Ok. Heute bin ich durch Zufall über den Namen aus dem Titel gestolpert. Ich hab den Namen noch nie gehört, geschweige denn den Mensch, der in dem Namen drin steckt. Keine Ahnung, wer das ist. Und ich meine das nicht spaßig, sondern das ist mein voller Ernst. Für viele ist das vielleicht komisch, könnte ich mir vorstellen, denn wenn man der Schlagzeile glaubt, die ich gelesen hab, ist der Mensch in aller Munde. Nu, nicht in meinem.

Nun gut, er war jetzt in meiner Tastatur. Aber nur einmal und da das keinmal ist, war er da auch nicht. Zum Glück! Puh, nochmal davon gekommen, wer weiß, ob ich es sonst jemals zurück in meinen Elfenbeinturm geschafft hätte? Wobei ich grad überleg: Ist das politisch überhaupt korrekt? Oder umweltschutz- bzw. tierschutzmäßig korrekt? Wahrscheins net. Auf was man alles achten muss, verflucht nochmal! Ich muss mal kurz rüber ins Netz gehen und schauen, ob es dafür schon einen anerkannten Ersatz gibt (Ihr wisst schon „dafür“ für das Wort, das ich ab jetzt nicht mehr sagen darf, wenn ich kein schlechter Mensch sein will). Wartet mal kurz, bin gleich wieder da

…Mist, jetzt hab ich mir den Zeh angeschlagen…wo…ah…Elfenbeinturn…nein turm….Auuuu, mein armer Zeh. Blöder Tisch! Au, jetzt tut mir auch noch meine Hand weh! Ich bin so blöd!…auauau

Also, da bin ich wieder. Nö, nix gefunden. Hab nur gelernt, dass Studenten inzwischen kein politisch korrekter Begriff mehr ist, was mir einen Griff bescherte. An die Birne äh, Kopf meine ich. Oh, Welt!

Nun der PunktPunktTurm heißt hier auf WskW ab jetzt der Etepeteteturm oder alternativ der Hoheturm. Und wird auch so geschrieben. Punkt. Unter „Das Warum“ hab ich ein Lexikon angefangen für die WskS-Begrifflichkeiten, da hab ich das auch gleich vermerkt. Also, während ich mich auf den Weg in den Etepeteteturm zurück auf meinen Etepetetethron mache, erzähle ich Euch, wie das gekommen ist, dass ich den komischen Typ aus’m Titel nicht kenne.

Das liegt daran, dass ich mich der Durchschnitts- oder Mehrheitsgesellschaft kompetent komplett verweigere. Früher hat mich deswegen oft ein superschlechtes Gewissen geplagt, das selbst heute noch ab und zu versucht sich zaghaft zu melden „Du, weisste, das finde ich jetzt nicht so gut“ oder „Du, da fühl ich mich unbehaglich mit“‚, was ich schon kaum mehr höre, weil ich ihm da bereits die Tür an den Kopf geknallt hab. Ja, an den. Ihr mögt das vielleicht rabiat finden, aber ich kenn mein schlechtes Gewissen – über zaghafte, freundliche Hinweise trampelt das einfach drüber. Mein schlechtes Gewissen ist eines von der Sorte, das gleich den ganzen Menschen nimmt, wenn man ihm den kleinen Finger reicht. Wenn ich da einmal nachgebe, fängt das gleich an auf mir rumzuhämmern: „Wie kann das sein, dass Du nicht weisst, was grad wichtig ist?“ „Da kannst Du doch dann gar nicht mitreden!“ „Die „anderen“ denken doch Du bist blöd, wenn Du nicht weißt, was los ist“ und schlußendlich, wenn die vorwurfsvolle Masche nicht hilft, kommt es auf die „ich bin enttäuscht von Dir“-Tour: „Du bist doch ein verantwortungsvoller Mensch, ich hätte nie gedacht, dass Du Dich so wenig für Deine Umwelt, Deine Mitgesellschaft interessierst. Und (und das ist das schlimmste, verletzendste Argument und das weiß schlechtes Gewissen natürlich auch): Wie kannst Du wegschauen, wenn andere leiden! Wie kannst Du denen das antun!“ Inzwischen haben wir uns so auseinandergelebt, dass ich noch nicht mal wüsste, wie ich mich ihm verständlich machen sollte. Wir sprechen zwei unterschiedliche Sprachen. Aber wir sprechen noch ab und an, auch wenn ich nichts unegoistisches zu sagen weiß auf seine Argumente.

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Ich hab seit mind. 15 Jahren nix öffentlich rechtliches mehr angefasst und da die Kameraden bei jedem Fernsehgerät immer voreingestellt sind, ist meine erste Amtshandlung immer die Entfernung des Unerwünschten. Das macht Spaß, fühle mich dann so bereinigt. Und ich hab ein selektives System entwickelt, mit dem ich filtere, was bei mir zur Tür reindarf und was nicht und dank der ganzen Elektronik, die uns heute zur Verfügung steht, klappt das ganz gut. Nachrichten per se schau ich nicht. Prinzipiell nicht. Also nicht in der Form, dass jemand anderes Schlagzeilen aussucht und ich hilflos gezwungen bin die zu ertragen. Den einzigen Nachrichtensender, den ich anschau ist Euronews, über deren App, bei der ich voreingestellt hab, was ich sehen will. Und ab und an schau ich mir die Schlagzeilen im Videotext an. Aber ganz oft verweigere ich mich den Nachrichten auch einfach komplett.

Weil ich deren Wahrheitsgehalt stark anzweifle. Weil ich nicht glaube, dass ich wissen brauch, bei welchem Unfall in welcher Chemiefabrik wieder wie viele Menschen gestorben sind. Ganz ernsthaft: Welche Qualität, welches mehr gibt mir dieses Wissen? Oder besser: Warum sollte ich das wissen müssen? Wissen sollte uns ja eigentlich schlauer, klüger, besser und mehr machen. Und uns nicht zustopfen bis zu dem Punkt, an dem wir alles einfach über uns ergehen lassen, weil unser Hirn schon weichgekocht ist von den Unmengen Zusammenhängen, dem puren Horror und der Tatsache, dass wir nur ein kleiner Punkt in einem emsigen Universum von Macht sind, der letztendlich keinerlei Rolle spielt. Ich verstehe die Nachrichtensender schon – verdonnert uns rund um die Unendlichkeit zu berieseln, da kann man nicht wählerisch sein und da muss dann auch mal die Beißerei zwischen zwei Pekinesen als „Breaking News“ herhalten. Aber dann müssen diese Sender auch mich verstehen, dass ich mich ausklinke.

Ich hab zu dem Typ mit dem „Namen“ 1 Schlagzeile + 3 Unterzeilen + 1 Bild gelesen und wenn ich es richtig verstanden hab, hat er was Ungezogenes machen wollen, ohne dass er dafür gradestehen muss, wobei – je nach Gesinnung – das Ungezogene böse oder gut ist. Was soll ich jetzt dazu sagen? Kenn den doch gar nicht persönlich. Kann ein Opportunist, ein Karrieremensch sein, der gern ungezogen ist, weil er weiss, die Leute sagen dann: „Boah, haste das schon gehört, das war krass!“ und reden über ihn und davon lebt er – innerlich wie äußerlich. Oder kann sein, dass er nachts händeringend auf Knien über harten Betonboden rutscht, sich kasteit und überlegt, wie er der Welt ein bisschen mehr Frieden bringen kann. Oder kann sein, dass er einfach nur macht, was ihm sein Agent, sein persönlicher Fitnessmensch, sein Ernährungsberater, sein Psychotherapeut und sein Coach vom „Kreativ schreiben“ Kurs vorflüstern.

Ok, Leute, hier sind wir am Gartenzaun angekommen, muss jetzt zurück in meinen Hoheturm und ein wenig aus meinem Turmzimmer schauen.

Der Epilog

Ich stand an der Kreuzung zwischen „Was ist Dir wichtig“ und „Was kannst Du noch ertragen“ und hab versucht rauszufinden, welches meine Richtung ist. Wichtig ist mir meine kleine, reale Welt. In der ich real was bewirken und fühlen kann. In der ich existiere. Ich konnte an einem Punkt keine Toten, keinen Zorn, keine Gewalt und keinen Haß mehr ertragen. Ich konnte keine Politik mehr ertragen, an die ich nicht glaube, wollte kein falsch lächelndes Politikergrinsen und keine hohlen Entertainerkörper mehr sehen, hatte keinen Platz mehr für leere Phrasen und dicke Lügen. Es war einfach zu viel.


So dass ich mich dann, während mein schlechtes Gewissen sich auf den Boden schmeißend an mich gehängt hat, um mich am Laufen zu hindern, auf den Weg zum Hohenturm gemacht hab. Ich hab mir gesagt: „Du kannst ja immer noch umdrehen, jetzt geh erstmal los, dann wirste schon sehen, ob das so ok ist“. Nun, Jahre später sitze ich hier, auf meinem Fenstersims im Hohenturm und schreibe. Das schlechte Gewissen ist kurz los, um sich ein Butterbrot zu holen, wird mich aber sicher bald wieder umschlingen. Hab mich dran gewöhnt, macht mir nicht mehr soviel aus. Ich runzele die Stirn und kratz mich an der Nase.

Schlaft schön, Ihr da draußen, Prinzen und Prinzessinnen der Hohentürme