Und nu?

Ok.Nu isses passiert. Zumindest ist jetzt dieser unsägliche Wahlkampf vorbei. Ich schreib ja hier schon seit ein paar Monaten, dass sich die Zeiten geändert haben und dass niemand sich nehr raushalten kann. Freiheit, Frieden, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Bürgerrechte sind Dinge, die uns zwar theoretisch zustehen. Aber praktisch haben wir das meiste davon bereits verloren. Und es wird noch schlimmer werden. Als nächstes werden wir in den Abgrund nachmarschieren mit der afd.

Was tun mit dem Feind im inneren? Denen, die Demokratie nutzen, um undemokratisch und unmenschlich zu sein? Um die Grundrechte zu unterwandern? Wir sagen: „Demokratie muss das aushalten.“ Aber das sind nur hohle Worte, denn natürlich kann sie das nicht. Sie könnte es nur, wenn sich gleichzeitig für die Angreifer der Demokratie auch Verteidiger der Demokratie finden würden. Passiert aber nicht, weil „die“ bereit sind immer einen Schritt weiter zu gehen, als wir. Dieses Prinzip müssen wir endlich verstehen. Wir denken, die haben Grenzen. Nein, haben sie nicht. Je weiter wir gehen, desto weiter gehen sie. Daher ist der Dialog auch tatsächlich unmöglich, bis sich deren Gefühl ändert, dass sie kein Teil der Gemeinschaft sein wollen, können, so wie sie ist. Es finden sich keine Verteidiger, weil sich keiner wirklich angesprochen fühlt und „wir dafür ja Gesetze und Polizei haben“. Was in real aber passiert, ist dass das Undemokratische die Demokratie unterwandert, was Konsequenzen hat in Medienberichten und Stimmungen. Menschen, bekommen Angst oder regen sich auf, es setzt sich ein prinzipielles Gefühl von Angst, Neid und Ungerechtigkeit durch und damit erhalten die Antidemokraten und Antimenschen immer mehr Macht und Zulauf. Stark vereinfacht, aber letztendlich funktioniert es doch so. Jede Aktion gebärt eine Reaktion. 

Nun, was tun? Das einzige, was etwas bringen würde, wäre die Gesellschaft zu verändern und Grenzen zu ziehen. Medien dazu zu verdammen, dass sie aufhören einseitig und negativ zu berichten, extra Angst und Haß zu schüren. Politiker nicht einfach abzunicken, wenn sie Asiaten als Schlitzaugen bezeichnen (oder nur, wenn sie uns im gleichen Satz Knopfaugen nennen). Arbeit besser zu bezahlen, Wohnraum billiger zu machen, Denken und Fühlen und Gemeinschaft wieder für wichtig zu erachten. Wir scheuen uns davor Grenzen zu ziehen, einzugreifen. Wir denken, der Staat, die Gemeinschaft muss sich da raushalten. Wir denken Volkshetze ist nur das, was ganz krass ist. Wir denken ein Angriff auf die Demokratie sind nur tatsächliche, gewalttätige Angriffe. Was aber, wenn es der schleichende, vergiftete stete Tropfen ist? Zum Beispiel, wenn bei Berichten über Verbrechen oder negative Sachen die Nationalität immer nur dann genannt wird, wenn es sich um Ausländer handelt. Was, aber, wenn die durchweg negative Berichterstattung alleine schon ausreicht die Gesellschaft zu gefährden? Würde uns zum Beispiel ein Gesetz helfen, das Ausgewogenheit in der Berichterstattung befiehlt? So, wie Medien auf die Jagd nach Toten gehen, könnten sie ja auch auf die Jagd nach Lebensrettern gehen? 

Ein Beispiel: Die Sendungen über Mietnomaden. Ja, es gibt diese Menschen. Ja, wenn das einem selbst passiert, ist das beschissen. Aber wenn Ihr mal die Zahl der Menschen nehmt, die Mieter sind und die Zahl derer, die Mietnomaden sind, ist das mini,mini,minimal. Die Berichterstattung hat aber dazu geführt, dass das jetzt als echtes Problem wahrgenommen wird und jeder meint sich schützen zu müssen. Und dadurch ist das Mieten einer Wohnung zu einer Tortur geworden und für viele Menschen schlicht unmöglich. Deshalb können Vermieter heutzutage nahezu alles verlangen, was sie wollen. Ich weiß gar nicht, wie Menschen, die keinen Job haben oder Freiberufler sind, es überhaupt schaffen eine Wohnung zu mieten? Und das alles, weil ein paar Sender, um Quote zu machen, ein paar Skandalsendungen gemacht haben. Daraus sind auch jede Menge Vorurteile und Ängste enstanden, die wiederum andere Ängste unterfüttern.

Ich wiederhole meine Frage von neulich: Müssen wir Feiheit aufgeben, um Freiheit zu erhalten? Ich denke, nein. Aber ich denke, was wir müssen, ist uns neu zu definieren. Freiheit neu zu definieren. Demokratie neu zu definieren. Freiheit heißt nicht, jeder kann machen, was er will, so lange es ihm den großmöglichsten Vorteil verschafft. Das ist ein Prinzip, das wir, wie der Rest der Welt auch, nach und nach von amerika übernommen haben, weil es mit Geld und simplen Losungen um sich geschmissen hat. Und das muss aufhören. Demokratie heißt nicht, jeder kann sagen und machen, was er will, ohne nachzudenken, was es bewirkt. Stattdessen bedeutet es, wir müssen verantwortlich mit diesen Werten und Rechten umgehen. Die Demokratie muss das Recht haben sich zu wehren und zu schützen. Nicht durch Einschränkungen oder Bestrafungen oder Verlust von Freiheit. Sondern durch Gegenmaßnahmen. Ein Gesetz, dass für jede Schreckensnachricht auch eine positive Nachricht gesendet, gedruckt, getippt werden muss? Bin ich sofort dabei. Denn es beschneidet nicht das Recht auf Pressefreiheit, es erweitert es nur um die Pflicht Verantwortung für die Konsequenzen unseres Handelns zu nehmen. Ein Gesetz, dass Wohnraum nicht länger als 3 Monate ungenutzt sein darf, wenn der Eigentümer keinerlei Anstalten macht den Wohnraum zu vermieten oder zu Marktpreisen verkaufen? Bin ich sofort dabei. Als Beispiel: Wo ich wohne, sind seit Jahren viele Wohnungen leer. Voll sanierte 2-und 3-Zimmerwohnungen. Und nicht nur ein oder zwei. Weil sie zu einem bestimmten hohen Preis verkauft werden sollen und sich keine Käufer finden. Das ist inakzeptabel. Bei aller Freundschaft, das geht einfach nicht. Das schädigt uns alle, denn so steigen Mieten überall. Entweder müssen die Wohnungen dann vermietet werden oder zu einem dem Markt angemessenen Preis verkauft werden. Eigentum ist sehr hoch angesiedelt, aber es darf nicht die Gemeinschaft schädigen. 

Wenn wir nun nicht umdenken, kann es für uns zu spät sein. 

P.S. Keine Bilder heute. Das allererste Mal. Ich fühl momentan nix, daher kann ich auch keine Bilder zu diesem Text „erfühlen“. Hoffe meine Angst- und Schockstarre lässt bald nach.

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