oder befürworten verwechseln. Nehmt die Trump-Anhänger. Für mich sind das verblendete Menschen, die die total falschen Werte und Ideen unterstützen und sich in einen merkwürdigen selbstgerechten Rausch reinziehen lassen. Aber letztendlich ist das ja nur eine Frage des Standpunktes. Jemand anderes findet die total vernünftig. Also gibt es kein richtig und falsch. Ich hab nicht recht und die auch nicht. Und das ist eines der am schwierigsten zu akzeptierenden Dinge, die es gibt. Unser natürlicher Impuls ist erstmal den anderen Rechtmäßigkeit abzusprechen.

Die meisten Menschen reagieren mit Ironie, Schock, Beleidigungen, Erniedrigungen und so weiter auf die Trump-Hörigen. Aber wann hat jemandem zu sagen „Du bist dumm“ und „Woran Du glaubst ist falsch.“ schon mal wirklich geholfen die Meinung von irgendjemandem zu ändern? Fast möchte ich sagen, das ist doch naiv(!), aber auch ich reagiere so. Indem ich die Absurdität ihrer Aussagen und ihres Messias offenlege. Real ist das ja aber nur der beste Weg um diese Menschen noch weiter in ihrem Aberglauben zu bestätigen. Wenn Dir Ablehnung entgegenschlägt, wendest Du Dich natürlich denen zu, die Dich willkommen heißen und Dir sagen wie toll und wichtig Du bist. Jeder versteht, dass Liebe Liebe erzeugt oder Respekt Respekt. Aber die wenigsten verstehen oder bedenken, dass Abgrenzung oder Angst nur ebenfalls Abgrenzung und Angst auf der anderen Seite erzeugt.

Der springende Punkt ist doch der: Diese Menschen fühlen sich in ihrer Welt, ihrer Umgebung nicht ernst genommen, sie haben das Gefühl hilflos zu sein, haben Sehnsüchte, die unerfüllt bleiben. Sie haben nicht das Gefühl, als könnten sie über ihr eigenes Leben bestimmen und die Welt, in der sie leben macht ihnen große Angst. Sie sehnen sich nach einer Welt, die sie verstehen und greifen und kontrollieren können. In der sie zählen. Und das alles macht sie angstvoll, hysterisch und leichte Beute für jeden, der keine moralischen Grundsätze hat und der Meinung ist, der Zweck heiligt die Mittel. Also, warum fallen diese Leute auf Trump rein, selbst wenn sie zugeben, dass er sie belügt? Weil niemand sie ernst nimmt und es keine Alternative gibt.

Ich kann total verstehen, dass diese Menschen Angst haben. Auch mir macht diese Welt in der wir leben total Angst. Ich denke, die Medien haben einen Riesenanteil daran, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern. Vor Brexit war mir zum Beispiel nicht bewusst, wie inflammatorisch, einflußnehmend, uninteressiert an der Wahrheit, grundsatzlos und unehrlich die englischen Zeitungen sind. Was ich seither gelesen hab, hat mich zutiefst schockiert. Die englischen Zeitungen schaffen gezielt eine permanente Atmosphäre von Angst von „wenn Du Dich nicht wehrst, bist Du der Verlierer. Du wirst ausgenommen und bist der Dumme“. Es ist schockierend. Entsetzlich. Aber es hat mir auch geholfen zu verstehen, warum die Menschen in England teilweise so verroht zu sein scheinen. Wenn Du sowas permanent liest und in den Kopf gehämmert kriegst, denkst Du das ist normal. Wenn die Welt und Außenwelt Dir als Dich bedrohendes Monster dargestellt wird, sagst Du natürlich: Ich muss mich vor der Außenwelt schützen.

Ich befürchte, wenn nicht irgendwas passiert, wird Trump gewählt werden. Und das wird katastrophal werden für die ganze Welt und wird auch unser Leben und unseren Alltag verändern. Das Hauptproblem ist, dass die moderne Lebens- und Arbeitsrealität für so viele Menschen auf dieser Welt unlebbar geworden ist. Wir geben zu viel unserer eigenen, persönlichen Freiheit auf, wir akzeptieren den Glauben, dass wenn jemand was macht, was Geld bringt, dann hat es automatisch eine Daseinsberechtigung und er kann nahezu ohne jegliche Begrenzung tun und lassen was er will. Wir verlangen zu wenig Ehrlichkeit, Respekt und Achtsamkeit.

Die falsche Realität der Werbung – unser permanenter Begleiter
Ein Beispiel ist Werbung. Für uns ist es normal, dass Werbung eine Realität zeigt, die eben nicht real ist. Dass sie voll von Lügen oder Halbwahrheiten ist. Aber warum? Naja, die müssen ja ihr Produkt verkaufen. Ja gut, aber was haben nackte Menschen, die Beachvolleyball spielen mit einem Sportwettenanbieter zu tun? Warum sitzt da eine Bilderbuchfamilie in einenen goldenen, warmen Glanz gehüllt am Frühstücktisch, anstatt der verknitterten, gehetzten Gesichter, die wir in echt so oft vor uns sehen? Warum erlauben wir denen zu lügen? Das ist total absurd! Sonst verlangen wir immer Ehrlichkeit, aber bei Werbung, bei Dingen, wofür wir unser Geld ausgeben, akzeptieren wir Fiktion? Wie gesagt: Absurd. Und ja, natürlich wissen wir, dass das alles nur gespielt ist und deduzieren das schon automatisch im Kopf von der Botschaft – aber ein Rest bleibt hängen Wir sind nicht unempfänglich dafür. Warum dann lassen wir das mit uns machen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Werbung, wie wir sie erlauben und erleben ein Riesenproblem für die Welt ist, weil sie permanent um uns ist und permanent Sehnsüchte und Illusionen von einer Traumwelt in unsere Köpfe hämmert, die wir nie erreichen können. Sie behauptet ständig Sachen, deren Wahrheitsgehalt wir nicht überprüfen können, so dass wir in einer für uns ungreifbaren, unsicheren Welt leben. Kann ich das ernst nehmen, ist gar nix davon wahr oder vielleicht doch ein Fünkchen? Warum setzen wir uns dem überhaupt aus? Werbung sagt uns tagtäglich, dass unser Leben so wie es ist, ungenügend und scheiße ist und wir nach etwas anderem streben sollen. Punkt. Sie erschafft eine Unzufriedenheit mit der Realität. Musst Du nur mal die magersüchtigen Mädels fragen, die mit ihren Körperbild nicht zurechtkommen.


Was ich meine, ist dass wir gar nicht mehr auf die Idee kommen, etwas zu hinterfragen, sobald es Geld macht. Warum gibt es kein Gesetz, dass Werbung nur Realität zeigen darf? Wenn ein Produkt gut ist, wird es damit auch kein Problem haben. Wir denken, es ist normal, dass es 15 verschiedene Sorten Zahncreme gibt. Aber das ist nicht normal. Und ohne Werbung hätten wir vielleicht nur 3 Sorten. Aber mehr Freiheit. Wir haben mit dem Konsum, mit der monetären Hörigkeit ein Monster erschaffen, dass uns inzwischen auffrisst. Viel dieses erbarmungslosen Kapitalismus, der „The winner takes it all“ – Mentalität schwappt von Amerika aus über die Welt. Aber, wenn ich mir Amerika anschaue, ein Land, das fast mehr Tote im Jahr hat, als so manches Land, das im Krieg oder Aufruhr ist, wenn ich sehe, wie das Land zerrissen wird zwischen dem Schein, den die Macher aufrecherhalten wollen und der Lebensrealität der Menschen, dann verstehe ich nicht, warum irgendjemand dem nachahmen will und warum wir uns nicht dagegen auflehnen? Bis vor ein paar Jahren hatten wir doch doch unsere eigene, vernünftigere, sorgsamere und offenere Mentalität? In der Mitgefühl, Toleranz, Friedensliebe, Menschenliebe eine Rolle gespielt haben. Wo ist das alles geblieben? Ich hab mich mal wohl, sicher und aufgehoben gefühlt hier. Das hat sich geändert.

Jeder von uns zählt
Ja, Trump als amerikanischer Präsident ist eine Horrorvorstellung, die Angst macht. Aber was wirklich dahinter liegt und das ganze erst ermöglicht, ist dass das Leben für so viele Menschen unlebbar geworden ist. Und so suchen sie nach einfachen Antworten, nach Sicherheit und Bestätigung. Was können wir tun, um die Welt wieder in eine andere Richtung zu steuern. Abgrenzung und Ausgrenzung erzeugt nur noch weitere Gräben und mehr Abgrenzung und Ausgrenzung. Wir müssen die Ängste aller Menschen ernst nehmen, sie mit ihnen besprechen und nach Lösungen suchen. Alternativen anbieten, die diese Menschen mit ins Boot nehmen. Selbst, wenn das manchmal schwer ist, weil diese Menschen so häßliche, schreckliche Dinge sagen und denken. Aber was wollen wir: Ihnen das vor den Kopf knallen oder ihre Meinung ändern und dafür sorgen, dass immer weniger Menschen diese schrecklichen, häßlichen Dinge denken und fühlen? Ja, jeder einzelne von uns wird alleine nicht die gesamte Welt ändern oder verbessern, aber wir alle zusammen können das. Besser als nix zu tun und dabei zuzusehen, wie sie im Chaos und Unmenschlichkeit versinkt. Diese, unsere Welt.

„The winner takes it all“ heißt in echt nur, dass dem Verliere nichts bleibt. Gar nichts. Und ich will weder Gewinner, noch Verlierer in so einer Mentalität sein.



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