Ok. Wenn ich anfange hier zu schreiben, weiß ich nie, wo mich das am Ende hinführt. Dieser Beitrag hier hat mal angefangen als ein Beitrag darüber, wie der Blog meine Sichtweise auf die Welt verändert hat. Geendet hat er jedoch, vollkommen aus Versehen, als ein Post über unsere Gesellschaft und zu allem Überfluß bin ich dabei auch noch auf meine Seifenkiste geklettert und bin dabei auch noch sentimental und moralisch geworden! Mich bewegt das Thema „Gesellschaft“ ziemlich oft in letzter Zeit, weil die Richtung, in die wir gehen mit unserer Gesellschaft mir manchmal große Angst macht. Aber feste versprochen – bald gibt es auch wieder was zum Lachen oder was über die Absurditäten des Alltags, weil ich es zum Glück eh nie lange ohne Albernheit aushalte.

Ich versuche hier immer ein Stück von mir zu geben. Denn, wie ich in „Blassrosa wird zu Knallpink“ geschrieben habe – wenn das, was wir tun uns nichts bedeutet, welchen Sinn hat es dann? Daher kann es sein, dass es hier mal drei Tage hintereinander lustig und belanglos zugeht, weil ich einen Kaschper gefrühstückt hab, es kann aber auch sein, dass mich was beschäftigt oder belastet und ich das hier, zusammen mit Euch, auseinanderklambüsere. In meiner (Traum)Vorstellung ist es nämlich genau das, was wir tun:

Wir machen das hier zusammen

Eure Kommentare und Reaktionen auf meine Ideen und Gefühle bestimmen oft, welche Richtung ich als nächstes auskundschafte. Lenken das Scheinwerferlicht auf einen bestimmten Aspekt, den ich interessant finde. Das ist schön. Viel schöner als die Vorstellung: Ich schreibe in meinem Blogbüro mit Tür zu und Ihr lest es in Eurem mit geschlossener Tür. Nein, in Wahrheit ist es so, dass die Tür sperrangelweit offen ist. In manchen Fällen waren Kommentare von Euch direkt und konkret ein Denkanstoss für einen Beitrag. Deshalb freu ich mich auch immer und weiß es zu schätzen, wenn Ihr was zu sagen habt, zu dem, was aus meinem Herzen und Kopf hin zu Euch fließt. Ganz ehrlich. Heute bin ich wie gesagt auf meine politische und moralische Seifenkiste gekraxelt und hab ein bisschen  was zu uns und unserer Gesellschaft zu sagen. Weil mir das Thema am Herzen liegt. Weil ich sehe, wie es die Menschen um mich herum bewegt und belastet. Weil mir das Sorgen macht. Und vielleicht spreche ich ja hiermit genau so aus Eurer Seele, wie ich es aus meiner tue. Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht allzu übel, wenn ich mich ein bisschen hinreissen lasse, ich mag es dinfach gern ab und zu was zu riskieren, nicht auf dem Zaun sitzen zu bleiben und beide Seiten mißtrauisch zu beäugen.

Damit Ihr einen groben Überblick habt

Seite 1 Amerika – Über’m großen See
Seite 2 Sozialismus – Die andere Seite des Januskopfs
Seite 3 Und was können wir tun? Die Macht ist stark in Dir

Über’m großen See

 

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die amerikanischen Nachbarn von drüben auf der anderen Straßenseite, an den Anzeigetafeln in ihren Sporthallen knallig und eindeutig ein nationales Psychogramm aushängen haben? Bei uns in Deutschland war es früher gang und gäbe, dass man, als guter Gastgeber, beim Sport die Heimmannschaft erst als zweites nennt. Ich fand das nett und höflich und richtig. In Amerika jedoch zeigt man seine „Ich bin ich und ich bin das Wichtigste und komm zuerst“ – Einstellung ganz ungeniert, denn die Heimmannschaft, also das „ich“ in diesem Fall, wird dort als die erste, tonangebende  Mannschaft genannt (glaub bei uns ist das inzwischen auch so?).

image Ich will niemandem zu nahe treten, das ist vollkommen ok, auch, wenn ich es persönlich mag für den Gast einen Schritt zurück zu treten. Ich finde es nur absolut faszinierend, wie unser reales, praktisches Leben durchzogen ist von diesen Beweisen eines nationalen und damit natürlich zwangsläufig auch eines persönlichen Selbstverständnisses. In Amerika zählt das ICH mehr, als das WIR und das zeigt sich im Großen, wie eben auch im Kleinen.

Wir machen das zusammen: Du und ich

Was ich in Deutschland immer total schön fand, was ich geschätzt und aktiv unterstützt hab/unterstütze, ist die Idee Verträge zu haben innerhalb einer Gemeinschaft:

  • Ok, ich bin gesund, dann kann ich die unterstützen, die krank sind und wenn ich krank bin, unterstützen mich wiederum andere, die gesund sind
  • Ok, ich verdiene mehr Geld, also kann ich die unterstützen, die weniger Geld verdienen und wenn ich mal weniger verdiene, unterstützen mich die, die dann mehr verdienen
  • Ok, jetzt bin ich jung, aber irgendwann bin ich alt, ob ich das will oder nicht. Deshalb unterstütze ich jetzt die, die alt sind und dafür unterstützen die jungen mich, wenn ich alt bin

Gestärkt von und endlich befreit durch die Idee, dass es jetzt (wieder) salonfähig ist, egoistisch zu sein, greift die „Ich bin nur für mich verantwortlich-Kampagne“ massenweise und ungeniert um sich. Und diese Idee kommt ganz klar aus der kapitalistischen Ecke. Von drüben über’m großen See. Dort, wo das klare Verursacher-und „Wer ist der Schuldige“- Prinzip herrscht: Ich verursache Reichtum, der gehört mir allein. Du verursachst Armut, die gehört Dir ganz allein. Seit einigen Jahren sind wir eifrig dabei unsere Welt umzumodeln und an deren Vorbild anzupassen.

Und das ungeachtet der Tatsache, dass wir doch mit eigenen Augen sehen können, was der Kapitalismus hervorbringt:

  • Trump,
  • ganze Teile von Städten, die so gefährlich sind, dass niemand sich von außen reinwagt
  • nahezu täglich verletzen und töten die, die eigentlich beschützen sollen ihre eigenen Schutzbefohlenen, ein Ausdruck letztendlich der absoluten Hilflosigkeit, des absoluten Scheiterns. Überlegt mal, das würde hier passieren!
  • Menschen, kommen tagtäglich unter die finanziellen Räder und sind damit praktisch verloren, fundamentale Dinge wie Gesundheit, sind ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit. Und ich könnte endlos mit den gruseligen Grauseligkeiten weiter machen

Und doch scheint es so, dass wir da unbedingt hin wollen – zumindest die Firmen und die Politiker wollen das. Hm, Kapitalismus und Firmen und Politik, ja wo ist denn da wohl der Zusammenhang? Mal ganz scharf nachdenken….könnte das….könnte das vielleicht Geld sein? Ding, Ding, Ding, der Kandidat hat an Erkenntnis gewonnen! Gratulation!