Der Kampf mit dem sich sträubenden Moment

Ok. Ich bin ein leidenschaftlicher Liebhaber von P.S.en. Mein Rekord liegt bei 9 Stück. Oder so. Nee, wenn ich ganz ehrlich bin, lieg ich eher im zweistelligen Bereich. Natürlich nicht regelmäßig, ganz so schlimm ist es nicht. Aber es kann schon mal vorkommen. Columbo ist dann nix gegen mich, ich bin eine Person, die ohne Probleme locker neun „Was ich auch noch sagen wollte“ mit sich rumschleppen kann. Das streift eine Frage, die mich seit jeher fasziniert: Wann wissen wir, wann wir genug gesagt haben? Oder fertig gemalt haben? Oder zu Ende musiziert haben? Oder auch uns leer geschrieben haben?

Beim Schreiben bin ich gar nicht so hin und weg über diese Frage, eher beim Malen. Ich denke, bei mir persönlich liegt das daran, dass das Schreiben was ist, was ich seit jeher tue. Deshalb habe ich da ein viel klareres Bild meiner Aussage, ein natürliches und geübteres Ohr und Auge, das erkennen kann, wenn etwas abgerundet ist oder wann es droht an einer Seite überzukippen, weil da zuviel aufeinandergestapelt ist. Beim Schreiben ist der handwerkliche Teil bei mir inzwischen so losgelöst vom künstlerischem, dass er von mir nur sehr wenig bewusste Aufmerksamkeit und Aufsicht benötigt. Ich kann ihn entweder heranziehen, wenn ich was Neues ausprobieren will oder ihn im Hintergrund mitlaufen lassen. Er hat sich mir untergeordnet und ich habe Erfahrungswerte, wann ein Text gar ist. Während ich mich das Malen ja erst vor ein paar Jahren zögerlichst wirklich getraut habe und selbst dann noch einigen zusätzlichen Anlauf brauchte, bis ich mit dem Selbstbewusstsein gemalt hab, das sagt: Das ist ein Bild und ich hab es gemalt.


Davor war ich mir noch nicht mal sicher, ob das Malen ist, was ich mache oder ob ich damit hoch stapele. Davor war es eher ein kleinmütiges „ok, damit kann ich zumindest irgendwie leben“ oder ein überraschtes „das ist ja tatsächlich fast schön“. Nu muss ich grad aus irgendeinem Grund selber über mich lachen, über den niedlichen, hilflosen, uneinsichtigen, jedoch so durchsichtigen Trotz und Widerstand mit dem ich – selbst vor mir selber – überspielt hab, das ich es eigentlich gar nicht „fast schön“ fand. Daraus, dass ich das Schreiben heute anders empfinde und dass ich auch mit dem Malen inzwischen auf vertrauterem Fuß stehe als früher, ist letztendlich die Lehre zu ziehen, dass Übung tatsächlich hilft. Das ist eine Lehre, die ich total beschissen finde, weil ich mich in diesem engen „wenn Du brav übst, dann wirst Du auch besser“ gefangen und erstickt fühle wie an einem staubigen Sonntag nachmittag in einem kleinen Dorf, in dem die Vorhänge Augen kriegen, während ich vorbeilaufe, die schnell wieder verschwinden, wenn ich in sie reinschauen will.

Das nervt mich. Dass Übung den Meister macht meine ich. Aber ein Trost bleibt mir: Wie in „Mal mal“ beschrieben, war der Löwenanteil an meiner veränderten Einstellung zum Malen nicht die Übung, sondern, dass ich meine Erwartungen an mich selbst auf etwas heruntergeschraubt hab, was ein Normalsterblicher auch erfüllen kann. Dass ich nicht mehr mit garstigen, sondern mit offenen Augen auf meine Bilder geschaut hab. Und erst ab diesem Punkt konnte ich mich tatsächlich auch verbessern und vertiefen. Weil alle Übung hilft ja nix, wenn man alles nur hässlich sieht.

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