Bis es keine Schlachtfelder mehr gibt

Der Grund dafür ist natürlich, dass ich es so gelernt hab. Was mit uns gesellschaftlich passiert, was wir seit ein paar Jahrzehnten oder so machen ist eine permanente Entmündigung und Verdummung, ein permanenter Entwicklungsstop. Ich hab ja hier schon ein paar Mal geschrieben, dass ich, wenn ich zurück schaue auf all die emotionale, moralische Entwicklung der Menschheit, die immer stattgefunden und uns voran getrieben hat, das Gefühl hab, als hätten wir total aufgehört irgendwohin zu denken und zu fühlen. Wo sind die Philosophen? Wo sind die moralischen Autoritäten? Die Humanisten? Die Zweifler? Die Aufrührer? Wo sind die, die alle mitnehmen wollen?

Stattdessen tun wir Dinge um der Dinge willen. Wir fragen nicht mehr nach einem Sinn. Wir haben verlernt eine Zukunft zu denken, weil wir keine persönliche Gegenwart haben. Wir sehen uns fast nur noch durch das Prisma der anderen und der Performance. Weil es keine Grenzen mehr gibt und somit nichts mehr etwas wert ist, gibt es auch nichts mehr zu riskieren (und mit Grenzen meine ich NICHT Tabus, sondern Wertigkeit, Willen, Nein). Weil es eh viel zu gefährlich geworden ist „nein“ zu sagen. Und so ist alles, was viele nun wollen, die Zeit zurück zu drehen. Zurück in eine Zeit, wo man noch nicht bodenlos war. Wo es noch Grenzen gab, die man ziehen konnte, ohne dass sofort alles einbricht, wo noch nicht alles „convenient“ und „produktiv“ war. Eine Zeit, in der Beziehungen zwischen Menschen und Dingen und Menschen und Menschen noch persönlich waren und es Privatsphäre gab.

Und da sind wir wieder an dem, was ich am Anfang geschrieben hab: Wir können denken wie die Weltmeister – und dann denken wir so nen Scheiß? So einen Mist wie „negative Emotionen“? Das einzige, was negative Emotionen negativ macht, ist, dass wir gelernt haben, dass wir versuchen müssen ihnen zu entkommen und dass wir nicht in der Lage sind mit ihnen umzugehen. Allein schon, dass wir negative Emotionen negative Emotionen nennen, ist der Anfang vom Ende. Indem wir sie „negative“ Emotionen nennen, geben wir ihnen schon im voraus die Macht unser Leben mit einmal von normal in unnormal zu wandeln. Und dann beschweren wir uns darüber wie schwer alles ist und wie unfair. Als hätten wir nicht gerade selber ganz normale Gefühle in „negative Gefühle“ verwandelt.

Gestern hab ich das Titelbild eines Buches gesehen: „Füttere Deine Dämonen“. Das hat mich mittendrin gestoppt. Ich hab keine Ahnung, um was es in dem Buch geht, aber der Satz allein hat schon genügt. Er war wie ein Echo. Als hätte ich im Dickicht meines Gehirns schon ewig darüber nachgedacht und durch den Satz ist das Gedachte plötzlich an die Oberfläche gekommen und Erkenntnis geworden: Die Vorstellung, dass man seine Dämonen nähren und pflegen sollte. Die Vorstellung, dass wir unsere Dämonen genauso brauchen wie unser Glück, wie Liebe. Aber: dann wären sie ja keine Dämonen mehr. Dann wären sie ja auch Glück.

Und dann? Dann gäbe es sowas wie negative Emotionen und Erfahrungen ja gar nicht.

Die Idee in mir ist: Es ist falsch einen Teil in uns als positiv und einen anderen als negativ zu bewerten. Damit entfernen und zerteilen wir uns. Wir enthalten uns vor, dass wir uns anerkennen. An-er-kennen. Etwas sehen, dann kennen und dann als legitim, richtig erachten. Dieses Wort beinhaltet alles. Das sollten wir mit uns tun. Uns anerkennen.

Das, was wir an uns mögen und das, was wir nicht mögen. Anerkennen. Alles. Wir sollten nicht danach streben das in uns auszuradieren, was wir nicht mögen. Was bedeutet das denn in Wahrheit? Dass wir sagen, dass wir, wir in unserer puren, pursten Essenz, unserem ursprünglichen Sein, nicht würdig sind zu existieren. Kein Wunder, dass so viele von und so schrecklich, so tödlich verletzt sind. Wenn wir uns selbst nicht anerkennen können so wie wir sind.

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