Eilt sehr: Weltverbesserer gesucht

Ok. Am Ende einer Internetdiskussion hat mir ein Internetler viel Glück mit meiner „Mission“ gewünscht. Es war eine englische Diskussion, deshalb ist das Wort etwas anders zu bewerten, als im Deutschen. Das war ein bisschen komisch für mich, auch, wenn es nett gemeint war, weil ich mich nie als jemand mit einer Mission gesehen hab. Mein Verhalten erscheint mir als die logische, moralische Schlußfolgerung dessen, woran ich glaube. Ganz einfach. Und aus irgendeinem Grund, erlaubt es mir mein Gewissen, meine Moral nicht, mich mir selber zu sehr zu entziehen. Wenn ich merke, ich bin ungerecht oder parteiisch alleine aus Emotionalität heraus, ohne, dass ich diese Parteilichkeit mit Argumenten verteidigen kann, spüre ich ein kleines, unwohles Gefühl. Das ist für mich das Signal, dass irgendwas nicht sauber ist an meinen Argumenten und/oder Gefühlen. Und dann beginne ich den betroffenen Komplex abzutasten, abzuklopfen. Ich versuche rauszufinden, welche meiner Gedanken oder Meinungen emotional bedingt sind und folge denen dann nach, um zu sehen, ob ich auch reale Gründe für diese Emotionen hab. Ich prüfe, ob ich meine Meinung, meine Überzeugung argumentativ verteidigen kann. Weil ich daran glaube, dass niemand das Recht hat einfach zu sagen: Das ist so, weil ich das so sage oder fühle.

Ich glaube daran, dass jeder den anderen Mitinhabern dieses Planeten so viel Respekt schuldet, dass er sich nicht über die anderen stellt, sondern sich einreiht, sich integriert und versucht zu kommunizieren anstatt zu dominieren. Nu ist die Wahrheit natürlich, dass mit dem Internet auch eine neue Dominations- und Hasswelle entstanden ist. Da nun jeder öffentlich was sagen kann, meinen viele, ihre Meinung sei nun universell und richtig allein aufgrund der Tatsache, dass es ihre Meinung ist. Es ist ein ermüdender Zeit- und Nervenaufwand sich immer wieder auf Diskussionen mit diesen Menschen einzulassen und zu versuchen sie auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Sie wieder in den Kreis der Lebenden zu holen und das am besten ohne zornig oder schnippisch zu werden, obwohl man selbst mit Zorn und Schnippigkeit (?) übergossen wird.

Aber jeder muss das tun, woran er glaubt. Und ich glaube nicht daran, dass jemand anzuschnauzen, selbst, wenn es gerechtfertigt wäre, dazu führt, dass derjenige zuhört. Deswegen versteh ich oft die Menschen nicht, die andere zum Umdenken bringen wollen, aber dann auf jede Provokation mit einer Provokation zurück reagieren. Da muss ich mich doch fragen: Worum geht es Dir denn eigentlich? Was ist denn eigentlich Dein Ziel? Ist Dein Ziel ein Beleidigungsduell oder zu jemand durchzudringen? Und wie glaubst Du Dein Ziel zu erreichen, wenn Du genau das anwendest, was Du bei anderen ankreidest? Wenn der einen Seite nur daran gelegen ist ihren eigenen Standpunkt hervorzuheben oder surchzubringen, wenn es oft nur darum geht zu schockieren und andere zu verletzeb, dann muss ja nu mal der Erwachsene und der bessere Mensch sein (kleiner Hinweis: in der Regel ist das nicht derjenige, der starr nur seine eigene Ideologie sieht, sondern derjenige. Def einen Menschen sieht und versucht mit dem zu kommunizieren). Sonst kommen wir ja nicht vorwärts.


Natürlich weiß ich, dass das nicht leicht ist und an einem nagt. Es nagt an mir. Mit jedem schrecklichen, unbarmherzigen, grausamen tweet oder Kommentar im Netz zuck ich mehr zusammen. Ich frag mich, wie diese Menschen mit sich leben können. Schlimmer oder dringlicher: Ich frag mich, wie wir mit ihnen leben können. Und umgekehrt natürlich. Denn die fragen sich wahrscheinlich, wie sie es mit den ganzen auf ihre Gefühle hörenden, toleranten Naivlingen aushalten sollen (oder wie auch immer sie Menschen wie mich benennen). Denn, was in england und amerika schon real ist, eine Teilung der Gesellschaft, Menschen, die beschlossen haben, dass sie mit andersdenkenden nicht mehr zusammenleben können und ein dürftig kaschierter und im Zaum gehaltener Bürgerkrieg, der bei jeder Gelegenheit explodieren kann, greift auch in der restlichen Welt um sich. Wie soll man mit jemand zusammen arbeiten oder jemand im Bus gegenübersitzen, wenn man weiß, dass diese Person rassistische, gewalttätige Ansichten hat? Wie sollen wir der Polizei und der Bundeswehr  vertrauen, die uns beschützen sollen, wenn die mit nazis sympathisieren und brutal und maßlos gegen Bürger vorgehen?

Ich hab für mich eine Möglichkeit gefunden, es zumindest auszuhalten, ohne dass es mich aktiv zu sehr belastet und mich hoffnungslos für uns Menschen macht: Wenn ich, wie oben beschrieben, meine Meinungen und Ideen auf ihre Standfestigkeit und ihre Güte abklopfe (denn ein wichtiger Punkt ist für mich, dass meine Meinungen nicht aus egoistischen oder kleinlichen Gedanken, Gefühlen bestehen, sondern aus moralisch guten), dann treff ich meistens auf einen entscheidende Stein im Schuh. Und diese eine Sache ist ein Konflikt den jeder von uns hat und der für uns selbst vollkommen unlösbar ist:

Letztendlich basiert alles, was wir im gesellschaftlichen, zwischenmenschlichen Bereich sind und denken, lediglich auf „Glauben“. Wenn wir unseren Überzeugungen bis zur allerletzten Quelle folgen, ihre Beweggründe wie eine Zwiebelschale appellen, landen wir irgendwan an dem einen Punkt, an dem Wort gegen Wort steht. An dem es keinen Beweis, keine These für die Richtigkeit einer Behauptung gibt, sondern nur Glauben. Was ich damit meine? Gut, ich geb zu, das klingt etwas kryptisch. Nu, da komm ich doch mal wieder mit einem meiner üblichen Beispiele um die Ecke.

Nimm als Beispiel Gerechtigkeit. Das ist ein inzwischen weltweit anerkanntes Konzept, das universell als gut und erstrebenswert gilt. Keiner würde denken, Gerechtigkeit könnte was schlechtes sein. Aber warum? Nenn mir einen realen Grund, der nicht einfach nur ist: Gerechtigkeit ist gut und gerecht. Nenn mir einen objektiven Grund, der Bestand hat losgelöst von uns Menschen. Es gibt keinen wirklich physischen, objektiven Grund dafür. Man könnte höchstens eine Art von Naturphysik ableiten, aufgrund der Tatsache, dass die meisten Systeme am besten funktionieren, wenn sie einigermaßen ausgeglichen sind. Wenn der Parasit den Baum erstickt, in dem er sitzt, dann schadet er sich selber. Somit ist es in seinem natürlichen, instinktiven Interesse, dass eine Ausgewogenheit, eine „Gerechtigkeit“ herrscht. Aber nicht aus moralischen Gründen, sondern aus rein selbstorientierten.

Oder nimm einen Ausbeuter, der auf eine Insel kommt, die Eingeborenen unterjocht durch Morde, Vergewaltigungen und Restriktionen. Dann zwingt er die Überlebenden Goldminen zu bauen, dort zu arbeiten und ihm das ganze geförderte Gold zu geben. Selbst hier liegt es im Interesse des Arschlochs, dass es sowas wie eine pervertierte Gerechtigkeit gibt. Nicht auf der Ebene Arschloch <->Sklave, aber auf der Ebene Sklave <-> Sklave. Wenn ein Sklave einem anderen Sklaven das Brot stiehlt, liegt es im Interesse des Ausbeuters „Gerechtigkeit“ walten zu lassen, weil es sonst die Arbeit unterbricht und es immer ein Drahtseilakt ist die Sklaven nicht so sehr zu unterdrücken, dass ihnen der Tod besser erscheint als das Leben als Sklave. Denn dann würden sie rebellieren. Also nutzt er diese niederste Form der Gerechtigkeit, um den Menschen die Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit vor der Nase baumeln zu lassen. Denn so lange wir Hoffnung haben, sind wir relativ gut zu managen.

 Und wenn er wirklich pervers ist, gibt er ihnen „das Gefühl“ frei zu sein und von der Sklaverei zu profitieren, weil er weiß, dass sie so nicht gegen ihn, sondern sogar freiwillig für ihn arbeiten. Und so braucht er keine Wächter mehr, um sie zum Arbeiten zu zwingen, wenn er ihnen einen Mini-Mini-Anteil am Schatz abgibt und ihnen die Illusion lässt, sie hätten eine Wahl (ist natürlich nur eine Illusion, denn inzwischen haben die Sklaven ja kein eigenes Land mehr, was sie bewirtschaften könnten und wenn sie nicht für ihn arbeiten, verhungern sie. Und letztendlich, wenn es dem Ausbeuter wirklich schadet, wird er Mittel und Wege finden, sie gewaltlos zur Arbeit zu zwingen, da er am längeren Hebel sitzt. Denn inzwischen gibt es zum Beispiel Supermärkte, weil die Menschen ja nicht mehr Selbstversorger sind. Und in Supermärkten kannst Du nicht für Deinen Einkauf arbeiten. Die wollen Geld sehen).  Hmm…komisch, das klingt alles irgendwie so vertraut?! Wo hab ich sowas schon mal gesehen? OH!

Man könnte also irgendwie argumentieren, dass ein bestimmtes Maß an Gerechtigkeit tatsächlich lebensnotwendig ist und es somit reale, objektive Gründe für Gerechtigkeit gibt. Aber das ist natürlich Äpfel mit Mandarinen vergleichen, denn das, was wir unter Gerechtigkeit verstehen, ist ein Konzept, das viel weiter gefasst ist als das, was ich grad erzählt hab. Und der entscheidende Unterschied ist, dass in unserem Verständnis Gerechtigkeit etwas Gutes an sich ist und kein notwendiges Übel als Mittel zum Zweck. 

Also, zurück zum Anfang: Wenn wir von bestimmten Dingen sprechen, wie Gerechtigkeit, Anstand, Gleichheit, Freiheit, dann erscheinen uns diese Dinge genauso gegeben, natürlich und richtig, wie dass es nachts dunkel ist und morgens hell wird. Wir sagen diese Wörter und denken, jeder weiß, was damit gemeint ist. Als wären sie universal. Sie sind für uns so real, wie die Gravitation. Aber für die Nacht und den Tag und die Gravitation gibt es reale, objektive Gründe und Bedingungen. Sie bestehen außerhalb von uns und auch losgelöst von uns. Für all die gesellschaftlichen Konzepte, die ich gerade genannt habt, gibt es dies alles nicht. Es sind lediglich Entscheidungen, die jeder von uns getroffen hat. Und hier liegt der Knackpunkt der ganzen Sache. Wenn es keine reale, objektive Grundlage für Gerechtigkeit, Freiheit und sowas gibt, dann gibt es nur subjektive Grundlagen. Und deshalb heißt Gerechtigkeit für jeden was anderes. Es heißt ganz genau das, was jemand entscheidet, was es heißt.


So. Dass das nicht funktionieren oder gutgehen kann, müsste jedem klar sein. Es ist wie ein gesellschaftliches Babylon. Was noch schlimmer ist, ist, dass wir uns dieser unterschiedlichen Definition, die jeder hat, meist gar nicht wirklich bewusst sind. Unterbewußt wissen wir das schon irgendwie. Wir loten praktisch bei jeder Interaktion mit jemand, unterbewußt dessen Gewissensentscheidungen aus, gleichen sein Verhalten, seine Normen ab mit uns bereits bekannten Verhaltensmustern, um herauszufinden, zu welcher Sorte das Gegenüber gehört, um dann einen Weg zu finden, damit umzugehen, wenn es eine andere ist als wir. Reibung, Streit und Krieg sind da vorprogrammiert. Es ist als würden wir eine unterschiedliche Sprache sprechen – ohne es überhaupt zu merken! Wir glauben Gerechtigkeit sei ein stabiler Punkt, der für alle am gleichen Fleck ist und verstehen deshalb nicht, warum Menschen Dinge tun können, die für uns unfassbar sind und sich weder schlecht deshalb fühlen, noch sich selbst als ungerecht empfinden.

Und das, was für Gerechtigkeit gilt, gilt selbstverständlich auch für andere Gesellschaftsbegriffe wie Gleichheit, Freiheit und so weiter. Es ist für mich unverständlich, dass noch niemand dieses Thema angesprochen hat. Ja, erscheint mir nahezu fahrlässig hahnebüchen! Klar gibt es Philosophen, die zu den Begriffen geschrieben und gelehrt haben, klar gibt es Versuche eine gemeinsame Regelung für diese Dinge zu finden, wie die UN oder Verfassungen. Da steht dann drin: Wir wollen Gerechtigkeit und Gleichheit. Aber man muss doch erstmal einen gesellschaftlichen Konsens finden, was das überhaupt heißt. Gerechtigkeit. Einen greifbaren Konsens.

Was man hätte machen müssen ist: Eine Weltversammlung einberufen und sagen: „Leute, heute wollen wir festlegen, was Gerechtigkeit heißt.“ Und dann hätte man sich hingesetzt und den Minimalkonsens versucht zu finden und diesen als Norm festgelegt. So wie 1= 1 ist, hätte Gerechtigkeit zum Beispiel bedeutet, dass prinzipiell jeder das Anrecht auf die gleichen Rechte hat. Dass ein Oberhaupt eines Landes oder Stammes für all seine Bürger gleich gut sorgen muss. Das bedeutet nicht, dass nicht jeder seine eigene Norm für Gerechtigkeit haben kann, die darüber hinausgeht, aber es bedeutet, dass keiner eine haben kann, die darunter liegt! 

Und diese Definition von Gerechtigkeit hätte man dann ganz normal in der Schule lehren können, so wie man Physik lehrt. Da sagt der Lehrer: „Gerechtigkeit ist….“. Diese Definition von Gerechtigkeit wäre die Grundlage jedes Rechts gewesen. Und wenn sich nicht alle Länder beteiligt hätten, wäre es auch nicht schlimm gewesen, Überzeugungen kommen bei manchen schneller, bei anderen länger. Wichtig wäre nur gewesen, dass man eine Mehrheit dazu bringt teilzunehmen. Mit so einem Konsens wären wir alle auf dem gleichen Stand, was Gerechtigkeit objektiv heißt und hätten weiterhin noch die Möglichkeit einer subjektiven Gerechtigkeit. Wir müssten uns nicht immer wieder erneut um die grundlegendsten Dinge streiten und uns gegenseitig missverstehen und zerfleischen. Mit so einer Verständigung, hätte man Ungerechtigkeit natürlich nicht abgeschafft, das wäre auch gar nicht das Ziel – aber man könnte besser gegen sie vorgehen, weil der ganze subjektive Mist weg ist, mit dem sich ganz viele freikaufen. Vor allem die, die Gerechtigkeit mit Füßen treten, nutzen aus, dass keiner so genau weiß, was gerecht ist. Nimm zum Beispiel trump: Dem hätte man mit so einer Norm schon lang Ungerechtigkeit nachweisen können, weil er sich ganz klar nicht als Präsident aller amerikaner sieht.

Und nun komm ich zurück zum Anfang. Zu meinen Schwierigkeiten damit zurecht zu kommen, dass so viele Menschen für mich unvorstellbare Dinge tun und keinerlei Unrechtsempfinden dabei haben. Das Beispiel Gerechtigkeit zeigt, warum manche Menschen Dinge tun und fühlen, die für mich total abartig sind und die ich nicht mal theoretisch nachvollziehen kann: Sie haben für sich die ganzen subjektiven Gewissensfragen anders entschieden als ich. Und deswegen fühlen sie sich auch nicht schlecht, wenn sie andere Menschen hassen, nur weil diese nicht deutsch sind. Und deswegen können manche Leute andere Menschen mit Bierkrügen halbtot prügeln, während ein Bierzelt voll Menschen drumrumsteht ohne einzugreifen und trotzdem noch mit sich weiterleben, während es für mich so unerträglich ist, dass wir Menschen in unserer Mitte haben, die sowas tun und andere, die es gutheißen, dass ich kaum weiß, wie ich damit umgehen soll.


Nachdem ich all das gedacht hab, tu ich mich nun ein wenig leichter damit, die ganzen Hasskommentare oder auch nur eiskalten, egoistischen Kommentare unter Zeitungsartikeln im Internet auf twitter oder facebook auszuhalten. Weil ich nicht mehr versuche diese Menschen mit meinen Gewissensentscheidungen in Einklang zu bringen. Weil ich besser glauben kann, dass diese Menschen nicht zwangsläufig immer Monster sind.  Weil ich so die Grausamkeit und Ungerechtigkeit dieser Welt besser aushalten kann, ohne den Glauben an die Menschen ganz zu verlieren. Wie so oft hat mir das wirkliche, echte, schonungslose Nachdenken über etwas, geholfen, Zusammenhänge zu verstehen und zu erkennen. Es hat mir geholfen, Dinge zu klären und zu benennen und es hat mich Menschen näher gebracht. Das Problem ist nur: Wenn immer nur ein Teil der Menschen sich bemüht zu verstehen und wir daran nichts ändern, werden wir nie weiterkommen. Wir werden immer vorwärts gehen, um dann wieder rückwärts zu gehen. Ein ewiger Tanz zum gesellschaftlichen Fortschritt und dann zurück in dunkle, vergangene Zeiten. Je nachdem, welche Gruppe sich grad unterdrückt fühlt. 
Es wird Zeit, dass jemand mal wirklich ernsthaft versucht die Welt zu verbessern. Ich mein in echt. Nicht nur dieses: „Ich möchte eine bessere Welt aka, eine Welt, die so ist, wie ich es mir vorstelle und jeder wird da reingepresst“, sondern dass jemand wirklich Verständnis aufbringt für unser Wesen und versucht das in praktische, gangbare Verbesserungen umzusetzen, die real Leben verbessern. Jemand, der kein Eigeninteresse hat, außer dem Wunsch zu verstehen und zu helfen. Wir sind sonst echt verloren. Wir bomben oder produzieren uns sonst ins Nirwana, indem wir den Planeten zurstören. Aber selbst, wenn wir so einen Menschen finden, der bereit ist, sich auf den Weg zu machen uns zu helfen und zwischen uns zu vermitteln – wie könnte der die Menschen überall wirklich erreichen, so dass die wiederum Druck auf ihre Politiker ausüben, zuzuhören? Wenn jemand wirklich mal ernsthaft und menschlich mit der Menschheit reden würde, würden die Politiker und die Industrie (damit meine ich auch die Medien, nicht nur Firmen) das überhaupt zulassen? Würden sie nicht sofort daran gehen diesen Menschen zu zerstören und zu diffamieren? Denn das sind die einzigen, die davon profitieren, wie es ist und die auf keinen Fall Änderungen haben wollen. Ich denk oft, dass, wenn man mal ehrlich mit den Menschen reden würde, sie in die Zusammenhänge einbinden würde, statt sie außen vor zu lassen, die meisten einen gmeinsamen Konsens finden könnten. Aber wie soll das praktisch gehen? Man kann auch nicht nur ein Land versuchen zu erreichen, weil wir inzwischen alle so verbunden sind. Wenn, dann müssen alle mit ins Boot.

Hat jemand ne gute Idee?

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. dizzl sagt:

    Ja. Fangen Sie bei Lektion 1 an: „Andere Menschen sind anders als ich und denken anders als ich – und das ist auch gut so.“ Sonst hätte es so geniale Dinge wie Life of Brian, die Muppets oder den Mkroprozessor wohlmöglich nie gegeben :/

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    1. Nina sagt:

      Witzigerweise ist das etwas, was ich wortwörtlich so in einer dreiteiligen Reihe geschrieben hab, die noch im Entwurffächle steht. Genau genommen lautet es so:
      „Im Internet sieht man immer wieder ausfallende und giftige Auseinandersetzungen zwischen links und rechts (obwohl ich diese Einordnung eigentlich für total albern halte, verallgemeinere ich das für diesen Text so, rein um es kurz zu halten). Wie kann denn dann dieser Knoten gelöst werden, dass Menschen was sagen/schreiben und andere Menschen das als unmöglich oder sogar als Tabu empfinden? Ich weiß es nicht. Oder besser: Ich weiß es natürlich theorethisch, aber für praktisch brauchen wir uns alle gegenseitig. Der erste, der unangenehmste, der schwerste, aber auch wichtigste Schritt ist der, an folgendem festzuhalten:

      Gedanken sind frei und sollen es auch bleiben.Wir brauchen keine Gedanken-und Gefühlspolizei, keine Ideologierichter und nicht jeder muss wegen jedem gemaßregelt werden. Wer Freiheit will, muss auch Freiheit gewähren.

      Das ist manchmal schwer. Manchmal weiß man nicht, wo die Grenzen liegen. Soll ich jetzt was sagen und wenn ja was? Mach ich mich mitschuldig, wenn ich nichts sage? Und manchmal kann man nicht aushalten, was andere sagen, es macht einem sogar Alpträume. Aber nimm mal an, Du könntest jemand verbieten etwas zu sagen: Das würde ja gar nichts ändern, denn er würde es ja immer noch denken.“

      Das ist aus einer 3-teiligen Reihe zum Thema: Warum wir gerade jetzt wieder so egoistisch und intolerant geworden sind. Und der zitierte Part kommt aus einem Teil, der „Die Richter“ heißt.

      Wie ich in ein paar Beiträgen bereits erzählt hab, weiß ich nicht, ob ich die Beitragsreihe (und andere Beiträge) veröffentlichen werde, weil ich mich grad schwer tu damit überhaupt was zu veröffentlichen und dran zu glauben, dass es was bringt. Momentan macht mir die Welt um mich herum zuviel Herzschmerz und Angst. Und für meine Art von Schreiben und Veröffentlichen muss ich daran glauben, dass es irgendwo Licht gibt. Dass der Wille zum Positiven überwiegt. Das fällt mir gerade schwer, wenn wir in Deutschland bald eine rechtsradikale Partei in den Bundestag bekommen, amerika trump und england brexit wählt, wenn polen und ungarn sich abwenden von seinen Bürgern und Werten wie Wahrheit, Toleranz und Freiheit, genau wie venezuela. Und noch so einiges mehr, was in der Welt grad passiert.

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      1. dizzl sagt:

        Mach es Dir nicht so schwer. So böse sind wir gar nicht – und „am Ende des Tages“ ist der Nazi-Soldat oder Facho-Bulle wohlmöglich der, der Deinen Arsch rettet. War bei mir auch so … positive Auswirkungen auf meinen Lebenslauf haben meine strengen konservativen Lehrer gehabt. Die Anderen haben nur dessen Diskontinuität beigetragen 😉 Letztere haben uns gelehrt, dass es böse Nazis gibt – und erstere haben und erklärt, welche Formen Gefahren für Demokratie und Rechtsstaat annehmen (können), Aktuell herrscht bei mir persönlich Alarmstufe ROT.

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        1. Nina sagt:

          Dass es manchmal schwer ist, gehört dazu. Dass ich jetzt wieder in einer Zeit leben muss, in der der ganze beschissene, alte Mist wieder hoch kommt, als hätten die Menschen nix gelernt, nehm ich jedoch persönlich übel.

          Ich glaube an Dinge nicht, weil jemand sie mich lehrt oder so. Ich hab eine etwas komplizierte Philosophie entwickelt, die besagt, dass Dinge positiv (voranbringend) sind oder negativ (zerstörerisch). Nimm als Beispiel das Beschneiden einer Pflanze. Du kannst das positiv machen, nämlich so, dass sie mehr wird nächstes Jahr oder negativ, nämlich so, dass sie stirbt( Ich versuch das Prinzip so reduziert wie möglich zu erklären, hoffe es ist verständlich).

          Und diese Philosophie hab ich entwickelt aus Beobachtung und Nachdenken heraus. Wenn ich faschistische, rassistische Ideen ablehne, dann nicht (nur) aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus (ich glaube prinzipiell nichts, wovon ich mich nicht selber überzeugt hab), sondern weil ich zutiefst, aus tiefster Seele daran glaube, dass sie falsch sind.

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          1. dizzl sagt:

            Das mit dem alten Mist – das treibt aktuell wohl die ganze Gesellschaft um. Als dem Anspruch nach Philosophin solltest Du Dich aber ernsthaft der Frage stellen warum. Man könnte einerseits auf „gesellschaftliche Dynamiken“ verweisen. Andererseits aber ebenso gut auf die Selbstwahrnehmung der Gesellschaft und Deiner von ihr in der Zeit davor. Good old Germany (RIP) war ein durch seinen Wohlstand derart überfriedetes Land, dass es eigentlich zwangsläfig zum Absturz kommen musste. Jetzt ist die Seifenblase geplatz. Nunja. Weiter gehts?

            Der ganze alte Mist wurde aus der Selbstdeutung ausgeschlossen. Wir sind aufgeklärt, wir sind demokratisch, wir sind gebildet, wir sind sozial, wir sind säkularisiert – streng genommen alles Selbstbeweihräucherung. Das hat NIE so gestimmt. Leider. Schön wär´s gewesen. Jetzt hat uns die globale Welt eingeholt – und das ist vielleicht auch ganz gut so?

            Das mit dem Faschismus und Rassismus ist im Wesentlichen ein Feindbild. Es gibt selbst bei den Grünen gewissen Studien zufolge Rassisten :/ Das ist ein großes böses Feindbild, das die Polarisierung der Debatten durch insb. SPD und Grüne überschattet und von selbige als Durchlauferhitzer für die Selbstbeweihräucherung betrieben wird. Die AfD heute ist, was die CDU vor 10 Jahren noch war – auch pesonell – und die wenigsten Flüchtlinge hat Dtl. unter Schröder und Schily ins Land gelassen (2002 ff).

            Aber egal. Mag jeder glauben was er will. Für mich war Obama ein Kriegstreiber, der Brexit die Flucht des Liberalismus vor der totalitären Bürokratie, Frau Merkel ist die Inkarnation der Autokratie und die Medien heute sind Meinungsmacher und Gedankenzensur in einer Person.

            Bei uns hieß es damals noch „macht was Ihr für richtig haltet“. Aye Sir!

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            1. Nina sagt:

              Das ganze Thema ist zu komplex- und genau das ist auch der Grund, warum es Blödsinn ist für mich irgendwelche starren Ideologien zu haben. Weil sie niemals das Zusammenspiel von Zufall, Gesetzmäßigkeit, Menschheit und was auch immer abbilden können. Und genau in diesem Moment werden aus Ideologien dann leere Hülsen/Platzhalter von Identität und Menschen bewegen sich auseinander und auf unterschiedliche Seiten. Weil sie dann nicht mehr als Personen miteinander reden.

              Ich bin beileibe keine Philosophin. Schön wärs. Zumindest nicht im „normalen“ Sinn. Dazu bin ich viel zu unbelesen, sprich, dazu hab ich mich (immer noch) zu wenig mit der Geschichte und mit den Gedanken von anderen Menschen beschäftigt. Ich hab eher so eine Art Bauernschläue? So eine intuitive, praktische Philosophie, die sich selbst nicht wichtiger nimmt als das Ergebnis? Ich glaube zwar an Prinzipien als das einzige, was uns aufrecht erhält, aber nicht weil es Prinzipien sind, sondern weil sie zum richtigen Ergebnis führen. Ich würde wahrscheinlich für ein Prinzip sterben, wenn ich es für richtig halten würde, würde aber gleichzeitig jedes Prinzip abschaffen, wenn es sich als falsch oder unnützlich herausstellen würde.

              Wie es oft so ist, gibt es überall, auch in unserem Austausch Verständigungsprobleme (wir sagen das selbe Wort, aber für Dich heißt es was anderes, als für mich). Z.B. Wenn ich sage: Wir sind demokratisch, dann meine ich damit nicht, dass wir alle sklavisch rund um die Uhr demokratisch denken und handeln müssen. Das heißt nur, dass wir uns entschieden haben für die Demokratie und versuchen das so gut wie möglich einzuhalten. Genau so ist das mit dem Rassismus: Wir als Gesellschaft haben beschlossen, dass das eine schlechte Sache ist. Das heißt aber nicht, dass er nu tabu und abgeschafft ist. Es heißt viel mehr, dass wir versuchen dahin zu kommen, dass wir Menschen sehen und nicht Stereotypen (und Rassen/Nationalitäten sind nichts anderes als das). Es heißt, dass wir versuchen gerecht zu sein und nicht voreingenommen. Mehr nicht. Es ist ein Streben nach etwas.

              Ich sehe in den letzten Jahren die Tendenz das misszuverstehen und zu deuten als: Es wurde beschlossen nicht mehr rassistisch zu sein und nu denkt jeder das ist so und Rassismus ist ausgerottet bei guten Leuten. Und: Es ist nicht mehr erlaubt rassistisch zu sein. Für mich sind diese zwei Gedanken ehrlich gesagt scheinheilig, weil sie gewollt die Realität verfälschen und ganz viele Ebenen gewollt miteinander vermischen, die nichts miteinander zu tun haben.

              Ich kann einem Huhn nicht vorwerfen, dass es ein Huhn ist. Das ist seine Natur. Ich kann aber, wenn es mich stört, weggehen oder mich ablenken oder lernen damit zu leben. Oder versuchen zu verstehen, warum das Huhn mich stört. Sprich: Eine Gesellschaft, die aus mehr als 1 Menschen besteht, wird immer Spielregeln aufstellen müssen. Das sind aber Spielregeln, keine göttlichen Gesetze. Das ist, wo wir als Gesellschaft hoffen hinzukommen und kein Gebot. Und das willentlich misszuverstehen ist für mich schwer nachzuvollziehen.

              Was ich verstehen kann, ist, dass das Ganze aus einer Emotion heraus geschieht. Und dass es oft ein Gefühl der Ohnmacht, des Eingesperrt sein ist. Aber für mich ist es irgendwie unehrlich (und persönlich fremd), daraus dann folgendes zu machen: Ich fühl mich unterdrückt. Deswegen will ich jetzt daran arbeiten, dass ich andere unterdrücken kann.

              Das richtige wäre zu sagen: Ich fühle mich unterdrückt, deshalb will ich dran arbeiten, dass immer weniger Menschen sich unterdrückt fühlen müssen. Zum Beispiel durch echte Kommunikation dessen, was ich denke und fühle und ehrlichem Wunsch das zu lösen.

              Aber das passiert ja nicht. Stattdessen wird eine Feindposition aufgebaut und der uralte Auge um Auge Mist rausgeholt. Und das ist traurig. Weil wir alle das Ende dieser Geschichte kennen.

              Obwohl es eine so lange Antwort ist, hab ich versucht Dinge kurz und zusammengefasst zu zu sagen , ich hoffe, es ist trotzdem noch einigermaßen verständlich!

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              1. dizzl sagt:

                Geht das vieleicht etwas kürzer?
                Zwischenantwort:
                – Ideologien sehe ich aktuell nur auf einer Seite (links), man spricht gern von Gesinnugsethik dieser Tage.
                – Deine Meinung ist nicht die der Parteien und ihrer Protagonisten, welche die vermeintlich demokratischen Strukturen der „offenen Gesellschaft“ vertreten. Selbige grenzen expliziz aus. Vor der Wahl zeigen sie jetzt verbale Offenheit, September 2015 sah die Sche aber noch gänzlich anders aus. Da sage ich nur Danke Frauke, danke AfD!

                Mit Deiner konsensualistischen Ansicht müsstest Du eigentlich Gott un die Welt verdammen und am Sonntag zu Hause bleiben. Oder?

                Ich persönlich nehme die Welt lieber wie sie ist und habe mich inzwoschen auch an Schlammschlachten und Grabenkämpfe gewöhnt. Das war mit Mindestlohn und und und nicht anders und selbst in der Wissenschaft hat man keine Ruhe davor.

                Also: der Mensch ist des Menschen Wolf. Rousseau liest sich zwar schön, aber Hobbes hatte mit den negativen Eigenschaften des Menchen nicht Unrecht, sie finbden sich überall und markieren die Grenze der Anwendbarkeit humanistischer Ideale 😉 Klartext: der Mensch ist nicht gut. Auch nicht unbedingt böse, es gibt eben beides und eine Menge grau dazischen. Ich denke da müssen wir alle mit leben und unseren Weg machen. Es ändern zu wolle ist sinnlos, es wird dir niemend zuhören.

                Also – Lektion 1 – bei Dir anfangen. Akzeptieren, anerkennen, erst einmal selbst zuhören, anpassen – und sich Gleichgesinnte suchen. Dann gemeinsam Iden vorantreiben – und damit den Pluralismus leben.

                Denkbar?

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                1. Nina sagt:

                  Ja, geht auch kürzer. Weil es eh nicht viel Sinn gibt, weiter zu erklären, denn ich habe das Gefühl, praktisch alles, was ich versuche zu erklären, wird von Dir willentlich missverstanden und missdeutet. Weil nicht das gehört/gelesen wird, was ich schreibe, sondern das, was Du denkst, was ich damit meine. Man nennt sowas wohl Vorurteile haben.

                  Ich schätze, wahrscheinlich hast Du das gleiche Gefühl vice versa. Das ist aber nicht schlimm, wir müssen uns ja weder verstehen, noch vertragen (ehrlich gesagt, bin ich sehr, sehr froh, dass wir das nicht tun, ich würde mich sehr erschrecken, wenn das so wäre). Solange wir uns tolerieren, ist das ja vollkommen ausreichend. Danke für die Kommentare, das war sehr interessant.

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                  1. dizzl sagt:

                    So viel zu den Themen Komplexität und Kommunikation. Kommunikation – Ihr Wirkungsgrad ist äußerst beschränkt. Äußerst.

                    Mit etwas Ditanz – Antwort die 2.:

                    Du setzt normative Maßstäbe für Form und Inhalt und Meinungsverschiedenheiten (s. o.). Wie bereits angeklungen: niemand wird diesen gerecht, Du wahrscheinlich auch nicht.
                    Was Du anstellst ist „Theorie“, die Praxis sieht anders aus. Thema Einwanderung: bei offenen Grenzen eine Debatte über die Form der Auseinandersetzung loszutreten und sie damit inhaltlich zu blockieren wird viel Frust hervorrufen. Wut. Und wer bestimmt eigentlich über die Legitimität der Formen?

                    Aus Deinen Artikeln lese ich ein mir durchaus bekanntes Problem heraus. Der Gegner hieß damals noch CDU. Helmut Kohl. Manfred Kanther. […] 20 Jahre später sieht die Welt etwas anders aus. Die Gegner von damals habe ich schätzen gelernt, insb. einzelne Vertreter aus ihren Reihen – die persönlich friedfertige, kompromissfähige, engagierte, verantwortungsbewusste, kurzum vorbildliche Menschen waren.

                    Seitdem schaue ich auf den Menschen und nicht seine Partei. Nach Parteizugehörigkeit zu urteilen ist i.m.O. das Gleiche wie Rassismus.

                    Du würdest in der AfD mit Sicherheit Leute finden mit denen Du dich gut verstehst /Guio Reil?) – wenn Du Dich auf sie einlassen würdest – was Du aber wahrschenlich nicht tust. Alles was Du weißt weißt Du über gewisse Medienkanäle. So ist das eben heute – man kann sich nicht mit allem befassen – verstehe ich bestens – aber eben das sollte man nie vergessen und seine Sekundärquellen stets mit einer gewissen Distanz sehen, sich nicht von ihnen „heiß“ machen und Feindbilder einplfanzen lassen :/

                    PS: tolerieren ist gut. Genau genommen haben die meisten Menschen die ich treffe unmoittelbar einen gewissen Respekt vor mir 😉

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                  2. Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung, worüber und wovon Du redest. Du willst bestimmte Themen aufzwingen, von denen Du nicht loszukommen scheinst, von denen aber kein Mensch (in diesem Fall bin ich der kein Mensch) gesprochen hat. Es kommt mir -wie bereits gesagt- vor, als würdest Du nicht lesen, was ich schreibe, sondern eine Art Subtext. Du unterstellst mir bestimmte Dinge und Ansichten und dadrauf antwortest Du. Du meinst besser zu wissen, als ich selbst, was ich denke. Mir erscheint es, als wärst Du festgefahren in irgendwelchen Äußerlichkeiten und Systemen und in Ideen, wie Menschen sein zu haben, fährst irgendwelche Ideologien und Thesen auf im leicht spöttischen, nachsichtigen und überheblichen Ton eines Lehrers, der eh über mehr Wissen, Verständnis, Menschlichkeit, Einsicht oder was auch immer verfügt und mit einem kleinen Kind kommuniziert.

                    Das zieht bei mir nicht. Weder zieh ich mir den Schuh an, noch lass ich mir irgendwelche Schuldgefühle oder Minderwertigkeiten einreden.

                    Ich stell keinen Anspruch darauf besser zu sein als andere, das dichtest Du mir an. Ich persönlich halte meine Ideen und Gefühle für richtig und sage das auch – aber das habe ich wohl mit jedem einzelnen Menschen auf dieser Welt gemein. Ich bin keiner Neutralität verpflichtet. Warum sollte ich das sein? Ich stell keinen Anspruch auf Wahrhaftigkeit oder Allwissenheit. Den dichtest Du mir an. Denn Du hast eine vorgefertigte Meinung, ein fertiges Ideologiehaus und das muss jedem auf Teufel komm raus aufgepropft werden.

                    Ich versuche nur meinen Teil zu tun, so wie ich es für richtig halte und so wie ich es kann, so wie es mich glücklich macht. Manchmal geh ich zu weit, manchmal treff ich genau, was ich sagen will und manchmal merk ich, dass ich falsch lag. Wie es eben nu mal so ist mit uns Menschen. Wenn das nicht in Dein Weltbild passt und Du mich in irgendwelche Formen pressen willst und musst, um glücklich zu sein, kannst Du das für Dich tun, das stört mich nicht, aber lass mich da raus und häng es nicht mir an, denn das ist Dein Problem. Nicht meines. Vielleicht bist Du es gewohnt, dass Menschen beim Wort Migration aufgeschreckte Hühner oder in die Defensive gedrängt werden und deshalb ziehst Du immer wieder in diese und andere Richtungen und suchst rote Tücher?

                    Von Deinem allerersten Kommentar an hattest Du eine feste Meinung und einen belehrenden Ton. Wie es nu mal so ist, hab ich versucht zu verstehen, mich zu erklären, aber wir sind über inhaltlose Hülsen und leere Plattitüden nicht hinausgekommen (ok, das ist unehrlich, das geb ich zu, damit meine ich in echt Dich und nicht „wir“). Wir haben in Wahrheit über nichts kommuniziert. Wir haben Farbbeutel an eine Wand geworfen, anstatt uns Bälle zuzuwerfen (oder so ähnlich, es ist schon spät). Deshalb sehe ich überhaupt keinen Sinn in einer Kommunikation, die weder real ist, noch sich fortbewegt. Was anderes, ist es, wenn jemand ernsthafte Neugier, ernsthafte Offenheit und Respekt hat und zeigt, dann diskutier ich gern ellenlang, weil es dann auch Sinn macht. Aber ich brauch keine leeren Gesprächsrunden, die nur dazu dienen Botschaften loszuwerden und zu belehren. Ich seh den Sinn darin nicht, es ist verlorene Zeit und Energie. Und ich bin keine Mutter Theresa, die Dinge um der Dinge willen tut. Ich nehm mir das Recht heraus das zu tun, was für mich Sinn macht und ich lass mir auch kein schlechtes Gewissen oder Unzulänglichkeit deshalb einreden.

                    Da ich ebenfalls keinen Sinn darin sehe andere Menschen zu verletzen, ihnen zu nahe zu treten oder sie sinnlos aufzubringen, erst recht, wenn mir gar nix daran liegt, hab ich zuerst nur die Essenz dessen hier geschrieben. Aber ich hab auch kein Problem den Rest deutlich zu sagen, wie ich es hiermit getan hab.

                    Auch, wenn das alles vielleicht aggressiv klingen mag, ist es ganz ehrlich nicht so gemeint. Es ist vehement. Zurückweisend. Ich zieh mir keine Schuhe an, die mir nicht gehören. Aber es ist nicht böse oder sauer oder aggressiv gemeint. Ich seh nur ganz ehrlich nicht, warum man nicht höflich und respektvoll unterschiedlicher Meinung sein kann und erkennt, dass man sich, zumindest gerade, nichts zu sagen hat? Was ist schlimm daran?

                    Es ist vollkommen ok, wenn Dir meine Gedanken oder meine Art die Welt zu sehen nix gibt und Du denkst ich bin naiv oder blöd. Das ist ok und das brauchst Du nicht hinter Smileys und einem überheblichen Ton und Schuldzuweisungen zu verstecken. Ich tue das auch nicht.

                    So wie ich unsere Kommunikationsversuche einschätze, verstehst Du wahrscheinlich genauso wenig, was ich grad geschrieben hab, wie ich Deinen Kommentar verstehe (ich musste grad darüber lachen, ich mein ernsthaft lachen übe diese Situation, nicht spöttisch oder so, sondern richtig lachen, weil es irgendwie witzig ist, wie aus einem NY-Film).

                    Ich wäre Dir wirklich sehr dankbar, wenn wir es einfach dabei belassen könnten ohne weitere Runden zu drehen. Wer weiß, vielleicht erwischen wir ja irgendwann mal einen Zeitpunkt, in dem der Panzer offen ist und man Dinge ernsthaft besprechen kann, anstatt Scheingefechte zu führen, Platzhalter zu spielen und mit Ideologien um sich zu schleudern. Das fände ich dann gut, weil ich denke, Du hast sicher interessante Ideen und Wissen und ich würde gerne verstehen, wie manches zustande kommt. Wir würden zwar immer auf unterschiedlichen Punkten stehen, aber diese wahrscheinlich hart, aber gut ausdiskutieren und dem jeweilige anderen Denkanstöße und ganz neue Blickwinkel geben können. Vielleicht gibt es diesen Zeitpunkt irgendwann, das wäre gut, vielleicht aber auch niemals, das wäre dann auch ok. Aber auf jeden Fall erscheint es momentan total unmöglich. Können wir es dabei einfach belassen und uns dabei (ernsthaft) alles Gute wünschen? Das wäre klasse.

                    Tschuldigung, dass es so lang geworden ist, ist eine meiner Schwächen. Liegt am meist übervollen Hirn und Herz.

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    2. Nina sagt:

      Jetzt hab ich zu früh auf den Knopf gedrückt und meine Antwort war weg, bevor sie fertig war! Hier der Rest: Eigentlich fehlt mir die Idee, wie man die Fragmentierung beenden kann, die uns trennt. Es gibt Millionen Menschen, die unglücklich sind mit der Welt und eigentlich das Gleiche wollen. Sie mögen unterschiedlicher Meinung sein, wie man die hinkommt. Und da beginnt das Problem: Da kommen dann echt üble Zeitgenossen ins Spiel und nutzen das aus. Zeitgenossen, die eigentlich gar nix ändern mögen, die es aber mögen gefragt zu sein oder Macht zu haben.

      Wenn mal aber einer/eine die Leute alle erreichen könnte und sagen würde, was Sache ist, wirklich mal wie ein echter Mensch mit denen sprechen würde, dann glaube ich, dass die meisten dieser Unterschiede tatsächlich beigelegt werden könnten. Und ich sag das nicht aus einer Naivität heraus. Aus einem Glauben an die Menschheit heraus, ja, aber nicht aus Naivität. Ich sag das aus realen Erfahrungen heraus, die ich gemacht hab. Das Problem ist, die Leute an einen Tisch zu kriegen. Und da hab ich keine Ahnung, wie das gehen sollte.

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