Kunstgedanken | Gedankenkunst

Ok. Heute morgen hab ich über’s verstanden werden nachgedacht. Oder eigentlich nicht nur über’s verstanden werden, sondern auch über das sich ausdrücken. Sich zu verstehen zu geben ist ein großer Grund nicht nur für Interaktion mit anderen Lebewesen, aber vor allem auch für Kunst. Es gäbe keine Kunst ohne den Wunsch danach nicht nur sich auszudrücken, sondern auch verstanden zu werden.

Was ist Kunst?
Mein persönlicher Kunstbegriff ist relativ weit gefasst. Oder vielleicht auch einfach nur anders, als er gelehrt wird. Für mich gibt es verschiedene Sorten Kunst, die alle ihre Wertigkeit und Berechtigung und Schönheit haben. Es muss ja nicht immer gleich die große künstlerische Kunst sein, kann ja auch Alltagskunst sein, wie zum Beispiel ein Laib Brot zu backen. Jemand, der sich Mühe gibt, sich Zeit nimmt, verschiedene Zutaten ausprobiert, ein Brot backt und es so verziert, dass es ihn zufrieden stellt und erfreut? Das ist auch eine Art von erschaffen und sich ausdrücken. Das ist auch Kunst. Für mich. Warum? Weil er nicht das nützlichste, schnellste Brot backt, sondern eines, was ihn zufriedenstellt.

Manche sagen: Alles, was erschaffen wird, ist auch gleich Kunst. Ohne wenn und aber, einfach so, weil es eben erschaffen wurde. So wie jeder Mensch menschlich ist, nur weil er geboren wurde. Ich würde beiden Aussagen widersprechen. Deutlich. Ich denke, was für mich persönlich den Ausschlag gibt, ob ich etwas als Kunst betrachte oder nicht, sind zwei Komponenten:

Die Mühe, die jemand sich gibt
Dass er etwas von sich selbst dem Erschaffenem mitgibt

Der erste Punkt bedeutet, dass der Erschaffende sich auseinandersetzt mit dem Werk. Der zweite Punkt, dass es ehrlich oder vielleicht sogar originell ist.

Was ist keine Kunst?
Daher kann auch Massenproduktionskunst für mich nie wirklich Kunst sein. Weil es eine Parodie von Kunst ist. Ad absurdum geführte Kunst. Benutzte Kunst. Man könnte ja nu hingehen und meinen, dass es Kunst wäre, wenn jemand Drucke von „Das Nachtcafe“ als Poster macht. Dem ist nicht so. Das Sujet alleine ergibt für mich noch keine Kunst. So ein Poster ist dann das Abbild von etwas was Kunst ist, aber keine Kunst. Es bleibt weiterhin so, dass der Originalschaffende der Künstler ist, nicht der, der das Original nachbildet. Es ist sozusagen die Intention, die Gedanken- und Gefühlsleistung des Schaffenden, nicht die Tatsache des Geschaffenwerdens, die das Kunstwerk ausmacht. Auch eine formschöne Untertasse von einem Möbelhaus, obwohl sie sehr schön ist, ist keine Kunst. Diese Schönheit dient dem Zweck Geld zu verdienen, nicht der Schönheit selbst. Diese Art von Schönheit hat keine Unausweichlichkeit, keine Folgerichtigkeit.
 
Und obwohl ein Künstler durchaus Geld mit seiner Kunst verdienen kann und will (und das auch gar nicht ehrenrührig ist), ist das Geldverdienen an sich nicht die alleinige Triebfeder des Kunstschaffenden, solange er noch Kunst erschafft. Wird Geld die Haupttriebfeder, merkt man das dem Werk relativ schnell an und dann hat man auch keine Kunst mehr vor sich, sondern eben…Erschaffenes. Kuckucksuhren, obwohl wohl ebenfalls künstlerisch anmutend (für manche) sind keine Kunst. Sie sind schön (für manche) und praktisch (wiederum für manche), aber Kunst sind sie keine (für mich). Punkt. Sie sind maximal künstlerisches Handwerk. Das ist aber was ganz anderes als Kunst.

Kunst würde auch erschaffen werden, genau in dieser und keiner anderen Form, wenn man keinen Nutzen von ihr hätte – Handwerk nicht. Denn der Nutzen und Sinn von Kunst ist der Schaffende selbst. Sein Wunsch sich auszudrücken, erkannt zu werden. Während beim Handwerk es das Erschaffte selbst oder der Nutzen des Geschaffenen ist, welches der Sinn des Schaffens ist. Daher kann auch ein Brot auf eine bestimmte Art und Weise zu backen Kunst sein, während natürlich nicht jeder Bäcker automatisch ein Künstler ist. Nebenbei gesagt: Fertigungsmaschinen von Massenprodukten selbst sind wiederum schon wieder Kunst. Wer schon mal das beängstigende, doch grazile und folgerichtige Ballett von Fertigungsmaschinen gesehen hat, weiß, was ich meine. In diese Maschinen hat aber auch jemand sowohl Mühe, als auch Originalität investiert.

So!
So, nu haben wir das ja alles schön aufgeklärt mit der Kunst. Was das genau ist und was keine Kunst ist und so. Weiß gar nicht, warum sich alle immer so schwer damit tun! Wenn man einen kühlen Kopf behält, kann man das alles schön sauber definieren. Schreiben Sie also bitte alle folgende Formel mit:

Kunst=Mühe investieren und was von sich selbst mitgeben
Nicht-Kunst=Nix investieren und nix von sich selbst mitgeben

Ich höre gerade, wir haben schon die ersten Fragen:
„Was ist denn dann, wenn einer sich Mühe gibt, aber nix mitgibt. Oder was mitgibt, aber sich keine Mühe gibt?“
Gute Frage. Sehr gut. Da verweis ich auf die Formel. Wenn wir nun Ihre Hypothesen in die Formel einsetzen, dann sehen wir ganz eindeutig und auch folgerichtig, dass das Ergebnis ist, dass es dann eben keine Kunst ist.

Die nächste Fragen, ja, Sie hier vorne, die Dame mit den Haaren. Was ist Ihre Frage?
„Was ist, wenn der Schaffende sich schon Mühe gibt, der Betrachter zum Beispiel die Mühe aber gar nicht erkennt?“
Gut, ähem, der Betrachter. Nun, der Betrachter…gut… also der Betrachter hat ja…also, der…der hat ja initial erstmal… ad hoc nix damit zu tun…ob was Kunst ist oder nicht. Der kommt ja in meiner Gleichung auch gar nicht vor (was meinen Sie mit: „Ja eben“?) ich schlage vor… sonst kommen wir ja auch gar nicht voran… wir konzentrieren uns jetzt erstmal auf das, was wir uns schon erarbeitet haben

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. cubow sagt:

    Kunst ist allzu oft auch nur ein Alibi…

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    1. Ja, darüber hab ich auch nachgedacht. Dass manche, die aus meiner Sicht was Künstlerisches machen, das selbst gar nicht als Kunst ansehen, während andere das Wort als Label benutzen. Letztendlich entzieht sich der Begriff jeder festen Definition, was auch den Zorn erklärt, den manche auf den Begriff haben. Wahrscheinlich ist es daher genauso legitim „Alles ist Kunst“ wie „Nichts ist Kunst“ zu sagen, was ungemein faszinierend ist.

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