Denn sie wissen nicht, was sie tun

Ok. Ich muss sagen, ich glaub das ganze Demokratie-Ding haben wir richtig in den Sand gesetzt. Schon seit ein paar Jahren denke ich, dass es doch was besseres geben muss, als die Gesellschaftsformen, die wir bis jetzt kennen. Die sind für mich alle nicht wirklich gut und vor allem inpraktikabel, wenn es darum geht immer größere und unterschiedlichere Gesellschaften zu führen und zusammen zu halten. Wir werden – oft ohne es überhaupt zu wissen – hauptsächlich von Interessensgruppen geleitet und je komplexer das Ganze wird, desto mehr entgleitet das unseren Händen und schadet der Gesellschaft. Klar, von allen Politikformen, die wir auf der Welt haben, ist Demokratie noch die Beste. Oder besser gesagt, es ist das kleinste Übel, zu dem es momentan leider keine Alternative gibt. Aber eigentlich müssten wir das doch besser können?

Dass jeder in einer Demokratie das Recht hat seine Gesellschaft mitzubestimmen, heißt nicht, dass er auch das Recht hat mit dieser Aufgabe schlampig, egoistisch oder willkürlich umzugehen. Wir Demokratie-Inhaber haben das ganz eindeutig missverstanden: In dem Moment als es geheißen hat: Demokratie sind wir alle,  war das auch für ganz viele der Startschuß nach und nach jegliche Sorgfalt fallen zu lassen. „Wählen steht uns ja zu. Ist unser Recht, dann müssen wir uns ja auch nicht mehr bemühen. Mir gehört eine Stimme, also kann ich sie auch so benutzen, wie ich es will.“ So ist das aber nicht gedacht. Mit der Wählerstimme kommt auch eine Verantwortung. Das Schlimme ist:Immer mehr Menschen sehen ihre Pflicht nur darin, sich um sich selbst zu kümmern. Sie kümmern sich nicht darum, was das Beste für alle ist: „Ist doch nicht mein Problem“. Das Problem dabei ist nur: Ist es sehr wohl!
 
Letztendlich ist Wählen und Demokratie ein Privileg, das hart und blutig erkämpft wurde. Und das wir auch wieder verlieren können, wenn es schlecht läuft (und momentan, mit dem großen nationalistischen, rassistischen Ruck überall in der Welt, läuft es sehr schlecht und immer schlechter). So viele haben ihr Leben gelassen, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen. Und wofür? Damit nu jeder wählen darf, egal ob er überhaupt weiß, was er da tut oder sich auch nur drum kümmert, was er da tut? Für Protestwähler??? Ich bitte Euch!

In jeder Lebenssituation ist es für uns nur selbstverständlich, dass wir uns in die Hände von Menschen begeben, die wissen, was sie tun. Die Ethos und einen Standard haben. Aber, wenn es um unser eigenes Leben, unsere eigene Zukunft geht, verlangen wir keinerlei Expertise, keinerlei Sorgfalt oder Herzensgüte? Das ist doch krank. Wir würden nie einen Ratschlag von jemand annehmen, der nicht weiß, wovon er redet. Aber darüber, wie ich mein Leben in dieser Gesellschaft gestalten kann, darf jeder Hansel mitbestimmen? Das ist falsch. Einfach falsch.

Nicht, dass Ihr mich missversteht, momentan fällt mir auch nichts besseres ein als Demokratie, obwohl ich schon ein paar Jahre rumüberlege. Aber irgendwie ist das ein Armutszeugnis. Wir sollten doch in der Lage sein unsere Gesellschaft besser und gerechter zu gestalten. Warum darf jemand, dem seine Mitmenschen total egal sind, jemand, dem nicht daran gelegen ist die Gesellschaft in gute Bahnen zu lenken, für diese mitbestimmen? Es müsste irgendwie eine Sorgfaltspflicht beim Wählen geben.

Es sollte so sein:
Jeder hat prinzipiell das Recht zu wählen. Wer das Privileg des Wählens wahrnehmen will, muss aber nachweisen, dass er die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zumindest rudimentär versteht. Er muss nachweisen, dass er in der Lage ist nicht nur für sich selbst zu wählen, sondern auch im Sinne der Gesellschaft. Er muss für alle das Beste wollen und nicht nur für sich selbst, muss das Wohl der Gesellschaft im Blick haben und nicht nur seine eigene Entrüstung oder Ängste. Die Ansicht, was das Beste für alle ist, variiert natürlich, je nach Gesinnung, aber wer mitbestimmen will für alle, muss auch alle miteinbeziehen.

Um diese Eignungen zur Wahl zu erlangen, müsste es kostenlose Kurse und Lehren geben, für die man auch von der Arbeit frei gestellt wird. So dass derjenige, der die Gesellschaft und Politik mitbestimmen will, sich auch wirklich damit auseinander setzen und sich schlau machen muss und kann. Wir lassen jeden Hans und Franz (bitte nicht missverstehen, ich meine auch mich selbst damit, bin auch ein Hans und Franz, ich setze mich ja auch nicht genug damit auseinander) wählen, wie er lustig ist. Das hat aber reale Konsequenzen für unser aller Leben. Ich denke, es ist Zeit, dass wir sorgsamer mit unserer Gesellschaft umgehen. Bevor wir das ganze Gesellschafts-Ding noch komplett an die Wand fahren.

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